Standort D Die Hochburg der Phisher

Viren, Hacker, Phishing - Computerangriffe kommen immer häufiger vor. Die meisten Attacken stammen aus den USA, Deutschland liegt jedoch in Sachen "Phishing" europaweit auf dem traurigen ersten Platz.

San Jose - Die Versuche zu, über das Internet an vertrauliche Daten zu gelangen nehmen unaufhörlich zu. Von den 50 weltweit am meisten entdeckten Schadprogrammen zielen 66 Prozent auf vertrauliche Informationen ab - 48 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2006. Das berichtet das Sicherheitsunternehmen Symantec.

Die meisten Computerangriffe auf der Welt kommen laut einer Studie des Unternehmens aus den USA, für die Symantec die weltweiten Vorfälle in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres untersuchte. Die USA sind demnach für ein Drittel der Computerangriffe verantwortlich. Auf Platz zwei landete China mit zehn Prozent, aus Deutschland kamen sieben Prozent der sicherheitsrelevanten Vorfälle von Spam über Viren bis Phishing.

In Europa ist Deutschland laut Symantec aber mit 19 Prozent für die meisten Sicherheitsrisiken verantwortlich. Mit 32 Prozent sei Deutschland sogar die europäische Hochburg von Phishing-Websites, teilte das Unternehmen Symantec mit. Weltweit rangiert Deutschland damit nach den USA an zweiter Stelle. Beim Phishing versuchen Kriminelle mit fingierten Websites, die sich als offizielle Internetseite etwa einer Bank ausgeben, vertrauliche Daten wie Kontonummer, Passwörter oder PIN "abzufischen".

Preis für gestohlene Daten sinkt

Laut dem Softwarespezialisten werden die kriminellen Banden, die hinter den Angriffen stecken, immer professioneller. Der harte Wettbewerb zwischen den Gruppen hat inzwischen sogar zu einem Preisrückgang zum Beispiel für Kreditkartennummern oder gestohlene Identitäten geführt. Eine Kreditkartennummer gibt es schon für einen Dollar, eine komplette Identität mit Geburtsdatum, US-Bankverbindung und weiteren Daten für 14 Dollar (10,50 Euro).

Auch Matthias Gärtner vom Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt PC-Anwender. Sie müssen aufpassen, dass ihr Rechner von neuartigen Schadprogrammen nicht "gekidnappt" wird. "Immer häufiger versuchen Hacker, andere Rechner über so genannte Bot-Netze unter ihre Kontrolle zu bringen", so der Experte. Spezielle PC-Schädlinge machten den Heimrechner zum ferngelenkten "Zombie", über den Hacker dann zum Beispiel Spam-E-Mails verschicken könnten. In kriminellen Kreisen würden Bot-Netze sogar gegen Geld an Dritte weitervermietet.

Symantec zufolge ist die Zahl der Computer, die von den Banden für ihre Angriffe ferngesteuert werden können, um 29 Prozent im Vergleich zu den sechs Monaten zuvor auf mehr als sechs Millionen gestiegen.

Die Zahl der Server, die Hacker kontrollieren, sank hingegen um rund 25 Prozent auf 4700, was auf eine Konsolidierung in der Szene schließen lasse, hieß es. 26 Prozent der infizierten Rechner stehen in China, das sind mehr als in jedem anderen Land. Für die Studie wurden die mehr als 120 Millionen Computer genutzt, die mit einer Sicherheitssoftware von Symantec laufen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa und dpa/gms