Qimonda Strategiewechsel vor leeren Rängen

Die erste Hauptversammlung der Infineon-Tochter Qimonda gehört wohl zu den eher ungewöhnlichen Aktionärstreffen. Vor nur drei Anteilshaltern verkündete Vorstandschef Kin Wah Loh eine Strategieänderung, um sich unabhängiger vom volatilen Geschäft mit Speicherchips für PCs zu machen.

München - "Der wichtigste Eckpeiler unserer Strategie ist es, den durchschnittlichen Verkaufspreis zu erhöhen", sagte Qimonda-Vorstandschef Kin Wah Loh am Dienstag auf der ersten Hauptversammlung des Unternehmens vor nur einer Handvoll Aktionären. Der Hersteller wolle sich dazu auf Bereiche konzentrieren, die weniger schwankungsanfällig sind und höheres Umsatzwachstum bieten.

Als Beispiele nannte Loh Chips für Grafikanwendungen, für Handys und die Konsumelektronik. Hier sei Qimonda  schon auf einem guten Weg. In den vergangenen beiden Quartalen seien fast 60 Prozent des Absatzvolumens im Nicht-PC-Bereich erzielt worden.

Infineon  hatte sein Speicherchipgeschäft ausgegliedert, um sich von den heftigen DRAM-Zyklen (Dynamic Random Access Memory) unabhängiger zu machen. Im vergangenen Sommer wurde Qimonda in einem schwierigen Börsenumfeld mit Mühe an die Börse gebracht. "Der Börsengang in New York und der damit verbundene direkte Zugang zu den Kapitalmärkten war ein wichtiger Schritt für die Entwicklung unserer Gesellschaft", sagte Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl, der den Qimonda-Aufsichtsrat führt. Infineon hält noch knapp 86 Prozent der Anteile, will aber komplett aussteigen. Fischl ließ offen, wie der weitere Fahrplan aussieht.

Vista erfordert höheren Arbeitsspeicher

Vorstandschef Loh sagte, Qimonda rechne weiterhin mit einem Wachstum der Speicherchipmärkte auf Bit-Basis um 55 bis 65 Prozent in diesem Jahr. Das Unternehmen wolle die Produktion ebenfalls in dieser Bandbreite steigern.

Vor allem vom hohen Speicherbedarf des neuen Microsoft-Betriebssystems erhofft sich Qimonda Wachstumsimpulse. "Das starke Wachstum der Speicher pro System von 40 bis 50 Prozent verglichen mit dem Vorjahr wird hauptsächlich von Windows Vista vorangetrieben", sagte Loh. Da die Anwender das Betriebssystem nur mit einem Arbeitsspeicher von mindestens einem Gigabyte ordentlich nutzen könnten, rechne er damit, dass die Computerhersteller ihre Rechner mit etwa je zwei Gigabyte ausstatten werden. Folglich werde die Produktion von DRAM-Speicherkapazität 2007 weltweit um 55 bis 65 Prozent zunehmen. Zudem erwartet Qimonda, dass der Absatz von PCs um zehn Prozent wächst.

Keine Dividende

Keine Dividende

Daneben erwartet Loh eine stark wachsende Nachfrage aus der Unterhaltungselektronik. Hersteller von Spielekonsolen wie Sony  oder Nintendo  benötigten nahezu die doppelte Menge an Grafikchips. Auch der Einzug von Computertechnik in Handys und andere mobile Geräte soll den Absatz weiter ankurbeln.

Konkrete Umsatz- oder Gewinnprognosen gab Qimonda weiterhin nicht. Finanzchef Michael Majerus bekräftigte, dass Qimonda auf absehbare Zeit aufgrund der hohen Investitionen für Entwicklung, Produktion und Produktivitätssteigerung keine Dividende zahlen wird.

Drei Aktionäre besitzen 93,3 Prozent der Anteile

Die Manager sprachen am Dienstag vor nahezu leerem Saal. Insgesamt nahmen nur drei Aktionärsvertreter an der Hauptversammlung teil - in den gemieteten Europasaal im Haus der Bayerischen Wirtschaft passen rund 250 Leute. Anwesend waren zwei Vertreter von Infineon und ein Citigroup-Banker, der einen Teil der rund 3000 US-Aktionäre vertrat. Die drei Personen repräsentierten zusammen 93,3 Prozent des stimmberechtigen Kapitals.

Aufsichtsratschef Peter Fischl scherzte, nachdem die drei Vertreter ihre Stimmkarten abgegeben hatten: "Das Ergebnis der Abstimmung werde ich verkünden, nachdem mir die Auswertung aus dem Rechenzentrum vorliegt." Zum Vergleich: Bei einer Hauptversammlung von Siemens  verfügten Ende Januar rund 15.000 Aktionäre und deren Vertreter über nicht einmal die Hälfte der Gesamtstimmen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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