PDA-Markt Verkaufsgerüchte um Palm

Der PDA-Hersteller Palm zieht offenbar Konsequenzen aus seinen sinkenden Gewinnmargen und erwägt den Verkauf des Unternehmens. Computerhersteller Dell will seine PDA-Aktivitäten dagegen ausbauen und durch Smartphones erweitern.

New York - Der PDA-Spezialist Palm  ziehe strategische Optionen in Betracht, die sowohl einen Verkauf des Unternehmens als auch einen Einstieg durch eine Beteiligungsgesellschaft vorsehen. Das berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ, Montagausgabe) unter Berufung auf eine Person mit internen Kenntnissen. Der amerikanische Konzern arbeite demnach zusammen mit der Investmentbank Morgan Stanley  daran, die Optionen zu bewerten. Kern der Überlegungen sei es dem "WSJ" zufolge, Palm mehr Kapitalkraft zu verschaffen. Das Unternehmen lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Bereits im Februar hatte Großaktionär Mark Nelson, dem 6 Prozent an Palm gehören, in einem Schreiben an den Aufsichtsrat den Verkauf der Firma gefordert. Palm leide unter "einem geringen Innovationstempo, einem Mangel an Ideen und sinkenden Gewinnmargen". Drei Monate zuvor hatte auch der Schweizer Hedgefonds Sagio Investments den sinkenden Börsenkurs beklagt. Dem Vernehmen nach habe Palm-Chef Ed Colligan zu der Zeit aber noch auf der Unabhängigkeit der Firma beharrt. Erst vor Kurzem kamen Gerüchte auf, Palm werde an Motorola  oder Nokia  verkauft. Der jüngste kräftige Kursanstieg hätte einen Einstieg von Beteiligungsgesellschaften jedoch erschwert, heißt es.

Palm hat eine Marktkapitalisierung von lediglich zwei Milliarden Dollar und steht unter massivem Druck von international agierenden Herstellern wie Nokia, Motorola, Research in Motion (RIM)  und Apple . Ende des vergangenen Jahres verhagelten hohe Kosten und die verzögerte Einführung des Mobiltelefons Palm Treo 750 in den USA dem Unternehmen die Bilanz. Umsatz und Gewinn brachen deutlich ein.

Palm wurde in den vergangenen Jahren vor allem bekannt mit seinen PDAs, die allmählich von Smartphones (Kombination aus Mobiltelefon und PDA) verdrängt werden. Das Unternehmen hat besonders mit seinem schärfsten Wettbewerber RIM und dessen Blackberry-Dienst zu kämpfen.

RIM musste am Montag allerdings bekannt geben, seine Bilanzen wegen der Vergabe von Aktienoptionen für die vergangenen Jahre korrigieren zu müssen. Auch das erste Quartal 2007 sei davon betroffen, teilte das kanadische Unternehmen mit. Voraussichtlich müsse der ausgewiesene Gewinn der Geschäftsjahre 2004 bis 2006 um insgesamt etwa 250 Millionen Dollar reduziert werden. RIM will aus den Fehlern bei der Verbuchung von Optionen auch eine Reihe personeller Konsequenzen ziehen und unter anderem sein Direktorium vergrößern sowie ein spezielles Aufsichtsgremium schaffen.

Offenbar stehen aber noch weitere Veränderungen am PDA-Markt an. Laut asiatischen Newsdiensten plant der US-Computerkonzern Dell , die hauseigene PDA-Serie um Geräte mit Mobilfunkanbindung zu erweitern. Da das Unternehmen bislang auf Windows Mobile setzt, sei es wahrscheinlich, dass auch die Telefon-PDAs dieses Betriebssystem nutzen werden.

manager-magazin.de

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