Axel Springer Kleiner Gewinn, große Pläne

Der Verlagskonzern Axel Springer nimmt im laufenden Jahr einen Rückgang seines operativen Gewinns in Kauf, um neue Projekte und Zukäufe zu finanzieren. Der Anfang ist bereits gemacht: Das Unternehmen hat die Mehrheit an dem Webfinanzportal Wallstreet Online übernommen.

Berlin - "Wenn wir eine Reihe von Projekten realisieren, die wir derzeit prüfen, kann ein erheblicher zusätzlicher Mittelbedarf entstehen", sagte Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer , am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Dann könne das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) auch unter dem Vorjahresniveau liegen. Ohne diese Kosten würde Springer den Rekordgewinn von 2006 zumindest wiederholen können.

Den Anfang macht der Axel Springer Finanzen Verlag: Wie Döpfner mitteilte, übernehme die auf Wirtschaftsinformationen spezialisierte hundertprozentige Springer-Tochter 50,1 Prozent an dem Onlinefinanzportal Wallstreet Online und 75,1 Prozent an Wallstreet Online Capital übernommen habe. Angaben zu den Preisen wurden nicht gemacht.

Das von Wallstreet Online betriebene Finanzportal www.wallstreet-online.de ist nach eigenen Angaben Deutschlands eines der großen Onlineportale mit Informationen über den Kapitalmarkt und Finanzanlagen und unterhält eine Community zum Thema Börse und Anlage mit mehr als 350.000 Mitgliedern.

Wallstreet Online Capital hingegen betreibt die Portale www.fondsdiscount.de und www.geschlossene-fonds.de und sieht sich als einen der führenden unabhängigen Fondsvermittler im Internet. Georg Pagenstedt, derzeit Vorstand Finanzen und Technik bei Bild.T-Online, werde in den Vorstand von Wallstreet Online wechseln.

"Mit der Beteiligung an der rentablen Wallstreet-Online-Gruppe ergänzen wir unsere vorhandenen Finanz-Informationsangebote in Print und Online und vollziehen einen weiteren signifikanten Schritt in der Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie", sagte Frank Werner, Geschäftsführer des Axel Springer Finanzen Verlags.

Expansion mit Schwerpunkt im digitalen Geschäft

Unterdessen teilte der Verlag mit, dass er eine Firma für digitale Technologielösungen gründe. Die hundertprozentige Tochter Axel Springer Digital TV Guide biete insbesondere elektronische Programmführer etwa für PCs und Handys an. "Unser Ziel für 2007 steht fest: Expansion mit Schwerpunkt im digitalen Geschäft", sagte Döpfner. "Aber auch unser deutsches Print-Kerngeschäft sollte man noch lange nicht zu Grabe tragen." Am Donnerstag starte Springer eine neue 14-tägige Programmzeitschrift TV Guide, kündigte der Unternehmenschef an.

Wie Springer schon im Februar bekannt gegeben hatte, stieg das Ebita 2006 in Folge eines guten Anzeigengeschäfts und dank Kostensenkungen um ein Zehntel auf 374 Millionen Euro. Ohne eine Zahlung des Insolvenzverwalters des ehemaligen Kirch-Konzerns hätte das operative Ergebnis nur bei 340 Millionen Euro gelegen.

Der Nettogewinn des Verlags kletterte durch die Verbuchung eines Körperschaftssteuerguthabens um 26,1 Prozent auf 291 Millionen Euro, wäre aber auch ohne den Sondereffekt gestiegen.

Die Aktionäre sollen mit einer auf 3,50 Euro je Aktie mehr als verdoppelten Dividende von 3,50 Euro am Erfolg beteiligt werden. Das kommt vor allem der Verlagserbin Friede Springer zu Gute, die gut 50 Prozent der Anteile hält. Der Konzernumsatz ging nach der Ausgliederung des Tiefdruckgeschäfts um 0,7 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro zurück.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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