BenQ Dubiose Millionengeschäfte

Vor der Insolvenz von BenQ Mobile ist es offenbar zu dubiosen Finanzgeschäften gekommen. Der Insolvenzverwalter des Handyherstellers fordert vom taiwanesischen Mutterkonzern BenQ mehr als eine halbe Milliarde Euro zurück.

München - Vor der Pleite Ende September soll BenQ  die deutsche Tochter um Millionen erleichtert haben. "Wir haben deutliche Vermögensverschiebungen festgestellt", sagte Insolvenzverwalter Martin Prager gestern auf der Gläubigerversammlung.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge will der Insolvenzverwalter nun die Gelder aus Taiwan einklagen. Wegen "existenzgefährdender Eingriffe" und "Eigenkapitalentnahme" werde er von BenQ 504 Millionen Euro einfordern, kündigte Prager an. Er erwarte eine massive Konfrontation mit den Taiwanern. "Wir werden die Ansprüche in einem Prozess durchsetzen müssen", erklärte er.

Der taiwanesische BenQ-Konzern hatte Mitte 2005 das hochdefizitäre Handy-Geschäft von Siemens  mit einer Millionenmitgift übernommen. Nachdem jedoch auch der Neueigentümer die Verluste der Handy-Sparte nicht eindämmen konnte, schickte er die deutsche Tochter nach einem Jahr im September 2006 in die Insolvenz.

Mehr als 3000 Beschäftigte verloren in Deutschland ihren Job. Bereits im November war die Pleite ins Visier der Münchner Staatsanwaltschaft geraten. Wegen des Verdachts der verspäteten Insolvenzantragstellung und verschiedener Bankrottdelikte ermittelt die Behörde.

Harte Kritik übte Prager auch am ehemaligen deutschen Management von BenQ Mobile. Die Buchhaltung sei in schlimmem Zustand gewesen, zitiert ihn die "SZ". Noch immer arbeiteten Wirtschaftsprüfer die Zahlenwerke auf. Hinweise auf eine Bereicherung des deutschen Managements hätten die Prüfer dagegen nicht entdeckt.

Auch die ehemalige Mutter Siemens dürfte die Pleite teuer kommen. Forderungen bezifferte Prager erstmals öffentlich auf 100 Millionen Euro, möglich sei aber auch mehr. "Ehrlich gesagt, hoffen wir auf mehr", sagte Prager. Es seien "noch eine Reihe von Bewertungs- und Finanzierungsfragen offen", hieß es. Eine Klage gegen Siemens will Prager aber umgehen. Beide Seiten hätten Interesse an einem Vergleich, sagte er.

SPIEGEL ONLINE

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.