Partner gesucht Wer will T-Systems?

Ende Januar kündigte T-Systems-Chef Lothar Pauly an, die Auslandsexpansion mit einem strategischen Partner vorantreiben zu wollen. Seitdem kursieren Gerüchte darüber, wer dafür in Frage kommt. Jetzt wurde der indische Mischkonzern Tata ins Spiel gebracht. Experten halten dies jedoch für unwahrscheinlich.

Frankfurt am Main - Ein Einstieg des indischen Mischkonzerns Tata bei T-Systems stehe nicht zur Diskussion, erfuhr manager-magazin.de aus Kreisen der Deutschen Telekom . Die Onlineausgabe des "Focus" hatte zuvor ohne Angabe von Quellen berichtet, dass Tata in konkreten Verhandlungen mit der Telekom stehe und bereits die Bücher der Geschäftskundensparte prüfe.

T-Systems wollte den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren. "Zu Gerüchten am Markt nehmen wir keine Stellung", sagte ein Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Tata war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Hintergrund der Spekulationen ist die Ankündigung von T-Systems-Chef Lothar Pauly Ende Januar, dass die Geschäftskundensparte ihre Auslandsexpansion mit einem strategischen Partner vorantreiben wolle. "Unser Ziel ist es, einen weltweit tätigen Partner zu finden", sagte Pauly damals. Ob T-Systems die Führung behalte, hänge von der Größe des Partners ab. "Ein reiner Verkauf von T-Systems ist aber nicht das Ziel", so der T-Systems-Chef. Angestrebt werde, den Auslandsanteil am Umsatz bis 2010 von derzeit 18 Prozent auf 30 Prozent zu steigern.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Partnerschaft durchaus sinnvoll. Allein im vergangenen Jahr büßte die Sparte auf Grund des harten Wettbewerbs und des Preisverfalls am Geschäftskundenmarkt beim bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) 22 Prozent ein und erzielte 1,23 Milliarden Euro Gewinn. Die operative Marge sank auf 9,7 von 12,3 Prozent im Vorjahr.

"Tata wäre für T-Systems wie BenQ für Siemens"

Der indische Konzern Tata - beziehungsweise deren IT-Tochter Tata Consultancy Services - ist Experten zufolge jedoch kein geeigneter Kandidat. "Tata würde in eine Partnerschaft viel zu wenig einbringen", erklärt Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim gegenüber manager-magazin.de. Der Konzern würde nur seinen Vertrieb stärken wollen und Wertschöpfung voraussichtlich nach Indien abziehen. "Das wäre dann ähnlich wie bei Siemens  mit BenQ  und so etwas kann sich Telekom-Chef René Obermann nicht leisten", so Rothauge.

Der indische Tata-Konzern hat in den vergangenen Jahren im Ausland verschiedentlich zugekauft. Die Gruppe ist in sieben Branchen aktiv. Zuletzt übernahm die Stahlsparte den niederländisch-britischen Konkurrenten Corus für 9,3 Milliarden Euro. Die IT-Sparte Tata Consultancy Services ist der größte Exporteur von Softwarediensten in Indien. Im Aufsichtsrat von Tata sitzt übrigens der ehemalige Telekom-Chef Ron Sommer.

Dennoch sieht Rothauge als möglichen Partner eher den IT-Dienstleister EDS (Electronic Data Systems) oder die Unternehmensberatung Capgemini. "Obermann braucht jemanden für T-Systems, der europaweit oder sogar international gut aufgestellt ist", meint der Experte. Der Analyst kann sich vorstellen, dass T-Systems ähnlich wie die Netzwerksparten von Siemens und Nokia  mit einem Partner ein Joint Venture eingeht, an dem die Telekom-Tochter nur noch mit 50 Prozent beteiligt ist. Allerdings ist T-Systems immer noch sehr schwerfällig und bürokratisch, sodass die Suche nach einem passenden Partner noch länger dauern kann.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.