Cebit-Splitter Highlights aus Hannover

Wochenlang haben viele Unternehmen mit der Vorstellung neuer Produkte gewartet. Nun haben einige von ihnen einen Tag vor Eröffnung der Messe ihre Geheimnisse gelüftet. Ein Überblick über die Neuheiten in der IT-Branche.

Hannover - Der Mobilfunkanbieter Vodafone D2 will sein Geschäft mit Datendiensten deutlich ausweiten. "Wir sind Marktführer und wollen dies auch bleiben", sagte Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen am Mittwoch im Vorfeld der Cebit. Bereits jetzt komme das Unternehmen mit Datendiensten ohne Kurznachrichten auf einen jährlichen Umsatz von 650 Millionen Euro, was knapp 9 Prozent der Gesamterlöse ausmacht.

Um das Geschäft weiter anzukurbeln, präsentierte Vodafone D2 einen beschleunigten UMTS-Zugang, der eine Übertragungsrate von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde erlaubt. Damit ist die Verbindung nach Angaben des Unternehmens deutlich schneller als die meisten herkömmlichen DSL-Anschlüsse.

Als Zusatzdienste stellt die Deutschland-Tochter des britischen Konzerns beispielsweise Navigation mit dem Handy, Musikdownloads und Mobile TV vor. Für den mobilen Fernsehempfang bietet Vodafone D2 unter anderem eine Fußball-Flatrate an, die für 7,50 Euro monatlich den Empfang aller Bundes- und Zweitligaspiele auf einem UMTS-Handy erlaubt.

Auch ein neues Mailbox-Konzept, mit dem der Anrufbeantworter auf das Handy gebracht wird, soll neue Kunden anlocken. Bei der Vodafone Push Mailbox werden alle eingehenden Nachrichten per Sprach-MMS auf das Handy gesendet. Damit entfallen die Benachrichtigung per SMS und der Anruf bei der Mailbox. Die Neue Mailbox ist für alle VodafoneD2--Kunden kostenlos.

Vodafone senkt die Preise

Zudem gab das Unternehmen eine Senkung der Preise für die mobile Datennutzung im Ausland bekannt. Ab Donnerstag gelte für die sogenannten Web-Sessions-Pakete im In- und Ausland der gleiche Preis von 14,95 Euro für 24 Stunden. Bisher hatte die Gebühr für den Auslandseinsatz bei Vodafone D2 28,95 Euro und für den Inlandseinsatz 17,95 Euro betragen.

Auch Vodafones kleinerer Konkurrent O2 setzt auf mobile Datendienste. So soll eine einfachere Preisstruktur, bei der die Minute im Basistarif neun Cent kostet, auch Einsteigern den mobilen Weg ins Internet erleichtern. Mit dem Tarif L können O2-Kunden für 25 Euro im Monat für 5000 Megabyte (MB) im Internet surfen. Die mobilen Datentarife gelten für alle Mobilfunklaufzeitverträge.

O2 bringt MTV aufs Handy

O2 bringt MTV aufs Handy

Mit dem neuen Dienst Internet-to-Go will O2 den Nutzern das mobile Surfen erleichtern. Dazu hat das Unternehmen eine Kooperation mit Google  vereinbart. Ab dem Sommer wird der Anbieter die Google-Suche auf seinen mobilen Portalen integrieren. Zudem können sich Kunden ab diesem Zeitpunkt auch Titel aus den Hitlisten des Musiksenders MTV herunterladen. Der Preis dafür steht allerdings noch nicht fest.

Dem Thema IPTV will sich O2 erst 2008 widmen. Die geplante Entwicklung einer Handy-TV-Plattform mit den Konkurrenten T-Mobile und Vodafone  ist dem Unternehmen zufolge auf gutem Weg.

Neben den Telekommunikationsunternehmen haben auch die Inhalteanbieter im Vorfeld der Cebit ihre Produktneuheiten präsentiert. Das Internetportal Web.de  beispielsweise hat will ab Mitte April eine neue Web-2.0-Community starten. "Bislang waren Community-Portale wie Xing oder StudiVZ oft nur auf spezielle Insiderkreise zugeschnitten", erklärte Web.de-Geschäftsführer Matthias Greve in Hannover.

Die Seite Unddu.de soll dagegen eine zentrale Anlaufstelle für alle Nutzer sein, die sich interaktiv austauschen wollen. Dabei können den Angaben zufolge kostenlos etwa eigene Videos hochgeladen oder Blog-Einträge erstellt werden. Allerdings seien die Beiträge der Anwender nicht automatisch für jedermann zugänglich. Stattdessen lasse sich der Zugang auch nur für Freunde und Bekannte freischalten. Dadurch seien etwa Bilder von Jugendlichen besser geschützt.

