Grafikkarten Schattenspiele mit Vista

Mit einer realistischeren Optik und schärferen Bildern will sich Windows Vista von anderen Betriebssystemen abheben. Benötigt werden dazu allerdings hochwertige Grafikkarten. Eine Vielzahl der neuen Grafikchips wird auf der diesjährigen Computermesse Cebit präsentiert.

Fürth/München - Für Spiele- und Videofans verspricht die diesjährige Cebit besonders sehenswert zu werden: Auf der Computermesse in Hannover wird die nächste Generation von Grafikkarten gezeigt, die passend zur Einführung von Windows Vista den Standard DirectX 10 unterstützt. Die neuen Grafikchips sollen eine noch realistischere Optik mit noch schärferen Bildern möglich machen. Zudem setzen Anbieter verstärkt auf leistungsstarke Grafiklösungen für Notebooks.

"Die Grafikchips der neuen Generation sind vor allem für Spielefans interessant", sagt Carsten Spille, Redakteur bei der Zeitschrift "PC Games Hardware". Mit der Einführung von Windows Vista und der neuen Grafik-Schnittstelle DirectX 10 sollen Spiele weitaus lebensechter werden. "So lassen sich etwa Lichtbrechungen und Schattenspiele deutlicher darstellen - dadurch wirkt das Geschehen in der Spielperspektive viel lebendiger", sagt Jens Neuschäfer vom Grafikchiphersteller Nvidia .

Zudem sorge eine bessere Berechnung der Bilddaten durch eine neue Version der "Unified-Shader"-Architektur dafür, dass etwa Landschaften viel realistischer dargestellt würden, sagt Martin Grothe, Produktmanager von Elitegroup. Der taiwanische Grafikkartenhersteller stellt auf der Cebit mit der N8800GTX-768MX ein Modell aus Nvidias Chipfamilie vor: Wie alle Karten mit aktuellem Geforce-8-Prozessor verfügt diese über 768 Megabyte GDDR3-Speicher mit 1,8 Gigahertz Taktfrequenz und besitzt einen 575 Megahertz schnellen Chip. Das Modell soll im April für 600 Euro auf den Markt kommen, eine abgespeckte GTS-Version ist für 545 Euro geplant.

Wer die Pixel noch schneller purzeln sehen möchte, kann zu übertakteten Chips greifen: Asus zeigt auf der Cebit mit der EN8800 GTX eine Karte mit Wasserkühlung, mit der sich rund 11 Prozent mehr Leistung aus dem Nvidia-Chip herauskitzeln lassen sollen. Somit lasse sich der Prozessor auf 630 Megahertz und der Speicher effektiv auf über zwei Gigahertz hochtakten. Die Kühlung wird in einem eigenen PCI-Steckplatz befestigt und vom Computernetzteil mit Strom versorgt.

Wer ist schneller?

Wer ist schneller?

Neue Geschwindigkeitsrekorde dürfen Anwender im Wettstreit zwischen Nvidia und AMD-Tochter ATI erwarten: Zur Cebit stellt ATI eine neue Kartenserie vor, die unbestätigten Presseberichten zufolge X-2000 heißen und auf einem Prozessor namens R600 aufbauen wird. Das Rennen um die Spitzenreiterposition werde damit wieder spannend, sagt Spille. "Bisher war Nvidia der Konkurrenz haushoch überlegen - mit dem neuen Grafikchip dürfte AMD  jetzt wieder aufholen." Der ATI-Chip soll ebenfalls DirectX 10 unterstützen und eine verbesserte "Shader"-Grafik benutzen. Auf den Markt soll er bis zum Ende des ersten Quartals kommen, sagt ATI-Sprecherin Almut Otto.

Auch für Videofans bietet die Cebit einige Hingucker im Grafikbereich. Aktuelle Karten seien besonders für hochauflösende Videoinhalte geeignet, sagt Otto. Hierzu verfügen Karten neben DVI- auch über HDMI-Eingänge, die auf den neuen Kopierschutz HDCP abgestimmt sind. So ließen sich etwa HD-DVDs oder Blu-ray-Medien vom Computer über einen Fernseher oder Beamer anschauen. Mit bisherigen Karten könnten Nutzer nämlich Probleme mit dem Kopierschutz unter Vista bekommen, erklärt Spille.

Dabei setzen Hersteller verstärkt auf leistungsstarke Grafikchips für Notebooks. "Das Notebook wird auch für Spieler immer interessanter", sagt Daniel Moll von Asus in Düsseldorf. Asus zeigt auf der Cebit ein Notebook namens A8Jr, das mit dem neuen ATI-Grafikchip Radeon X2300 für mehr Leistung bei 3D-Spielen sorgen soll. Bislang hatten Notebookprozessoren bei Spielen oft Leistungs- und Kompatibilitätsprobleme, sagt Spille.

Surround-Sound über den Kopfhörer

Zusätzlich präsentiert Asus mit der XG Station einen externen Grafikkarten-Adapter für Notebooks. Über diesen Steckplatz sollen Spielefans ihren Laptop mit einer beliebigen PCI-Express-Grafikkarte ausstatten können. Die Adapterbox bietet zudem die Möglichkeit, den Ton im Sourround-Klang über Kopfhörer zu hören. Allerdings wird die Leistung der Karte Spille zufolge durch die begrenzte Schnittstelle der externen Box gebremst.

Für Spielefans mit besonders hohen Ansprüchen wird das Aufrüsten der Grafikhardware leichter: Konnten Anwender bislang schon mehrere Karten im so genannten SLI- oder Crossfire-Modus kombinieren, so bieten Hersteller wie Sapphire nun auch Karten mit mehreren Grafikprozessoren an. Karten wie die Radeon X1950 Pro Dual mit zwei Grafikchips belegen nur noch einen Steckplatz. Außerdem lassen sich zwei Grafikkarten mit jeweils zwei Chips kombinieren, um noch mehr Leistung zu erzielen. "Das ist aber nur etwas für Exoten", sagt Spille. Sogenannte Multi-GPU-Karten seien sehr teuer. Außerdem lasse sich die Leistungskapazität kaum ausreizen.

Neuheiten auf der Cebit gibt es aber auch im mittleren Preisbereich. So will Nvidia die Grafikchips G84 und G86 vorstellen. Diese sollen auf Karten für rund 300 Euro zum Einsatz kommen, sagt Neuschäfer. "DirectX 10 soll so auch für weniger Geld erschwinglich werden." Wem das dennoch zu teuer ist, der kann getrost mit dem Umstieg auf Windows Vista und DirectX 10 warten: Bislang gibt es ohnehin noch kaum Spiele, die auf die neue Grafik-Schnittstelle angewiesen sind.

Tobias Schormann, dpa

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