Bertelsmann Joint Venture mit Vodafone

Als designierter Bertelsmann-Vorsteher legt Hartmut Ostrowski schon jetzt die künftige Richtung des Konzerns fest. Der derzeitige Chef der Bertelsmann-Tochter Arvato will die Telekommunikationsaktivitäten des Unternehmens stärken. Dabei helfen soll eine Kooperation mit Vodafone.

Hamburg - Beim jährlichen Managementtreffen Mitte Januar in Berlin erging sich Hartmut Ostrowski bevorzugt in Andeutungen. Das Unternehmen sei gut gerüstet, "alle Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu meistern, ob Internet, Mobilfunk oder was auch immer die Zukunft bringen wird", orakelte der designierte Bertelsmann-Chef.

Was Ostrowski seinen rund 600 Kollegen nicht verriet: Der 49-Jährige versucht gerade, die bislang überschaubaren Telekommunikationsaktivitäten des Medienkonzerns zu stärken. Eine Woche nach dem Event in der Hauptstadt besiegelte die Bertelsmann-Dienstleistungstochter Arvato, der Ostrowski derzeit noch vorsteht, ein Joint Venture mit Vodafone . "Moconta" heißt die neue Firma.

Ihr Geschäftsmodell basiert auf Mobiltelefonen, die auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten sind – etwa auf Kinder, Jugendliche oder Frauen. Allerdings vertreibt Moconta die Handys nicht selbst, sondern sucht sich jeweils einen Partner, der über eine bekannte Marke, interessante Inhalte und eine homogene Kundschaft verfügt.

So ein Partner könnte nach den Gedankenspielen der Moconta-Macher zum Beispiel die Frauenzeitschrift "Brigitte" sein. Auf modisch gestylten Handys würde dann der "Brigitte"-Schriftzug prangen. Die Nutzerinnen hätten über ihr Telefon direkten Zugang zu Brigitte-Schönheitstipps und -Kochrezepten, sie könnten sich Hörbücher herunterladen, die nach dem Geschmack der "Brigitte"-Leserinnen ausgewählt werden und in einem Shopfinder nach Adressen angesagter Boutiquen suchen.

Nebenrolle für Vodafone

Ob sich tatsächlich ein größeres Publikum für solche Angebote interessiert, wird sich zeigen. Die Moconta-Geschäftsführer Martina Effmert (43) und Ralf Mackes (38) stehen jedenfalls bereits mit einem Partner in engen Verhandlungen: Der Bertelsmann-eigene Fernsehkanal Super RTL soll ab Juni ein Kinderhandy mit seinem Logo und seinen Inhalten anbieten.

Im neuen Verbund spielt Vodafone  eher eine Nebenrolle; der Telekommunikationsspezialist bringt lediglich sein Netz ein. Bertelsmann hingegen nutzt eine ganze Palette von Dienstleistungen, die bereits im Unternehmen vorhanden sind: Callcenter und Abrechnungssysteme, Direktmarketing und Logistik – schließlich werden 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Handys von Arvato ausgeliefert.

Obendrein eignet sich das Joint Venture als zusätzlicher Vertriebskanal für die Medientöchter des Konzerns. Die Zeitschriften und Zeitungen von Gruner + Jahr könnten ihre Texte und Bilder über die künftigen Handys ebenso vermarkten wie Random House seine Bücher oder Sony BMG seine Musik.

Kein Wunder also, dass Moconta in Gütersloh angesiedelt ist. In der ostwestfälischen Provinz lassen sich zwar nur schwer geeignete Mitarbeiter finden (die Zahl der Moconta-Belegschaft soll von jetzt 20 auf 50 steigen) und kaum Kunden akquirieren. Dafür aber behält Ostrowski sein jüngstes Baby immer fest im Blick.

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