MP3-Player Stylischer, flacher, vielseitiger

Ein MP3-Player bietet inzwischen viel mehr als nur Musikgenuss für unterwegs. Viele Geräte spielen auch Videodateien ab oder lassen sich als mobile Spielkonsole nutzen. Zudem werden die Geräte immer kleiner und ausgefallener. Ein Überblick über die aktuellen Trends.

Berlin - Einfach nur mobiler Musikgenuss, das ist Schnee von gestern. Wer sich heute nach einem MP3-Player umschaut, darf eine Menge erwarten: Vor allem die teureren Modelle haben immer mehr Zusatzfunktionen.

Und wenn ein neues Gerät tatsächlich "nur" Musik abspielt, dann ist es kleiner und flacher und passt somit noch besser in die Jackentasche als ältere Modelle - bei gleicher Kapazität. Möglich machen das sogenannte Flashspeicher. Immer öfter zum Einsatz kommen auch Handys mit MP3-Spieler. Den "reinen" Playern haben sie allerdings nach wie vor nicht den Rang abgelaufen.

MP3-Player mit Diktiergerät

"Gerade im höheren Preisbereich wird die Funktionsvielfalt immer größer", sagt Michael Wolf, Technikexperte bei der Stiftung Warentest. Immer mehr Geräte spielen außer Musik auch Videodateien ab oder erlauben das Speichern und Betrachten von Fotos - auf bunten, großen Displays. Manche kommen mit einem Diktiergerät oder einem Radio daher. Oder sie lassen sich als Mini-Spielekonsole nutzen.

Entsprechend steigen die Anforderungen an die Speichermedien - das sind bei Geräten mit vielen Gigabyte weiter ausschließlich Festplatten. "Sie nehmen bei gleicher Speicherkapazität weniger Platz weg - oder beherbergen bei gleicher Bauform größere Datenmengen", sagt Wolf. Der größte aktuelle iPod zum Beispiel habe eine 80 Gigabyte (GB) fassende Festplatte. Teurer sind die Geräte deshalb nicht: Ein 30-GB-iPod etwa kostet mit knapp 290 Euro sogar weniger als seinerzeit ein 20-GB-Gerät aus der Vorgängergeneration.

Apples iPod gibt auf dem Markt noch immer den Ton an. "Sein Image-Wert ist ungebrochen", sagt Malte Reitzig, Experte für MP3-Spieler beim Elektrohändler Media Markt. "Dabei gibt es viele Geräte, die technisch durchaus vergleichbar sind." Beim Sound geben sich die Geräte der verschiedenen Hersteller ohnehin nicht viel - hier machen eher die Kopfhörer den Unterschied.

Wechsel zum Flashspeicher

Wechsel zum Flashspeicher

Zu Apples wichtigsten Konkurrenten zählen laut Christine Tantschinez von der Zeitschrift "Audio" etwa Sony  mit seinem MP3-Walkman, Samsung , Trekstor, iRiver, Creative oder Maxfield. Auch Microsoft  will bald mitmischen: Noch in diesem Jahr soll in Deutschland der Zune erhältlich sein, der erste MP3-Player des Softwaregiganten. "Er wird zum Beispiel W-Lan-Funkfähigkeiten haben", erklärt Warentester Wolf.

Bei vielen MP3-Spielern lagern die Daten aber gar nicht mehr auf Festplatten, sondern auf Flashspeichern - was dem Nutzer den Experten zufolge eine Reihe von Vorteilen bringt. "Die Speicher und damit die Geräte sind kleiner und haben keine Laufgeräusche", sagt Reitzig. Laut Wolf sind sie außerdem robuster. Einziger Nachteil: Bisher haben die größten Speicher eine Kapazität von nur acht GB. Wer wirkliche Auswahl will, muss sich in der Kategorie bis maximal vier GB umsehen.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Flashspeicher in der Herstellung und damit auch die Geräte selbst bisher vergleichweise teuer sind. Ein hochwertiger Player mit Vier-Gigabyte-Speicher kostet laut Tantschinez etwa 200 Euro. Dennoch wird es nach Einschätzung der Expertin schon bald Geräte mit weitaus mehr Kapazität geben. "Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr 16-Gigabyte-Flashplayer auf dem Markt haben."

Handy-Player sind keine Konkurrenz

Neben der Funktions- und der Speicherfrage spielt das Design eine zunehmend wichtige Rolle. "Die Geräte werden immer flacher", sagt Reitzig. Metall ersetzt oft Plastik - sicher nicht aus Zufall heißt ein aktueller Flashplayer von Thomson  "Metal". "Es gibt inzwischen auch ungewöhnlich geformte Geräte", sagt Christine Tantschinez. So hat Samsung mit dem YP-K5JA und dem YP-K5JZ zwei Geräte mit einer integrierten Boxenkonsole im Programm. Sie lässt sich ähnlich wie das Display mancher Handys herausschieben.

Mobiltelefone sind auch einer der Gründe dafür, warum sich auf dem Markt derzeit einiges tut. In immer mehr Handys stecken mittlerweile bis zu vier GB große, oft austauschbare Flashspeicher für Musikdateien. "Für die tägliche Fahrt zur Arbeit sind diese Handys schon eine echte Alternative", sagt Warentester Wolf. "Zumindest für die kleinen Flashspieler mit geringer Speicherkapazität sind solche MP3-Handys eine ernst zu nehmende Konkurrenz."

Trotzdem sieht Expertin Tantschinez dadurch keine Ära enden. "Was die Soundqualität der Handys angeht, muss man zwar keine wahnsinnigen Abstriche machen", so Tantschinzez. Allerdings seien die Mobiltelefone nicht so vielseitig einsetzbar. "Ein Musikhandy beim Joggen stell' ich mir schwierig vor, denn es ist empfindlicher als ein MP3-Spieler." Außerdem seien die Geräte noch vergleichsweise teuer - zumindest wenn sie nicht an einen Handyvertrag gekoppelt sind. Und auch die Akkulaufzeiten der "reinen" Player - oft mehr als 20 Stunden am Stück - seien noch nicht drin.

Tatsächlich abgelaufen zu sein scheint dagegen die Zeit der MP3-Spieler mit sehr geringen Kapazitäten. "Geräte mit weniger als einem GB Speicher findet man wohl mittlerweile vorwiegend auf dem Grabbeltisch", glaubt Wolf. In absehbarer Zeit werden den Experten zufolge zwei GB die Untergrenze sein. Denn auch wenn die wenigsten Nutzer ihre komplette Musiksammlung mit sich herumtragen wollen: Ein bisschen Auswahl sollte schon möglich sein.

Florian Oertel, dpa

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