Deutsche Telekom "Zu teuer, zu langsam"

Millionen von Festnetzkunden haben der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt. Ob der Ex-Monopolist diesen Schwund allein mit seiner angekündigten Serviceoffensive aufhalten kann, bezweifeln Experten. Um Kunden zu halten, brauche die Telekom vor allem eins: niedrigere Preise.

Hamburg/Berlin - Es klang schon fast wie ein Abgesang auf das Festnetzgeschäft. Anschlussverluste komplett zu stoppen, sei nicht realistisch, erklärte René Obermann am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin. Da der Markt streng reguliert sei, so die Botschaft des Vorstandschefs, müsse die Deutsche Telekom als Ex-Monopolist nun einmal Marktanteile abgeben. Mehr als zwei Millionen Festnetzkunden hat die Telekom im vergangenen Jahr in Deutschland verloren.

Zu viel, findet Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Die Telekom sollte darauf achten, nicht mehr als eine Million Festnetzkunden pro Jahr zu verlieren", sagt Rothauge gegenüber manager-magazin.de. Der Konzern müsse sein Hochpreisimage ablegen.

"Man hat den Riesenfehler gemacht, auf günstige Angebote von Wettbewerbern zu spät zu reagieren", sagt der Telekommunikationsexperte. Bei Paketen aus DSL und Festnetz betrug der Preisunterschied zeitweise bis zu 20 Euro. "Da fühlt sich der Kunde veralbert."

Ganz so gewaltig sind die Preisdifferenzen zwar nicht mehr - doch immer noch groß genug, um zahlreiche Telefon- und Internetnutzer zu einem Wechsel zu bewegen. Für ein Komplettpaket samt Flatrate für Telefon und Internet zahlt der Kunde bei der Telekom derzeit 49,95 Euro, vergleichbare Angebote bei Konkurrenten wie Versatel oder Arcor liegen indes unter 40 Euro. "Dieser Abstand ist immer noch zu groß", beklagt Rothauge.

Mehr als 10 bis 15 Prozent Preisunterschied dürfe dem Kunden nicht zugemutet werden - sonst flüchtet er zur Konkurrenz. Arcor verzeichnete Ende September 2006 rund 1,8 Millionen Kunden bei Sprachanschlüssen, knapp 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 1,7 Millionen davon sind gleichzeitig DSL-Nutzer.

Telefon- und Internetanbieter Versatel, der ebenfalls steigende Kundenzahlen verkünden kann, hat Anfang des Jahres bereits eine "neue Preisoffensive" versprochen. "Der Kunde hat genug vom Tarifdschungel", warb CEO Peer Knauer, "er will transparente Produktpakete zu fairen Preisen".

Viele Alternativen

Zudem jubelt die Konkurrenz über Kundenzuwächse bei Alternativen zur klassischen Telefonie. "2006 war das Jahr unseres Angriffs auf das Festnetz" freute sich Fritz Joussen, Geschäftsführer von Vodafone Deutschland. Anfang 2006 startete Vodafone mit 200.000 Kunden sein "Zuhause"-Angebot - inzwischen hat sich die Zahl nach Unternehmensangaben verzehnfacht. Über Handy können die Nutzer zu verbilligten Tarifen in den eigenen vier Wänden und im näheren Umkreis telefonieren.

Dieses Prinzip verfolgt der Mobilfunkanbieter O2 mit seinen Genion-Tarifen bereits seit 1999, als das Unternehmen noch den Namen Viag Interkom trug. Ende September 2006 telefonierten rund 3,8 Millionen Handynutzer aus der "Homezone" von O2, etwa 400.000 mehr als im Vorjahr. Ungefähr 20 Prozent der Genion-Kunden, so schätzt das Unternehmen, verzichten inzwischen ganz auf einen Festnetzanschluss. Im vergangenen Jahr hat die Telekom nun mit einem ähnlichen Angebot nachgezogen: "T-Mobile@Home".

Wer heute zu Festnetzkonditionen telefonieren will, hat viele Möglichkeiten - und kann aus einer Vielzahl von Angeboten das günstigste auswählen.

Doch während die Konkurrenz die Preise für Festnetz und DSL immer weiter stutzt, sind bei der Telekom derzeit keine tief greifenden Preissenkungen geplant. Zwar betont man, ein "dauerhaft wettbewerbsfähiges Preisniveau" halten zu wollen. Gleichzeitig erklärt T-Com-Chef Timotheus Höttges jedoch: "Wir werden nicht der billigste Anbieter in Deutschland, wir werden uns über den Service differenzieren."

Solche Ankündigungen verfolgt Rothauge mit Skepsis. "Service ist kein gutes Wettbewerbstool", sagt der Analyst, "die meisten Kunden wechseln wegen des Preises". Wer bei der Konkurrenz zehn Euro spart, nimmt dafür möglicherweise auch eine schlechtere Kundenbetreuung in Kauf - sofern der qualitative Unterschied überhaupt spürbar ist.

"Es hat sich nichts verbessert"

Im Preiskampf hat sich der Bonner Konzern bislang als träger Konkurrent erwiesen - zumal er sich jede Tarifänderung von der Regulierungsbehörde genehmigen lassen muss. "Die Telekom ist zu teuer und zu langsam", analysiert Rothauge, "bis das Management eine Entscheidung gefällt hat, hat der Konkurrent die Preise schon drei Mal verändert".

Für Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck, sind die Bemühungen um mehr Kundenservice in den Bereichen Festnetz und DSL zwar ein Schritt in die richtige Richtung. "Als relativ teurer Premiumanbieter muss der Service besser sein als bei der Konkurrenz - das ist bislang nicht der Fall." Gleichzeitig müsse die Telekom jedoch ihre Preise senken, um Kunden zu halten - auch wenn durch einen solchen Schritt die Gewinnmargen sänken.

Langfristig könne man den Ausstieg von Festnetzkunden jedoch allenfalls verlangsamen, so Kitz, aber nicht stoppen. Der Konzern müsse vielmehr in wachstumsstarke und weniger regulierte Märkte expandieren - wie beispielsweise den Mobilfunkmarkt in Russland. "Es wurde lange versäumt, neue Ertrags- und Umsatzquellen zu suchen".

Ob die Deutsche Telekom ihren Service im Bereich DSL- und Festnetz überhaupt zu verbessern vermag, bleibt abzuwarten. "Das haben auch Obermanns Vorgänger schon versprochen", sagt Kitz, "aber man hat den Eindruck, seither hat sich nichts verbessert."

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