BenQ Rettungsring schwimmt davon

Ex-DaimlerChrysler-Manager Hansjörg Beha hat sein Angebot zur Übernahme von BenQ Mobile in München und Kamp-Lintfort zurückgezogen. Ein Grund dafür sei die "rapide Erosion an Vermögensgegenständen" bei dem insolventen Unternehmen.

Düsseldorf - Die Hoffnung für den insolventen Handyhersteller BenQ Mobile schwindet weiter. Die deutsch-amerikanische Investorengruppe um Ex-DaimlerChrysler-Manager Hansjörg Beha hat ihr Angebot zur Übernahme des Handyherstellers BenQ Mobile am Freitag zurückgezogen.

Die Gruppe sei zu der Überzeugung gekommen, dass das von ihr verfolgte unternehmerische Konzept nicht mehr realisiert werden könne, hieß es in einer Mitteilung. Dieses Konzept habe darauf abgezielt, sofort mit bis zu 800 Mitarbeitern in München und Kamp-Lintfort die Entwicklung und Produktion neuer Handy-Modelle aufzunehmen und diese zu vertreiben.

Wesentliche Eckpunkte, auf die sich dieses Konzept stützte, sind aus Sicht der Investorengruppe jedoch nicht gegeben oder mittlerweile weggefallen. Hierzu zählten besonders, dass maßgebliche Mitarbeiter in Entwicklung und Vertrieb mittlerweile andere Arbeitsplätze angenommen hätten. Ferner nannte die Gruppe die nicht erzielbare Einräumung wesentlicher Rechte für den Vertrieb sowie die mittlerweile "rapide fortschreitende Erosion an wesentlichen Vermögensgegenständen" durch Verkäufe.

Interessent Bacoc lässt Frist verstreichen

Zahlreiche Arbeitsplätze sowie wertvolles Know-how bei BenQ würden nun verloren gehen, bedauerte der Ex-Interessent. Als anderer ernsthafter Bieter für die ehemalige Siemenstochter war auch die Hamburger Bacoc-Gruppe. Sie teilte aber ebenfalls am Freitag mit, dass sie nicht wie ursprünglich geplant am Freitag ein Angebot vorlegen könne, sagte eine Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager in München. Die Offerte und der Finanzierungsnachweis seien nicht fertig geworden.

Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer übte deutliche Kritik an der Qualität der Angebote für BenQ Deutschland mit ursprünglich mehr als 3000 Beschäftigten.

Nach weiteren Angaben der Insolvenzverwaltung erklärte die Bacoc- Gruppe, sie verfolge die Übernahmepläne weiter. Nach Einschätzung von Neugebauer sind die bisher vorliegenden Angebote nicht seriös. "Das sind zum Teil übelste Auswüchse des Kapitalismus". Einige Bieter hätten keinerlei eigene Finanzkraft, forderten aber hohe staatliche Garantien. Gerade für die Produktions-Beschäftigten in Kamp-Lintfort gebe es nur noch wenig Hoffnung. Dagegen hätten viele Beschäftigte in der Münchner Zentrale einen neuen Job gefunden.

Garantie für BenQ-Handys gilt

Garantie für BenQ-Handys gilt

Am Vormittag hatte Siemens  mitgeteilt, man habe sich mit der taiwanesischen BenQ über Garantieleistungen für die Handys geeinigt. BenQ habe die B2X Care Solutions GmbH mit dem Service für Handys beider Marken beauftragt. Vertriebspartner und Endkunden könnten damit weiterhin die bisherigen Kanäle für Reklamationen in Anspruch nehmen. Die Vereinbarung laufe seit Anfang Januar.

B2X übernehme die Garantieleistungen für Vertriebspartner und Endkunden aus Europa, Russland und Lateinamerika, hieß es. Die Garantieansprüche asiatischer Kunden würden direkt von BenQ bearbeitet. Die B2X Care Solutions ist als Nachfolger des ebenfalls insolventen Dienstleisters Inservio für die Steuerung des Service für die Mobilfunkgeräte zuständig. Es seien aber keine Firmenwerte oder Mitarbeiter von Inservio übernommen worden, sagte ein B2X-Sprecher.

Die Handy-Reparaturwerkstatt von Inservio in Bocholt hatte die Firma ComBase aus dem bayerischen Karlstein übernommen, die als ein Dienstleister Reparaturaufträge für B2X Care Solutions abwickelt.

Siemens investiert Millionen in Garantiebereich

Die Kosten für die Fortführung der Garantieleistungen werden laut Siemens durch die ursprünglich noch im Dezember fällige Rate an BenQ gedeckt. Siemens hatte bei der Abgabe seiner lange defizitären Mobilfunksparte an BenQ die Zahlung von 400 Millionen Euro zugesagt.

Die letzte Rate von 117 Millionen Euro hatte Siemens im Konzern behalten. BenQ Mobile mit ursprünglich mehr als 3000 Beschäftigten hatte Ende September Insolvenz angemeldet, nachdem die taiwanesische Mutter dem Unternehmen den Geldhahn zugedreht hatte.

Die B2X Care Solutions GmbH ist eine Tochter der B2X Logistics GmbH. Beide Firmen haben ihren Sitz in München und zusammen rund 80 Beschäftigte. Zum Umsatz machte der Unternehmenssprecher keine Angaben, die Firmen arbeiteten profitabel, erklärte er.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, vwd