Amazon "600.000 Artikel pro Tag"

Der Internethändler Amazon hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient als zuvor. Dennoch legt der Weltmarktführer für 2007 eine ehrgeizige Prognose vor. Deutschland-Chef Ralf Kleber erklärt im Gespräch mit manager-magazin.de, wie diese Ziele erreicht werden sollen.

Seattle - "Das Geheimnis ist das Alte", sagt Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber gegenüber manager-magazin.de. Alles, was der Kunde online kaufen will, soll er bei Amazon  erwerben können. "Diesbezüglich wollen wir mit dem Kunden wachsen und unsere Produktkategorien weiter ausbauen", erklärt Kleber.

Im kommenden Jahr will Amazon seinen Umsatz weltweit um 21 bis 28 Prozent auf bis zu 13,7 Milliarden Dollar steigern. "Auch innerhalb der einzelnen Produktkategorien liegen noch viele Verbesserungsmöglichkeiten", glaubt der Deutschland-Chef. So könnten beispielsweise die Lieferantenbedingungen verbessert und die Lieferung beschleunigt werden.

Vor allem in Deutschland sieht der Manager großes Potenzial. "Während in den USA bereits 36 Produktkategorien angeboten werden, sind es hierzulande gerade einmal die Hälfte", so Kleber. Hinzu komme, dass viele Haushalte noch gar keinen Breitbandanschluss hätten und auch das Vertrauen in Onlineshopping noch gesteigert werden könne. "Da besteht noch viel Potenzial nach oben", vermutet der Deutschland-Chef.

"64 Millionen aktive Kunden"

Schon jetzt zeigt sich der Manager aber mit dem Erreichten zufrieden. "Das war das beste Weihnachtsquartal, das wir je hatten", berichtet Kleber. An Spitzentagen seien allein in Deutschland mit 600.000 Artikeln rund 200.000 Produkte mehr als im Vorjahresquartal gehandelt worden.

Auch die Zusammenarbeit mit Dritthändlern wurde ausgebaut. "Im vergangenen Jahr wurden 25 Prozent aller bei uns bestellten Artikel über Dritthändler versendet", so der Deutschland-Chef. Ein Angriff auf Ebay? "Wir schauen nicht darauf, ob die Ware von uns oder einem externen Anbieter versendet wird", weicht Kleber aus. Wichtig sei nur die Maximierung der Kundenzahl, die derzeit bei 64 Millionen aktiven Kunden läge.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Amazon  hatte am Donnerstagabend die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2006 veröffentlicht und einen geringeren Gewinn ausgewiesen. Als Ursache dafür führte der weltgrößte Internethändler steuerliche Mehrbelastungen und höhere Investitionen an.

Im Schlussquartal konnte Amazon den Umsatz um 34 Prozent auf vier Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn halbierte sich allerdings in diesem Zeitraum: Amazon verdiente im vierten Quartal nur noch 98 (198) Millionen Dollar oder 23 (45) Cent je Aktie. Experten hatten jedoch mit einem noch geringeren Gewinn von 21 Cent je Aktie gerechnet.

Im gesamten Geschäftsjahr konnte der in Seattle ansässige Internethändler den Umsatz um 26 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar steigern. Der Jahresgewinn fiel auf 190 (Vorjahr: 359) Millionen Dollar oder 45 (84) Cent je Aktie.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters