Google Deutsche Bücher online

Der Suchmaschinenriese Google kommt mit seinem Projekt zur Bücher-Digitalisierung in Deutschland ein bedeutendes Stück voran. Die Bayerische Staatsbibliothek will als erste Bibliothek hierzulande tausende Bücher für die Online-Recherche zur Verfügung stellen.

München - Internetnutzer können in Zukunft mehr als eine Million Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek über die Suchmaschine Google online abrufen. Das Münchner Institut hat sich als erste deutsche Bibliothek der "Google Buchsuche" angeschlossen. Nach mehreren spanischen Bibliotheken hat sich damit eine weitere bedeutende nicht-englischsprachige Bibliothek für das Projekt entschieden.

"Google digitalisiert mehr als eine Million ausschließlich urheberrechtsfreie Bücher der Staatsbibliothek und stellt sie ins Netz", sagte der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel bei der Bekanntgabe der Kooperation. "Durch die Zusammenarbeit mit Google nimmt die Staatsbibliothek bundesweit eine Pionierrolle ein", betonte der CSU-Politiker.

"Die unternehmerische Vision Googles, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen, steht in völligem Einklang mit dem Auftrag und dem Anspruch der Bayerischen Staatsbibliothek", sagte Rolf Griebel, Generaldirektor der Bibliothek. Die Bayerische Staatsbibliothek verfügt nach eigenen Angaben bereits über die bundesweit umfangreichste öffentlich finanzierte Sammlung digitaler Texte.

"Google Buchsuche" kooperiert weltweit mit mehr als 10.000 Verlagen und 14 Bibliotheken, zum Beispiel den Universitätsbibliotheken von Harvard, Stanford und Oxford. Bei den Büchern der Verlage können die Nutzer nur einen begrenzte Anzahl der Seiten lesen; die Verlage können die Bücher kostenlos bewerben. Anders bei den urheberrechtsfreien Bücher der Bibliotheken, die vollständig gelesen und herunter geladen werden können.

Kritiker argumentieren, die Internetseite ermögliche auch die Suche in Millionen von urheberrechtsgeschützten Büchern. Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, erklärte, die Münchener Bibliothek digitalisiere nur Bücher, deren Autoren vor mindestens 70 Jahren verstorben und deren Schutzrechte demnach abgelaufen seien.

Microsoft wettert gegen Google

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Der Bibliothekschef Griebel sagte, viele Bücher seines Instituts seien akut vom Papierzerfall bedroht. "Durch die Digitalisierung dieser Werke kann zumindest die in ihnen gespeicherte Information gesichert werden." Die gesamte Digitalisierung werde von Google finanziert und bringe einen enormen Kostenvorteil, unterstrich Goppel. "Die Digitalisierung wird im Freistaat Bayern durchgeführt - das schafft Arbeitsplätze."

In den Beständen der Staatsbibliothek finden sich Originalausgaben der Grimm'schen Märchen sowie Werke von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Das älteste Werk, das digitalisiert wird, ist eine Erstausgabe von Schillers Drama "Die Räuber" aus dem Jahr 1871.

Unterdessen übte Google-Konkurrent Microsoft harsche Kritik an dem weltweiten Digitalisierungsprojekt. Ein Anwalt des Software-Konzerns erklärte, Google verletze systematisch Urheberrechte und verdiene Geld auf Kosten von Autoren und Verlegern. "Unternehmen, die selbst keine Inhalte schaffen und nur auf dem Rücken der Inhalte anderer Geld machen, heimsen Milliarden durch Werbung ein", erklärte Thomas Rubin in einer Rede, die er am Dienstag beim jährlichen Treffen der Vereinigung der Amerikanischen Verleger in New York halten wollte.

Google und Microsoft scannen jedoch beide Bücher, um sie Internetznutzern kostenlos zugänglich zu machen, gehen dabei aber verschiedene Wege. So veröffentlicht Microsoft nur Werke, deren Urheberrechtsschutz bereits abgelaufen ist, sowie neuere Titel, deren Nutzung die Verlage ausdrücklich zugestimmt haben.

Google schließt dagegen auch urheberrechtlich geschützte Titel nicht aus, zeigt aber jeweils nur wenige Sätze der Bücher an. Dennoch haben der amerikanische Schriftstellerverband Authors Guild und die Verlegervereinigung Association of American Publishers Google wegen Urheberrechtsverletzung verklagt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap