Telekombranche Giganten der Zukunft

China Mobile, Hinduja, Sistema - Telekomkonzerne aus den Schwellenländern erobern mit prall gefüllten Kassen vielversprechende Märkte wie Afrika, Südamerika und Asien. Während Weltmarktführer Vodafone den Trend erkannt hat und kräftig mitmischt, schaut die Deutsche Telekom mehr oder weniger reglos zu.

Bonn - Die Goldgräberstimmung hat die Telekombranche wieder gepackt: Allerdings stehen nicht mehr die Konzerne der Industrieländer im Fokus, die Musik spielt in Schwellenländern wie Indien und China. Dank ihrer rasant wachsenden Volkswirtschaften weisen die dortigen Unternehmen hohe Zuwachsraten auf.

Westliche Schwergewichte wie Telefonica  und Vodafone  haben daher ihre Position in den Märkten Asiens, Afrikas und Südamerikas durch Akquisitionen gestärkt und wollen weiter zukaufen. Aber auch die Telekomgesellschaften aus den Schwellenländern gehen gepolstert mit üppigen Gewinnen auf Expansionstour.

Während sich die westlichen Rivalen vom Strudel der Telekomkrise Anfang des Jahrtausends erholen, wächst das Selbstvertrauen in den Schwellenländern. Das hohe Kundenwachstum spülte den Unternehmen Geld in die Kasse und sie begannen, sich nach Akquisitionszielen umzuschauen: Erst in der direkten Umgebung - so ist der afrikanische Telekommarkt mittlerweile fest in der Hand weniger Spieler - und nun in den Industrieländern.

Hinduja will bei Telecom Italia einsteigen

Schwergewichte bleiben von der Entwicklung nicht verschont. Laut Medienberichten prüft die indische Hinduja-Gruppe einen Erwerb der Kontrollmehrheit von Telecom Italia . Ebenso hat der Mischkonzern im Rennen um Hutchison Essar, um den sich auch Vodafone bemüht, seinen Hut in den Ring geworfen. Der viertgrößte Mobilfunker Indiens ist mit einer Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar fast so viel Wert wie der von Telefonica gekaufte Handyanbieter O2.

Auch die Deutsche Telekom  bekam das neue Selbstvertrauen der emporstrebenden Wettbewerber zu spüren: Der russische Mischkonzern Sistema bemühte sich bereits um einen Einstieg bei Europas größtem Telekomkonzern - bislang allerdings vergeblich.

Den finanziellen Spielraum für ihre Expansionspläne erwirtschaften die Telekomfirmen aus den Schwellenländern mit einem rasanten Kundenwachstum, das - gekoppelt mit einer hohen Marge - ordentliche Gewinne in die Kassen der Gesellschaften spült. China Mobile  etwa weist trotz seiner bereits 300 Millionen Nutzer hohe Wachstumsraten aus.

Margen von über 40 Prozent

Margen von über 40 Prozent

Der Präsident von China Mobile , Wang Jianzhou, umriss kürzlich seine Expansionspläne: "Wenn wir ins Ausland gehen, dann nur in Asien, Afrika und Südamerika." An den Telekommärkten der Industrieländer habe sein Unternehmen kein Interesse. Experten bescheinigen Afrika, Südamerika und Asien über das Jahr 2010 hinaus enorme Zuwachschancen - die Märkte in Europa und den USA sind dann laut Marktforschern vollständig gesättigt.

Die Entwicklung spiegelt sich in der Börsenbewertung wider: "Die Telekomkonzerne aus den Schwellenländern gelten als Wachstumswerte und kommen damit auf eine hohe Bewertung an den Kapitalmärken und bei Investoren", sagt Martin Gutberlet von der Marktforschungsgesellschaft Gartner. Hinzu kommt, dass die Unternehmen zum Teil operative Margen von über 40 Prozent ausweisen und damit viele westliche Konzerne übertreffen. Für die Herausforderer bringt dies einen wichtigen Vorteil: China Mobile & Co. können ihre Aktie bei einer guten Bewertung besser als Akquisitionswährung einsetzen.

International droht die Deutsche Telekom  von Vodafone  und Telefonica  abgehängt zu werden. Die Bonner verfügen mit T-Mobile USA nur über einen Wachstumsmotor. Die Zuwachsraten der US-Mobilfunktochter reichen aber nicht aus, um die Schwäche auf dem Heimatmarkt zu kompensieren. Zukäufe waren in der jüngsten Vergangenheit wegen der hohen Schulden tabu.

Telekom an TIM Brasilien interessiert?

Mit dem Amtsantritt des neuen Vorstandschefs René Obermann setzt jetzt ein Umsteuern an. Erstes Indiz: Der Bereich "Zukäufe und Fusionen" fällt nicht mehr in das Vorstandsressort von Finanzchef Karl-Gerhard Eick, sondern ist direkt bei Obermann angesiedelt.

Ein rascher Zukauf im Ausland ist von Obermann aber nicht zu erwarten. In den ersten Reden rückte er das Deutschland-Geschäft in den Mittelpunkt seiner Strategie. Im Umfeld des Konzerns ist indes zu hören, dass die Gesellschaft ein Auge auf TIM Brasilien geworfen hat.

Der hochverschuldete TIM-Mutterkonzern Telecom Italia  will in den kommenden Wochen entscheiden, ob die Mobilfunkgesellschaft auf den Verkaufszettel kommt. Sollte dies geschehen, dann werde die Telekom sich TIM Brasilien anschauen, hieß es. Ob dann tatsächlich ein Angebot abgegeben wird, ist offen. Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke hatte eine Investmentbank mit der Auswahl möglicher Akquisitionsziele beauftragt - geschehen ist bis auf den Kauf des österreichischen Mobilfunkers Telering aber nichts.

Martin Murphy, dpa-afx

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