Führungswechsel Dell wieder am Drücker

Der einstige Branchenprimus Dell kämpft weiter gegen den Abstieg. Auch im vierten Quartal blieben Gewinn und Umsatz offenbar hinter den Erwartungen zurück. Nun soll Firmengründer Michael Dell den Konzern wieder zurück auf Kurs bringen.

San Francisco - Firmengründer Michael Dell löse den bisherigen Chef Kevin Rollins mit sofortiger Wirkung ab, teilte der Konzern mit. Rollins sei von seinem Posten zurückgetreten und verlasse auch das Direktorium. Der Kurs der Dell-Aktie  reagierte im nachbörslichen Handel mit einem Anstieg um fast 5 Prozent auf 25,35 Dollar.

Das Direktorium halte Michael Dells "Vision und Führung" für entscheidend, um die führende Rolle des Unternehmens in der Technologiebranche langfristig zu gewährleisten, erklärte das Direktorium. Dell hatte das Unternehmen 1984 als Student gegründet und an die Spitze der Computerindustrie geführt. Bis 2004 war er schon einmal Chef des Konzerns, zuletzt nur noch Direktoriumsvorsitzender. Diesen Posten soll er auch künftig beibehalten.

Der einstige Börsenliebling Dell kämpft seit geraumer Zeit mit einem schleppenden Wachstum. Zuletzt verlor Dell seine Position als PC-Weltmarktführer an den Rivalen Hewlett-Packard . HP hat nach Einschätzung von Analysten für die rasant wachsenden Märkte der PCs für Privatkunden sowie Drucker und Laptops eine bessere Strategie als Dell und wächst daher schneller.

Daneben ist Dell wegen des Verdachts auf Bilanz-Unregelmäßigkeiten in das Visier von Börsenaufsicht und Staatsanwaltschaft geraten. Die Vorlage seiner Zahlen für das dritte Quartal hatte Dell deshalb verschieben müssen. Dabei warnte das Unternehmen, die Ermittlungen könnten dazu führen, dass auch ältere Geschäftsberichte korrigiert werden müssten. Vor diesem Hintergrund hatte Dell im Dezember bereits seinen Finanzchef James Schneider durch den früheren American-Airlines-Chef Donald Carty ersetzt.

"Das ist Besorgnis erregend"

"Das ist Besorgnis erregend"

Erst vor wenigen Monaten mussten zudem 4,1 Millionen Akkus für Notebooks zurückgerufen werden, weil sie möglicherweise Brände auslösen könnten. Die Gewinne gingen zurück, die Aktionäre zeigten sich enttäuscht.

Auch am Mittwoch musste Dell erklären, dass Gewinn und Umsatz im vierten Quartal hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieb. Man werde wahrscheinlich weniger Gewinn verzeichnen als die von Analysten geschätzten 32 Cent pro Aktie, hieß es.

Analysten bewerteten den Führungswechsel unterschiedlich. "Es gab mit Sicherheit Druck für einen Führungswechsel", sagte Brent Bracelin von Pacific Crest Securities. Dennoch sei er überrascht. "Diese Art von Turbulenzen bei einem Unternehmen, das in den kommenden anderthalb Jahren wahrscheinlich 60 Milliarden Dollar Umsatz macht, ist mit Sicherheit Besorgnis erregend."

Charles Wolf von Needham & Co. sprach von einem nötigen Schritt: "Das Finanzergebnis des Konzerns hat sich verschlechtert seit Rollins übernahm." James Ragan von Crowell, Weedon & Co. sagte, die Entscheidung werde hoffentlich zu wieder steigenden Marktanteilen, Verbesserungen der Produktqualität und mehr Innovationen führen.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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