Handyviren Vorsicht Ansteckungsgefahr!

Viren und Würmer verbreiten sich mittlerweile nicht mehr nur über das Internet, sondern auch über Handys. Smartphones und Blackberrys gelten dabei als besonders gefährdete Ziele. Experten befürchten eine ähnliche Entwicklung wie im PC-Bereich.

Hamburg - Bereits 2004 wurde der erste Schädling auf einem Handy entdeckt. Je mehr Software in den Geräten steckt, desto anfälliger sind die Geräte zwangsläufig auch für Viren und Würmer. Besonders im Fokus stehen derzeit Smartphones und Blackberrys.

Seit 2004 sind zahlreiche neue Schadprogramme aufgetaucht, die sich über eine Multimedia-SMS oder über die Datenübertragungsschnittstelle Bluetooth verbreiten. Rund 4 Prozent aller Multimedia-SMS gelten bereits heute als virenverseucht. "Im Juni 2005 waren 40 Neuentwicklungen bekannt, im Juni 2006 162, im Januar 2007 waren es 200 Schadprogramme", warnt Virenanalyst Magnus Kalkuhl vom russischen Antivirenhersteller Kaspersky Labs.

Durch aktivierte Bluetooth-Schnittstellen können Mobiltelefone mit zahlreichen Geräten kommunizieren. Treffen sich viele Menschen auf Bahnhöfen oder Messen, entsteht ein weitläufiges Datenübertragungsnetz. Der Wurm Cabir etwa durchsucht die Umgebung gezielt nach weiteren Bluetooth-Geräten, an die er dann eine Kopie seiner selbst verschickt. Der Wurm Comwar verschickt MMS-Nachrichten an die Telefonnummern des Adressbuches, um sich zu verbreiten. Wie bei den klassischen Computerviren, sind ausführbare Programme angehängt.

Die Viren können aber bereits viel mehr: Sie infizieren Dateien und erlauben den Zugriff auf Smartphones, rufen kostenpflichtige Telefonnummern an und verändern Datei-Icons sowie Schriften. Die Schädlinge installieren neue Programme oder tauschen alte aus, sperren kurzerhand Speicherkarten und stehlen Informationen. Im schlimmsten Fall setzen sie das Telefon komplett außer Gefecht.

"Bisher gab es keine schwer wiegenden Vorkommnisse. Aber je intelligenter die Geräte werden, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass Mobiltelefone gezielt angegriffen werden", glaubt Matthias Gärtner, Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Bereits heute dürften im Geheimhaltungsbereich Minister, Beamte und Angestellte keine Handys benutzen.

Bedrohung aus Skandinavien und Russland

Bedrohung aus Skandinavien und Russland

Anlass zur Sorge bieten Entwicklungen in Skandinavien und Russland. Dort sind Handyviren bereits heute eine echte Gefahr. "Am ehesten gefährdet sind Geschäftsreisende, die zurück zu Hause die Handys ihrer Kollegen infizieren können", sagt Virenspezialist Kalkuhl. Deutschland sei von der dortigen Entwicklung noch weitgehend verschont, da Smartphones hier noch nicht sehr verbreitet sind. In der Moskauer U-Bahn hingegen sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Handy binnen Minuten von einem Virus angesprochen wird.

Die Schreiber von Virensoftware interessieren sich vor allem auf wirtschaftlich relevante Gebiete. So gibt es im Internetbereich immer mehr Fälle von Erpressung, gezielter Ausspähung von Kontodaten bis hin zur Wirtschaftsspionage. Aber auch im Mobilfunkbereich will Virenforscher Raimund Genes, hauptverantwortlich für Virenforschung beim Antiviren-Softwarehersteller Trend Micro, erste Anzeichen für eine ähnliche Entwicklung erkannt haben: "Ausspähen lässt sich etwa der Ein- und Ausgang von SMS-Nachrichten, aber auch Telefongespräche lassen sich illegal mitschneiden und übertragen." Über die weit verbreiteten Handy-Betriebssysteme Symbian und Windows Mobile werden sich solche Angriffe ausbreiten. Mit der zunehmenden Verbreitung von mobilem Bezahlen würden die ersten Phishing-Attacken auf Handys bald folgen.

Schutzsoftware für mobile Endgeräte gibt es bereits. Wer die Geräte in öffentlichen Einwahlknoten beispielsweise für W-Lan einsetzt, sollte eine Firewall benutzen. Anti-Viren-Software, Verschlüsselung, Firewall - es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis für Handys dieselben Sicherheitsmaßnahmen so dringend nötig sind wie es bereits heute für Internet-PCs gilt.

Christiane Schulzki-Haddouti, ddp