Cisco Der virtuelle Konferenztisch

In einem kleinen Raum in der Cebit-Halle 26 sitzen sich neun Geschäftsleute an einem Tisch gegenüber - zumindest scheint es so. Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass vier davon nur virtuell anwesend sind, über Plasmabildschirme. Für die Fiktion ist eine neue Konferenzlösung von Cisco verantwortlich.

Hannover - "Guten Tag, meine Name ist Frank Müller von der International Car Associates", stellt sich der Mann gegenüber vor. Er trägt ein rotes Jackett mit Fliege, ist etwa 35 Jahre alt und seine Augen lächeln verschmitzt, als er den Zuhörern auf der anderen Seite des Raumes in Halle 26 der Computermesse Cebit das Thema der Konferenz vorstellt: Es soll das Managerauto der Zukunft gefunden werden.

Genaugenommen sitzt Müller allerdings nicht wirklich auf der anderen Seite des Raumes. Der verkleidete T-Systems-Mitarbeiter hat etwa 300 Meter entfernt in einer anderen Halle an einem Konferenztisch Platz genommen, genau wie die Zuhörer in diesem Zimmer. Sehen und hören können sich die Teilnehmer über ein Konferenzsystem von Cisco  namens Tele Presence - und zwar in gestochen scharfen Bildern, die so gut wie ohne Zeitverzögerung von einem Ort zum anderen übertragen werden.

Genau das möchte T-Systems hier auf der Cebit auch demonstrieren. Um das Ganze in einer herkömmlichen Geschäftssituation zu veranschaulichen, hat die Geschäftskundentochter der Deutschen Telekom  die International Car Associates ins Leben gerufen.

Darstellung in Lebensgröße

Der virtuelle Müller stellt den potenziellen Unternehmenskunden, die sich die Vorführung des Konferenzsystems auf der Messe anschauen wollen, gerade seine drei Kollegen vor, die mit ihm in dem anderen Raum sitzen. Für die Zuhörer an dem ovalen Konferenztisch wirkt es jedoch so, als säßen ihnen die vier Gesprächspartner direkt gegenüber.

Verantwortlich dafür ist das Möbelstück selbst. Während auf der einen Seite des Tisches sechs reale Teilnehmer Platz nehmen können, stehen auf der anderen Seite drei hoch auflösende Bildschirme auf der Tischplatte. Die Monitore übertragen die Bilder aus dem anderen Raum, in dem die Gesprächspartner ebenfalls an einem Konferenztisch sitzen. Die Größe und Anordnung der Bildschirme ermöglicht die Darstellung der Teilnehmer in Lebensgröße, so dass es wirkt, als säßen sie auf der anderen Seite des Tisches. Genau genommen sind natürlich nur die Oberkörper von Müller und seinen Kollegen zu sehen - so wie auch in realen Konferenzen.

Konferenz mit London und Shanghai

Konferenz mit London und Shanghai

Wie auf den Bildschirmen sichtbar, ist Müller inzwischen dabei, mit seinem Notebook eine Präsentation zu starten. Schließlich soll ja immer noch das Managerauto der Zukunft gefunden werden. Kurze Zeit später erscheinen unterhalb der Monitore auf einer Leinwand vier verschiedene Autotypen, aus denen die Besucher ihr Lieblingsmodell auswählen sollen. Auch über die Ausstattung des Pkws dürfen die Teilnehmer abstimmen. Schließlich entscheiden sich die potenziellen Kunden für ein SUV (Sports Utility Vehicle) mit Chauffeur, Internetanschluss und eingebautem Fernseher.

Dann übernehmen Müllers Kollegen das Wort und erklären den Interessenten im Raum die nüchternen Fakten des Cisco-Konferenzsystems. Ein wenig trocken und unbeholfen - schließlich sind nicht alle T-Systems-Mitarbeiter als Schauspieler geboren - verkünden die virtuellen Experten, dass ab sofort mehrere reale Standorte durch die Tele-Presence-Lösung miteinander verbunden werden können. So könnten beispielsweise die Firmenchefs in Hamburg gleichzeitig mit einem Kunden in London und einem unternehmensinternen Experten aus Shanghai konferieren. Einzige Voraussetzung dafür sei eine Internetverbindung mit einer Geschwindigkeit von 15 Megabyte pro Sekunde und genügend Platz für den virtuellen Konferenztisch.

Kein Schnäppchen

Abgesehen davon sollte ein potenzieller Kunde aber auch über eine gut gefüllte Unternehmenskasse verfügen. Schließlich ist die Tele-Presence-Lösung von Cisco mit knapp 300.000 Dollar nicht gerade ein Schnäppchen. Dafür kümmern sich die Mitarbeiter des US-Netzwerkspezialisten aber immerhin um Aufbau und Wartung des Systems. Laufende Kosten fallen dem Hersteller zufolge nicht an.

Trotz der hohen Anschaffungskosten zeigen die Konzerne durchaus Interesse an der Konferenzlösung. So hatten sich für die Demonstration des Systems auf der Cebit mehrere namhafte Unternehmen angemeldet, darunter auch Microsoft  und Volkswagen . In den viertelstündigen Vorführungen mussten viele Firmenvertreter in der zweiten Reihe stehen, anstatt die Technologie direkt am Konferenztisch erleben und somit auch an der Gestaltung des Managerautos der Zukunft mitarbeiten zu können.

Die Idee, solch einen Wagen entwickeln zu wollen, wurde am Schluss der Präsentation übrigens wieder verworfen: Der virtuelle Müller stellte fest, dass Manager durch die Tele-Presence-Lösung kaum noch reisen müssten, da sie ja über das System realitätsnah mit ihren Kollegen und Kunden kommunizieren könnten. So wurde das Managerauto der Zukunft am Ende der Konferenz wieder ad acta gelegt.