Cebit-Eröffnung Merkel will IT-Offensive

Zum Auftakt der Computermesse Cebit hat Kanzlerin Angela Merkel eine neue Innovationsoffensive für Deutschland gefordert. Für die Bundesregierung versprach sie ein IT-Aktionspaket. Die Branche rechnet mit leichtem Wachstum - ohne neue Jobs.

Hannover - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Politik und Wirtschaft erneut zu Innovationen aufgerufen. "Hightech-Produkte und innovative Dienstleistungen sind das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Dass dies auch in Zukunft so bleibt, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit", sagte die CDU-Chefin am Mittwoch zur Eröffnung der Computermesse Cebit in Hannover. Sie versprach ein "Aktionspaket" der Bundesregierung für die IT-Branche.

Bereits im Vorjahr hatte die Kanzlerin für ein technikfreundlicheres Klima geworben. Um bei der Informations- und Kommunikationstechnik und anderen zentralen Technologien zur Spitze zu zählen, sei ein Klima nötig, in dem Ideen in Taten und in dem Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte, umgesetzt werden. "Kurzum, wir brauchen eine Innovationsoffensive", sagte die Regierungschefin.

Mehr als die Hälfte der Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte Deutschlands seien von der digitalen Wirtschaft gesteuert. Die Bundesregierung habe zugesichert, bis 2009 rund 15 Milliarden Euro zur Technologieförderung bereitzustellen. Davon sollen 1,2 Milliarden Euro in IT-Investitionen gehen. "Den größeren Teil jedoch muss die Wirtschaft beisteuern. Sie hat rund zwei Drittel der gesamten Forschungsleistungen in Deutschland zu erbringen", sagte Merkel. Für Ende dieses Jahres kündigte sie ein zweites Gipfeltreffen von Politik und Wirtschaft an. Bei dem ersten IT-Gipfel hatte die Regierung zusätzliche Fördermittel insbesondere für die Forschung zugesichert.

Verband warnt EU vor Kleinstaaterei im IT-Bereich

Der Branchenverband Bitkom appellierte an die Kanzlerin, sich auf europäischer Ebene für einheitliche Rahmenbedingungen und gegen zusätzliche Abgaben etwa für Computer und Mobiltelefone einzusetzen. "Wir brauchen keine weiteren administrativen Hürden und keine bürokratischen Einschränkungen", sagte Bitkom-Präsident Willy Berchtold bei der Eröffnung laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript.

Einzelne Länder in der Europäischen Union wollten zum Beispiel Gebühren für Computer oder für den Empfang von Radiosendern per Mobiltelefon einführen. "Nationale Kleinstaaterei führt im globalen Wettbewerb nicht zu Vorteilen", sagte Berchtold. Die weltgrößte Computermesse Cebit zeigt von Donnerstag an sieben Tage lang die neuesten Trends bei Rechnern, Computerprogrammen, Internet, Multimedia und Telekommunikation. Die Branche demonstriert dabei Optimismus.

Der Verband Bitkom erhöhte die Jahresprognose auf 2 Prozent Wachstum von bisher 1,6 Prozent. Allerdings dürfte die Zahl der Arbeitsplätze lediglich stabil bei 800.000 bleiben. Die Cebit fällt in diesem Jahr mit 6059 Ausstellern aus 77 Ländern erneut kleiner aus als im Vorjahr. Branchengrößen wie die Handy-Hersteller Nokia  und Motorola  sind der Cebit in diesem Jahr ferngeblieben. Partnerland der diesjährigen Messe ist Russland. Die Veranstalter erwarten wie im Vorjahr gut 430.000 Besucher.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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