Telekom "Hunger nach Bandbreite"

Glaubt man Telekom-Chef René Obermann, stehen dem Breitband goldene Zeiten bevor. Der Konzern will auf der diesjährigen Cebit zeigen, wie er davon durch den Ausbau von Angeboten für das schnelle Internet profitieren kann. Auch der Community-Gedanke lässt die Telekom nicht kalt.

Hannover - Man spüre einen "Hunger nach Bandbreite" bei den Kunden und den wolle die Telekom auch befriedigen, erklärt Timotheus Höttges, T-Com-Vorstand bei der Deutschen Telekom , am Mittwoch auf der Cebit. Mit einem geringeren Preis und mehr Inhalt will die Telekom deshalb ihr Internetfernsehen attraktiver machen. Zudem werde die Onlinevideothek um Filme aus den Disney-Studios erweitert. Im Mobilfunk will die Telekom das Internet auf dem Handy unter anderem mit einem Pauschalpreis für E-Mails Richtung Massenmarkt bringen.

"Für die diesjährige Cebit stehen breitbandige Angebote für Festnetz und Mobilfunk im Mittelpunkt", beschrieb auch der Vorstandsvorsitzende René Obermann das Gesamtprogramm des Bonner Konzerns. Für die vorigen Herbst gestarteten Triple-Play-Angebote aus Telefon, Internet und Fernsehen, die nach Einschätzung von Experten bislang nur auf wenige Tausend Nutzer kommen, stellte Höttges ein "niedrigeres, attraktives Tarifgefüge" in Aussicht. Mit Preisen von bis zu 100 Euro ist Triple Play bei der Telekom nach Ansicht von Fachleuten bislang viel zu teuer.

Auch für die bloßen Zweifach-Pakete aus Telefon- und DSL-Anschluss soll es im zweiten Halbjahr ein neues günstiges Einsteigerangebot von 25 Euro pro Monat geben, wie Festnetzchef Höttges sagte. Gleichzeitig baut die Telekom ihr TV-Programm aus. Dank der neuen Kooperation mit Buena Vista, dem TV-Vertrieb des Disney-Konzerns, könne man jetzt als Einziger in Europa Filme aller acht großen Hollywood-Studios im Video-on-Demand-Prgramm anbieten, betonte Höttges.

Nachdem die Telekom von ihren ursprünglichen Wachstumsplänen beim Internetfernsehen und Vorgaben für den Netzausbau Abschied genommen hat, strebt sie nun bis 2010 rund 1,5 Millionen IPTV-Nutzer an und will ihr Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz im nächsten Jahr auf 50 Städte erweitern. Daneben setzt das Unternehmen neuerdings auch auf eine herkömmliche schnelle DSL-Technik und will so insgesamt bis Ende 2007 mehr als 17 Millionen deutsche Haushalte erreichen. Insgesamt erwartet Höttges auf dem DSL-Markt einen erneuten Zuwachs um vier Millionen auf rund 18 Millionen Kunden.

Community-Angebot mit Myfaves

Community-Angebot mit Myfaves

Die Telekom-Tochter T-Mobile will mit neuen Datentarifen die Nutzung des mobilen Internets vorantreiben. Dazu soll es in Deutschland eine E-Mail-Flatrate geben: Für 3,95 Euro pro Monat können unbegrenzt viele elektronische Botschaften verschickt und empfangen werden. Außerdem will T-Mobile mehr Tempo in die Datenübertragung bringen: So soll die UMTS-Geschwindigkeit auf mehr als sieben Megabit pro Sekunde erhöht werden. Spartenvorstand Hamid Akhavan sagte: "Für mich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das mobile Internet im Massenmarkt durchsetzt."

T-Mobile setzt zudem auf sogenannte personalisierte Dienste. Als neues Community-Angebot wird das Feature MyFaves aus den USA nach Deutschland geholt. Dabei können die Kunden Symbole für bevorzugte Gesprächspartner einrichten und sie so unkompliziert anrufen. Die Telefonate sind zudem besonders günstig. Dieser Dienst sei bei T-Mobile USA sehr erfolgreich, sagte Akhavan. Hintergrund: Die meisten Nutzer telefonieren hauptsächlich mit einigen Bekannten. Rund zwei Drittel aller Handyanrufe gingen zu gerade einmal fünf Rufnummern, betonte Akhavan.

T-Systems wird nicht verkauft

Auch die Geschäftskunden-Tochter T-Systems wartete im Vorfeld der Cebit mit guten Nachrichten auf. Das Unternehmen verkündete einen neuen Großauftrag aus dem Ausland: T-Systems schloss einen Outsourcing-Vertrag über fünf Jahre mit dem größten spanischen Versicherungskonzern Mapfre. Im Zuge eines geplanten Zusammengehens mit einem strategischen Partner im internationalen Großkundengeschäft denkt die Telekom allerdings nicht an eine Abgabe ihrer IT-Aktivitäten.

Ein Verkauf sei nicht das Ziel, sagte der Vorstandsvorsitzende von T-Systems, Lothar Pauly. Damit würde man gegen den Trend zur Verschmelzung von Informationstechnik und Telekommunkation arbeiten.

Die Telekom  hatte Anfang März bekannt gegeben, dass sie zur raschen Expansion im Geschäft mit globalen Kunden einen starken Verbündeten sucht. Die Ausgestaltung der strategischen Partnerschaft hänge von den sich bietenden Möglichkeiten ab, sagte Pauly. "Diese prüfen wir derzeit."

manager-magazin.de mit Material von ap und vwd

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