Infineon-HV Gewinnzone in Sicht

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres kehrte Infineon nur dank der Erfolge der Speicherchip-Tochter Qimonda in die schwarzen Zahlen zurück. Trotzdem bekräftigte der Halbleiterkonzern auf seiner Hauptversammlung die Trennung von dem Gewinnbringer. Infineon kündigte außerdem einen Personalwechsel an.

München - Der Halbleiterkonzern Infineon  bekommt ab Mai einen neuen Finanzchef. Der bisherige Manager des Landmaschinenherstellers Claas, Rüdiger Andreas Günther, werde dann den 60-jährigen Peter Fischl an der Spitze des Finanzressorts ablösen, teilte Infineon am Rande der Hauptversammlung mit. manager-magazin.de berichtete bereits im Vorfeld über den Personalwechsel. Der Aufsichtsrat berufe den 48-jährigen Günther schon ab April in den Vorstand, hieß es auf der Hauptversammlung. Vier Wochen später folge er dann auf Fischls Posten.

Fischl hatte nach eigenen Angaben bereits im Herbst 2005 aufhören wollen, begleitete dann aber noch die Abspaltung und den Börsengang der Speicherchiptochter Qimonda , deren Aufsichtsratschef er auch bleibt. Sein Vertrag bei Infineon liefe regulär noch bis Mai 2008.

Der Konzern gab auf der Hauptversammlung zudem bekannt, dass er seinen Anteil an der Speicherchip-Tochter Qimonda trotz der Erfolge mittelfristig auf eine Minderheitsbeteiligung reduzieren will. "Qimonda ist Teil des Konzerns, aber wir haben weiterhin die Absicht, hier mittelfristig in die Minderheit zu gehen", sagte Ziebart.

Zum Zeitpunkt des Rückzugs sagte Ziebart, dies hänge "von der Entwicklung des Speichermarktes ab, von der Performance von Qimonda relativ zum Wettbewerb sowie unserem Finanzierungsbedarf". Infineon hält derzeit 85,9 Prozent an Qimonda. Der Streubesitz liegt bei 14,1 Prozent. Mit der Reduzierung des Qimonda-Anteils wolle Infineon die beiden anderen Geschäftfelder Com und Automotive, Industrial & Multimarket (AIM) stärken.

Infineon bekräftigte auf der Hauptversammlung seine mittelfristigen Wachstums- und Margenziele und präzisierte den Weg dorthin. Der Konzern strebe nach wie vor mittelfristig ein jährliches Wachstum von 10 Prozent und eine Ebit-Marge von ebenfalls mindestens 10 Prozent an. "Für das laufende Jahr werden wir alles tun, um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen", versprach Ziebart.

Im kommenden Geschäftsjahr 2007/08 soll der Dax-Konzern dann die "halbe Strecke" zum Ebit-Margenziel zurückgelegt haben. Im darauf folgenden Jahr 2008/09 sollte Infineon diesem Ziel schon "nahe" gekommen sein, so Ziebart. Nach Angaben eines Infineon-Sprechers beziehen sich die Prognosen auf Infineon ohne die ausgegliederte Speicherchiptochter Qimonda.

Paradoxes Missverhältnis

Paradoxes Missverhältnis

Das mittelfristige Margenziel soll Ziebart zufolge mithilfe von Zukäufen, vor allem aber mit organischem Wachstum erreicht werden. Infineon  habe seine Restrukturierungsmaßnahmen im zurückliegenden Geschäftsjahr "konsequent vorangetrieben" und auf dem Weg zu profitablem Wachstum "deutliche Fortschritte gemacht", erklärte der Vorstandschef. Infineon werde sich nun darauf konzentrieren, alle Geschäftsfelder spätestens im vierten Quartal 2006/07 in die Gewinnzone zu bringen.

Eine Ausnahme bilde das Geschäft mit Mobilfunkchips, das nach wie vor im vierten Quartal des Kalenderjahres 2007 den Break-even erreichen soll. In diesem Segment müsse Infineon nach der Insolvenz von BenQ Mobile seine Kundenbasis "praktisch neu aufbauen", sagte Ziebart. Der Chiphersteller wolle das Geschäft trotzdem fortführen, weil das Unternehmen eine sehr gute technologische Basis habe. Mit LG Electronics, Panasonic und jüngst Nokia  seien "sehr wichtige" neue Kunden gewonnen worden.

"Sicher dauert es eine Zeit, bis sich Neukundengewinne in Umsatz und Ergebnis niederschlagen", führte der Vorstandsvorsitzende aus. Auf dem Weg dorthin seien "paradoxerweise" die Aufwendungen umso höher, "je erfolgreicher wir bei der Akquisition waren". Infineon sei aber zuversichtlich, die Verlustphase im Wireless-Bereich Ende 2007 hinter sich zu lassen und im Geschäftsjahr 2008 ein positives Ebit zu erreichen.

Rote Zahlen im Wireless-Bereich

Das Geschäftsfeld drahtlose Kommunikation ist in der Sparte Com angesiedelt, die in den vergangenen Quartalen vor allem wegen der Verluste im Wireless-Bereich rote Zahlen schrieb. Analysten und Anleger haben die Com-Sanierung daher wiederholt in den Blickpunkt gerückt, wenn es um Infineon geht.

Für das laufende zweite Quartal bekräftigte Ziebart frühere Aussagen, nach denen ohne Qimonda  und ohne Berücksichtigung von Sonderaufwendungen mit einem Umsatz und Ebit mindestens auf dem Niveau des Vorquartals zu rechnen ist. In der Com-Sparte und für den Gesamtkonzern werden die Folgen der Insolvenz von BenQ Mobile nach früheren Angaben deutlich zu spüren sein.

manager-magazin.de mit Material von reuters und vwd

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