IT-Branche Gefördert und gefordert

Gute Nachrichten für die IT-Branche: Die Unternehmen erwartet eine zusätzliche staatliche Finanzspritze. Gleichzeitig verkündet der Branchenverband Bitkom für dieses Jahr ein Wachstum von 2 Prozent. Es gibt jedoch auch einen Dämpfer.

Hannover - Die Bundesregierung baut die Forschungsförderung für die Informations- und Kommunikationstechnologien (ITK) aus. Gleichzeitig sollten die Mittel stärker auf konkrete Anwendungen ausgerichtet werden, kündigte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Mittwoch an.

Insgesamt stehen der Ministerin zufolge in drei verschiedenen Programmen in den nächsten fünf bis sieben Jahren 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Alle drei Programme seien aufgestockt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits im Dezember auf einem Informationstechnik-Gipfel mehrere Förderprogramme in Milliardenhöhe für die Hightech-Branche angekündigt. Für konkrete Forschungsprojekte stehen Schavan zufolge von 2007 bis 2011 nunmehr 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die gleiche Summe bekämen Forschungsinstitute aus dem ITK-Bereich. Weitere 1,3 Milliarden Euro für die Hightech-Branche gebe es im Forschungsrahmenprogramm, das bis 2013 laufe.

Die Forschungsförderung für Projekte soll gezielt für neue Technologien in der ITK-Branche selbst, aber auch in den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Medizin, Logistik und Energie ausgegeben werden. Dies seien starke Wirtschaftszweige, die in hohem Maße auf ITK-Innovationen angewiesen seien, sagte die CDU-Politikerin. Zweiter Schwerpunkt sei die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei der Anwendung von Forschungsergebnissen. Ziel sei ein leichterer und schneller Zugang des Mittelstandes zu Fördermitteln unter anderem auch über eine zentrale Anlaufstelle.

Der Branchenverband Bitkom unterstützt das Programm. "Wir begrüßen die Abkehr vom Gießkannenprinzip bei der Verteilung von Forschungsmitteln. Das Motto muss lauten: Die Starken stärken", sagte Bitkom-Präsident Willy Berchtold. Das Konzept müsse nun allerdings noch mit Leben gefüllt werden.

Bitkom rechnet für 2007 und 2008 mit jeweils 2 Prozent Wachstum - trotz fallender Preise und Dämpfer in einzelnen Sparten. "Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist auf Wachstum gepolt und es spricht derzeit nichts dafür, dass gewerbliche und private Kunden ihre Ausgaben drosseln werden", sagte Berchtold im Vorfeld der Cebit.

Wachstumsmotor IT

Wachstumsmotor IT

Der Gesamtmarkt dürfte Berchtold zufolge in diesem Jahr auf 149,1 Milliarden Euro wachsen. Dahinter stünde zwar ein niedrigeres Plus als 2006 mit einem Zuwachs von 2,4 Prozent - allerdings war der Verband bislang nur von 1,6 Prozent Wachstum 2007 ausgegangen. Der sehr wettbewerbsintensive Sektor Computerhardware habe sich aber stabilisiert und die Segmente Software und IT-Dienstleistungen entwickelten sich besser als angenommen, sagte Berchtold.

Wachstumsmotor der gesamten Branche sind vor allem die Informationstechnik (plus 3,5 Prozent) und die digitale Unterhaltungselektronik (plus 6,5 Prozent). Anders als die Informationstechnik entwickelt sich die Telekommunikationsbranche erstmals seit Jahren rückläufig. Mit 65,9 Milliarden Euro wird der Umsatz in diesem Jahr nach Bitkom-Angaben leicht unter dem Vorjahresniveau liegen. Während Datendienste deutlich zulegten, gehe der Umsatz im Festnetzbereich zurück.

Beim Mobilfunk erwartet Bitkom mit einem Prozent ebenfalls lediglich ein geringes Wachstum. "Die Tarife sinken, aber zugleich telefonieren mehr Menschen immer länger mit dem Handy", sagte Berchtold. Jedes fünfte Telefongespräch werde mittlerweile mit dem Handy geführt.

Auch die Zahl der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland steigt mittlerweile nur leicht. Für 2007 erwartet Bitkom ein Wachstum von 5 Prozent - im Vorjahr hatte die Zuwachsrate noch bei 8 Prozent gelegen. Nach Bitkom-Berechnungen werden 2007 in Deutschland im Schnitt 108 Mobilfunkanschlüsse auf 100 Einwohner kommen. Insgesamt rechnet der Branchenverband zum Jahresende mit 10,5 Millionen Prepaidkarten und Langzeitverträgen.

Zum Abbau der Arbeitslosigkeit in Deutschland dürften die Hersteller von Computern und Software, die Telekomfirmen und IT-Dienstleister nach Einschätzungen von Bitkom allerdings nicht beitragen. Die Zahl der Arbeitsplätze bleibe allenfalls stabil bei 800.000, sagte Verbandspräsident Berchtold. Gründe seien der anhaltende Fachkräftemangel und der Stellenabbau in der Telekommunikation. Wegen des Preisverfalls bei Mobilfunk und Internetdiensten sowie den Einbußen in der Festnetztelefonie werde die Telekombranche erstmals sei Jahren auch höchstens den Vorjahresumsatz erreichen, sagte Berchtold.

"Aktuell gibt es 20.000 offene Stellen zu besetzen. Den größten Bedarf haben Softwareanbieter und IT-Dienstleister", sagte Berchtold. Doch fehlten dafür die Fachkräfte. Umgekehrt sei bei den Telefondiensten mit Ausgliederungen - wie bei der Deutschen Telekom  - und auch mit einem echten Abbau von Arbeitsplätzen zu rechnen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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