Deutsche Telekom Aufsichtsrat segnet Obermanns Pläne ab

Der Aufsichtsrat der Telekom hat den Sanierungsplan von Vorstandschef René Obermann gegen den Willen der Arbeitnehmerseite abgenickt. Damit werden mindestens 45.000 Mitarbeiter in konzerneigene Firmen ausgelagert. Für sie bedeutet das länger arbeiten für das gleiche Geld.

Bonn - Ein Telekom-Sprecher sagte am Mittwochabend nach der Sitzung, nun sollten schnellstmöglich Gespräche mit den Gewerkschaften aufgenommen werden. Es bleibe bei dem Ziel von Vorstandschef Rene Obermann, mindestens 45.000 Service-Mitarbeiter aus der Festnetzsparte T-Com auszugliedern, um Personalkosten zu senken. Wie viele Beschäftigte genau in die neue Einheit T-Service mit anderen Tarifbedingungen transferiert werden sollen, sagte der Sprecher nicht.

Die Festnetzsparte T-Com leidet unter dem Wettbewerb besonders. Die Beschäftigten sollen nach den Vorstellungen der Telekom weniger verdienen. Die Arbeitszeit soll auf mindestens 38 Stunden von derzeit 34 Stunden verlängert werden. Damit will der Konzern wettbewerbsfähiger werden und langfristig Beschäftigung sichern. Zugleich soll der Kundenservice deutlich verbessert werden. "Dabei wird es für keinen Mitarbeiter zu drastischen Einschnitten kommen", sagte der Vorstandsbeauftragte für Personal, Dietmar Welslau.

Die Personalpläne sind Teil einer umfassenden Strategie von Obermann, mit der die Telekom bis 2010 bis zu fünf Milliarden Euro sparen will. Nach der Zustimmung des Aufsichtsrats sollen die Details nun am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Bonn vorgestellt werden. Analysten erwarten unter anderem, dass sich die Telekom von kleineren Beteiligungen in Spanien und Frankreich trennen wird. Der Konzern selbst hatte angekündigt, Randbereiche auf den Prüfstand zu stellen. Erst im Januar hatte die Telekom ihre zweite Gewinnwarnung innerhalb eines halben Jahres ausgegeben und dies unter anderem mit dem scharfen Wettbewerb sowohl im Breitband- als auch im Mobilfunkmarkt in Deutschland begründet.

Massenproteste in Bonn

Die Gewerkschaft Verdi mobilisierte nach eigenen Angaben am Tag der Aufsichtsratssitzung mehr als 13.000 Telekom-Beschäftigte, die vor der Konzernzentrale in Bonn gegen die Personalpläne demonstrierten. Verdi drohte der Telekom erneut mit möglichen Arbeitsniederlegungen.

Telekom-Aufsichtsratsvize Lothar Schröder, der für die Gewerkschaft in dem Kontrollgremium sitzt, kritisierte am Abend die Entscheidung "gegen den Willen der Arbeitnehmer". Der Aufsichtsrat habe sich von Sachargumenten nicht überzeugen lassen.

Verdi hatte selbst auf Servicemängel bei dem Ex-Monopolisten hingewiesen. Eine Verbesserung sei aber nur mit motivierten Mitarbeitern zu schaffen. Trotz des Kostendrucks habe die Telekom Alternativen zur Kostensenkung und müsse deshalb nicht zwangsläufig beim Personal sparen.

Schröder sagte, Verdi habe der Telekom Gespräche über Service-Verbesserungen angeboten. Er äußerte erneut die Einschätzung, dass sogar 60.000 Mitarbeiter von der Ausgliederung betroffen seien. Der Gewerkschafter forderte von der Konzernführung eine Standortsicherung, einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für die T-Com über 2008 hinaus und einen Schutz vor einem Verkauf der neuen Service-Einheit.

manager-magazin.de mit Material von reuters