Combots startet Kommunikationsplattform

Zur Cebit startet Web.de in seinem Musikangebot zudem einen Service mit 3000 kostenlosen Musikvideos, einen Klingeltondienst sowie einen Online-Ticketshop, in dem Karten für über 85.000 Veranstaltungen gebucht werden können.

Als das Portalgeschäft Web.de vor eineinhalb Jahren an United Internet verkauft wurde, nannte sich der Rest des Unternehmens in Combots  um und kündigte eine Kommunikationsplattform an. Nun soll der neue Service nach einer langen Betaphase endlich gestartet werden.

Die Software Combots arbeitet mit animierten Figuren und kann neben Texten auch andere Daten wie Fotos, große Dokumente, Sprachmitteilungen oder Videoclips mit einem Mausklick versenden. Außerdem kann das Programm zum Telefonieren über das Internet genutzt werden. Die Basisvariante ist kostenlos, eine Premiumversion kostet je nach Vertragslaufzeit zwischen zwei und drei Euro im Monat. Zur Zahl der Beta-Anwender wollte das Unternehmen keine Auskunft geben.

Fujitsu Siemens enttäuscht

Fujitsu Siemens enttäuscht

Auch die Unternehmen aus der Elektronikbranche gaben im Vorfeld der Cebit ihr Stelldichein. Europas größter Computerhersteller Fujitsu Siemens (FSC) gab beispielsweise seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr bekannt. Demnach verfehlte das Unternehmen sein Umsatzziel wegen drastischen Preisverfalls und verdiente auch weniger. Im Geschäftsjahr 07/08 rechnet FSC allerdings wieder mit einem steigenden Gewinn. "Wir konzentrieren uns auf den Verbrauchermarkt und setzen auf Design und Anwendersicherheit", sagte der Chef des Gemeinschaftsunternehmen von Siemens  und der japanischen Fujitsu , Bernd Bischoff.

Im Geschäftsjahr (31. März 2007) kam das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen auf einen Umsatz von sieben Milliarden Euro nach 6,6 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn stieg geringfügig von 132 Millionen auf 140 Millionen Euro und erfüllte die Erwartungen des Unternehmens. Der Vorsteuergewinn sank indes von 121 auf 85 Millionen Euro. Darin sind 55 Millionen Euro enthalten, die Fujitsu Siemens an Abfindungen für den Abbau von mehr als 400 Stellen gezahlt hat. Derzeit beschäftigt Fujitsu Siemens 4700 Mitarbeiter in Deutschland.

Anfang vergangenen Jahres brach die Nachfrage ein, während noch ein Überhang vom Weihnachtsgeschäft bestand, sagte Bischoff. Die Preise sanken um 20 Prozent. Bischoff hatte mit einem Preisverfall um die Hälfte gerechnet. Schwierig war das Geschäft in erster Linie in Westeuropa. Fujitsu Siemens macht rund die Hälfte des Geschäfts im Heimatmarkt Deutschland.

Sharp punktet in Europa

Sharp  konnte dagegen bessere Zahlen präsentieren. "In wenigen Tagen wird Sharp das laufende Geschäftsjahr als achtes Rekordjahr in Folge abschließen und wir sind stolz, das Ziel in Europa bereits jetzt schon zu 90 Prozent erreicht zu haben", sagte Europa-Chef Hans Kleis.

In Europa will sich das Unternehmen auf seine drei Kernmärkte LCD-Fernseher, Solarsysteme und Lösungen zur Dokumentenbearbeitung konzentrieren. Der japanische Elektronikkonzern sieht Europa als seinen wichtigsten Wachstumsmarkt. Bereits heute ist Europa den Angaben zufolge mit einem Umsatz von 3,21 Milliarden Euro und einem Wachstum von 20 Prozent der größte Auslandsmarkt für das Unternehmen.

Allein in Deutschland seien 2006 mehr als 2,56 Millionen Flachbildfernseher verkauft worden, sagte Deutschland-Chef Frank Bolten. Der Markt für Flüssigkristall-Bildschirme (LCD) hat dabei nach Erhebungen des Konsumforschers GfK um 113 Prozent zugelegt gegenüber 50 Prozent Zuwachs bei entsprechenden Plasmafernsehern. Für das laufende Jahr erwartet der LCD-Erfinder Sharp eine Steigerung auf insgesamt 3,4 Millionen verkauften LCD-Fernseher.

Im Vorfeld der Cebit präsentiert Sharp den weltweit größten LCD-Fernseher mit einer Diagonale von 108 Zoll (2,74 Meter). Der Fernseher sei aus einem einzigen Mutterglas gefertigt, sagte Bolten.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und vwd

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