Mobilfunk-Kolumne Was taugt Wimax?

Der Funkstandard Wimax soll die flächendeckende Versorgung der Verbraucher mit schnellen Internetzugängen sicherstellen. Doch hat die neue Technologie überhaupt eine Chance am deutschen Markt? Ralf Gerbershagen, Deutschland-Chef von Motorola, schildert seine Sicht der Dinge.

Hamburg - Vor einigen Wochen wurden in Deutschland die Lizenzen für die drahtlose Breitband-Funktechnologie Wimax für rund 56 Millionen Euro versteigert. Im Verhältnis zu den erzielten Preisen der UMTS-Versteigerung im Jahre 2000 von 50,8 Milliarden ein auf den ersten Blick günstiger Preis. Denn nicht wenige sprechen Wimax das Potenzial zu, heutige UMTS-Netze in Punkto Effizienz und Bandbreite zu übertreffen.

Doch was kann diese Technologie mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde bei einer Reichweite von bis zu 50 Kilometern wirklich leisten und wie wird sich Wimax am Markt behaupten?

Als Konkurrenzprodukt zu den im Markt etablierten Breitbandangeboten wie DSL oder UMTS ist Wimax ein Newcomer. Scheinbar passend dazu haben hauptsächlich kleinere Betreiber wie Clearwire Europe, Deutsche Breitband Dienste oder Inquam Broadband die Lizenzen ersteigert und nicht die bekannten, großen Netzbetreiber. Vielleicht beurteilen Analysten und Experten auch deshalb das Potenzial von Wimax recht unterschiedlich, eher abwartend.

Dass Marktpotenzial für die Nutzung drahtloser Funktechnologie vorhanden ist, zeigt das Beispiel des in Spanien ansässigen Unternehmens Fon. Innerhalb eines Jahres haben sich mehr als 200.000 neue Nutzer bei dieser Community registriert.

Potenzial vor allem auf dem Land

Potenzial vor allem auf dem Land

Wimax bietet vor allem in freien Lagen viele Möglichkeiten zur Überbrückung großer Entfernungen oder als Alternative zu DSL und Kabelnetzen. Manche Analysten meinen, dass es diese Technologie schwer haben wird, in Gebieten mit guter UMTS-Versorgung erfolgreich zu sein.

Doch Wimax bietet gerade im Bereich mobiler, breitbandiger Applikationen großes Potenzial. So lässt sich beispielsweise mobiles Surfen im Internet mit Wimax wesentlich effizienter realisieren als mit anderen Technologien. Dort, wo UMTS nicht zur Verfügung steht oder wo die Preise der lokalen UMTS-Anbieter mangels Konkurrenz noch immer sehr hoch sind, wird Wimax die erste Wahl für einen breitbandigen Internetzugang sein.

Vor allem hier gilt Wimax als preiswerte Alternative zum kabelbasierten Breitbandanschluss. Die Kosten des Netzaufbaus sollen nur ein Siebtel betragen, da deutlich weniger Hardware benötigt wird, zum Beispiel eine geringere Anzahl an Basisstationen. Allerdings gehen einzelne Experten davon aus, dass in schwächer besiedelten Räumen, wo die Wimax-Funktechnik installiert wird, zügig die DSL-Wettbewerber nachziehen werden. Ziel der DSL-Anbieter kann es hierbei nur sein, Marktpräsenz zu beweisen und Marktanteile zu halten.

Besonders in ländlichen Gebieten mit einer geringeren Bevölkerungsdichte ist der Einsatz sinnvoll – sowohl unter technologischen wie Kostenaspekten. Damit können diese Regionen auf einen schnelleren Breitbandanschluss hoffen, als das bislang möglich war. Dies ist vor allem für die dort angesiedelten innovativen Klein- und Mittelbetriebe, beispielsweise im Bereich Maschinenbau oder Elektrotechnik, für ihren kontinuierlichen Geschäftserfolg enorm wichtig. Sie sind Zukunftsmotoren und -garanten für diese schwach strukturierten Gebiete und auf ein entsprechend preisgünstiges Angebot für ihre Wettbewerbsfähigkeit angewiesen.

Ein Zusammengehen einzelner Unternehmen bei der Implementierung und Nutzung in der Region kann den Beteiligten zusätzliches Einsparpotenzial beispielsweise bei den Beschaffungskosten verschaffen und auch die Kosten für Telefonie und Datentransfer senken.

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