Flachbild-TVs Die schlanken Stars der Cebit

Sie haben noch nie von Klötzchenartefakten gehört? Gut für Sie, denn es handelt sich um eine Kinderkrankheit bei Flachbildfernsehern, die durch die Full-HD-Technik in Vergessenheit geraten soll. Auf der Cebit werden die neuesten Flachbild-Modelle vorgestellt - darunter auch das weltgrößte.

Hannover - Die großen Unternehmen der Unterhaltungselektronik bringen auch zur diesjährigen Cebit ihre neuesten Flachbildfernseher als Publikumsmagneten mit. So mancher Stand wird vom 15. bis 21. März auf dem Messegelände auf die schlanken Stars als attraktive Blickfänger setzen.

In Sachen Bildqualität haben die Entwickler weiter an Verbesserungen gefeilt. Kinderkrankheiten wie "Klötzchenartefakte" und "Kometenschweife" bei schnellen Bildfolgen gehören bei den aktuellen Modellen der Vergangenheit an. Stand der Technik ist derzeit das sogenannte Full HD. Dabei wird in 1080 Zeilen jedes Bildpixel eins zu eins auf dem Display angezeigt.

"Das Full-HD-Logo prangt inzwischen auf rund 10 bis 20 Prozent der Geräte, Tendenz deutlich steigend", sagt Peter Weber von Panasonic. Fernseher mit Full HD, vor allem in Größen ab 37 Zoll (94 cm), dürften auch in diesem Jahr das Wachstum der Branche antreiben, ist sich auch Martin Beckmann von Sharp  sicher.

Mit neuen Technologien haben die Entwickler die Reaktionszeit der Displays weiter deutlich verkürzt und den Betrachtungswinkel erweitert. Ein Highlight aus den Forschungslabors will Sharp mit seinen Flaggschiffen der Aquos-Serie demonstrieren. Bei den High-End-Geräten sind die Ingenieure mit der sogenannten 100-Hertz-Technologie den Bewegungsunschärfen von LCD-Schirmen zu Leibe gerückt.

Da das menschliche Auge Bildfolgen in der bisherigen Frequenz von 50 Hertz nicht ganz scharf wahrnimmt, werden dabei sogenannte Zwischenbilder aus je zwei Originalbildern interpoliert. Ein einzelnes Bild bleibt so nicht mehr acht, sondern nur noch vier Millisekunden stehen. "Selbst bei actionreichen Filmen wird das Bild dadurch gestochen scharf und in brillanten Farben dargestellt", sagt Beckmann.

Weltgrößte Flachbildfernseher

Weltgrößter Flachbildfernseher

Hieß es noch im vergangenen Jahr, dass Full HD die bestmögliche Auflösung der Displays sei, wird in einem Forschungszentrum in Japan aber bereits die nächste Stufe erprobt - und auch Umweltfreundlichkeit wird künftig groß geschrieben: In Koalition mit Pioneer  und Hitachi  arbeitet Panasonic dort daran, Plasmadisplays mit vierfacher HD-Qualität herzustellen - bei gleichzeitig radikal reduziertem Energieverbrauch. Einen Prototyp, der bei deutlich verbesserter Leuchtkraft nur noch 70 Watt (statt der 150 bis 200 Watt bei aktuellen Geräten) verbraucht, wollen die Partner auf dem Panasonic-Stand in Hannover präsentieren.

Ob nun Plasma oder LCD die bessere Technologie für die neuen Fernseher ist, darüber streiten weiterhin die Experten. Die beiden Industrielager wollen auf der Cebit aber auf jeden Fall mit Superlativen protzen. Während Panasonic sein größtes Plasmagerät mit einer Diagonale von 103 Zoll zeigt, trumpft der LCD-Pionier Sharp gleich mit 108 Zoll (rund 2,74 Meter) auf - selbstverständlich mit Flüssigkristalltechnologie. Der weltgrößte Flachbildfernseher soll zur Cebit gleich in dreifacher Ausführung kommen.

Für Displays in solchen Übergrößen, die meist für gewerbliche Zwecke genutzt werden, hat die Industrie bislang auf die Plasmatechnologie gesetzt. Noch heute lassen sich weltweit nur in einer Fabrik in Japan Muttergläser in solchen Größen herstellen - und zwar in Sharps neuestem Werk in Kameyama. An vierfacher HD-Auflösung arbeiten die Ingenieure bei Sharp  ebenfalls. Einen Prototyp, der insgesamt 4096 mal 2160 Pixel darstellt, wollen die Japaner auf die Cebit mitbringen.

Panasonic als Plasmaspezialist ist inzwischen auch in den LCD-Markt eingestiegen. "Wir bieten LCD-Fernseher aber maximal bis zu einer Diagonale von 32 Zoll an, in größeren Größen ist einfach nach wie vor Plasma die Technologie der Wahl", sagt Weber. Gemessen an den verkauften Stückzahlen hat LCD den Plasmageräten allerdings längst den Rang abgelaufen.

Insgesamt wurden nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung in Deutschland im vergangenen Jahr über 2,5 Millionen Flachbildfernseher verkauft. Geräte mit Flüssigkristallbildschirm hängten dabei mit einem Zuwachs um 113 Prozent im Vergleich zum Vorjahr die Plasmakonkurrenz (50 Prozent Zuwachs) deutlich ab. Inzwischen seien über 80 Prozent der verkauften Geräte LCD-TVs, sagt Frank Bolten, Chef von Sharp Deutschland. Im vierten Quartal 2006 stieß allerdings Sony  mit seinen LCDs der Bravia-Reihe erstmals Primus Sharp vom Thron. Nach Erhebungen der Marktforschungsfirma Displaysearch rangierte Sony erstmals als Weltmarktführer nach Wert.

Renate Grimming, dpa

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