RIM-Angriff Acer kommt auf den Brombeergeschmack

Der Chef des taiwanesischen PC-Herstellers Acer, Gianfranco Lanci, gibt sich angriffslustig: Durch die Produktion eines eigenen Smartphones will der Konzern dem Blackberry-Hersteller RIM gefährlich werden. Mithilfe von Übernahmen will Lanci außerdem die Position als weltweite Nummer vier im PC-Markt verbessern.

München - "Wir arbeiten an einem Smartphone. Bis zur Marktreife brauchen wir noch drei bis sechs Monate", sagte Gianfranco Lanci der "Süddeutschen Zeitung" (SZ, Montagausgabe). Noch in diesem Jahr solle das Handy erhältlich sein, das auch für die Planung von Terminen und den Empfang von E-Mails geeignet ist. Damit steigt Acer  in den Wettbewerb mit Blackberry-Hersteller RIM ein.

Das Design des neuen Gerätes ähnele in der Gestaltung dem Blackberry. Das Smartphone werde eine kleine, integrierte Tastatur haben sowie mit dem Betriebssystem Windows Mobile von Microsoft  ausgestattet sein, so Lanci. Eine GPS-Navigationsfunktion, wie dies einige Wettbewerber anbieten, gebe es aber zunächst nicht. "Es wird ein Produkt für Firmenkunden sein, nicht für Endverbraucher", erklärte Lanci.

Mit der Entwicklung eigener Smartphones wendet sich Acer einem wachsenden Marktsegment zu. Bisher verkauft das Unternehmen herkömmliche PDAs, zum Teil mit GPS. Diese Kategorie schrumpft jedoch: Der PDA-Verkauf ging im vierten Quartal 2006 um 36 Prozent zurück, so das Marktforschungshaus IDC. Der Absatz der Smartphones stieg dagegen den Analysten von Canalys zufolge im selben Zeitraum um 30 Prozent. Acer muss also Smartphones bauen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Acer plant dem Bericht zufolge außerdem Zukäufe im PC-Bereich. "In der Vergangenheit haben wir stets von organischem Wachstum gesprochen. Nun erkennen wir, dass wir uns über Akquisitionen Gedanken machen müssen, wenn wir das Wachstumstempo steigern wollen", erklärte Lanci gegenüber der "SZ".

Der ideale Kandidat sei ein Unternehmen, welches Acer in seiner regionalen Präsenz oder vom Produktportfolio her ergänze. Namen nannte er nicht. Es werde sich jedoch voraussichtlich um einen Unternehmen mittlerer Größenordnung handeln. Für einen solchen Zukauf habe Acer ein Barvermögen von 1,5 Milliarden Dollar.

Acer ist momentan der PC-Hersteller mit dem weltweit vierthöchsten Marktanteil. Der taiwanesische Konzern ist im vergangenen Jahr laut dem Marktbeobachter International Data Corporation mit einem Plus von 38 Prozent auf einen Marktanteil von 5,9 Prozent am schnellsten gewachsen. Vor Acer lagen die US-Konzerne Dell  und Hewlett-Packard  mit einem Marktanteil von 17,1 beziehungsweise 17 Prozent. Auf den dritten Platz schaffte es der chinesische PC-Bauer Lenovo  mit 7,3 Prozent.

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