Datenschutz Internet im Zwiebellook

Jeder Internetnutzer hinterlässt seine Spuren im Web - ob er will oder nicht. Das internationale Projekt "The Onion Router" ermöglicht nun auch anonymes Surfen. Kritiker befürchten jedoch, dass die schichtweise Verschlüsselung von Daten auch für kriminelle Zwecke missbraucht werden könnte.

Frankfurt am Main - "Ich habe wenig zu verbergen, kann mir aber kein Leben in einer Welt ohne Schutz der Privatsphäre vorstellen." Nach diesem Motto haben Internetaktivisten einen Dienst entwickelt, der den anonymen Datenverkehr im Internet ermöglicht.

Bezeichnet wird das Projekt als TOR, was sich aus der Abkürzung von "The Onion Router" herleitet und kurz als Zwiebelnetz übersetzt werden könnte. Wenn man sich in das TOR-Netz begibt, werden die Daten wie die Häute einer Zwiebel schichtweise verschlüsselt und über eine Vielzahl von Rechnern geleitet, deren Verwalter sich an dem Projekt beteiligen.

Beim Anfordern einer bestimmten Webseite erfährt der Internetprovider nur noch die Adresse eines Eingangsknotens im TOR-Netz, kann aber den weiteren Weg ebenso wenig nachverfolgen wie das eigentliche Ziel der Datenanfrage. Das Netz wurde 2002 in den USA aufgebaut, befindet sich noch in der Entwicklung und wird inzwischen vor allem von der Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) vorangetrieben, die sich für den Datenschutz im Netz einsetzt.

TOR bietet keinen absoluten Schutz, da die Daten bei der Überwachung mehrerer Knotenrechner rekonstruiert werden können. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass es wegen der Umwege im Netz deutlich länger dauert, bis der Browser die angeforderte Webseite anzeigt. Wegen der einfachen Bedienung wird TOR aber inzwischen von mehreren Hunderttausend Internetnutzern eingesetzt. Die freie Software für TOR ist schnell heruntergeladen und lässt sich unter Windows ebenso installieren wie auf einem Mac- oder Linux-Rechner.

Danach enthält die Taskleiste zwei neue Symbole. Ein weißes P auf blauem Grund steht für den Proxyserver "Privoxy", der die Datenanfragen ins TOR-Netz leitet. Eine grüne Zwiebel öffnet ein Werkzeug für das Starten und Beenden des Dienstes.

Schließlich ist es noch erforderlich, die Proxyeinstellungen im Browser zu bearbeiten. Beim Internet Explorer muss man dies manuell erledigen. Für den Firefox gibt es eine praktische Erweiterung, den TOR-Button, der das schnelle Umschalten in das TOR-Netz mit einem Mausklick erledigt. Ebenso schnell kann man auf diese Weise aus dem zwar anonymen, aber eben auch langsamen Zwiebelnetz wieder aussteigen.

TOR für kriminelle Handlungen

TOR für kriminelle Handlungen

"Die Sicherheit von TOR wird verbessert, je größer die Nutzerbasis ist und je mehr Freiwillige eigene TOR-Server betreiben", erklären die Projektverantwortlichen und rufen die Nutzer dazu auf, den eigenen Computer ebenfalls als Knoten zur Verfügung zu stellen. Dies erfordere ebenfalls nur einen Mausklick, wobei die zur Verfügung gestellte Bandbreite begrenzt werden könne.

Zurzeit besteht das Netz aus weltweit mehr als 1200 TOR-Knoten; 30 Prozent der Rechner stehen in den USA, 29 Prozent in Deutschland. Allerdings sollte man es sich genau überlegen, ob man den eigenen Rechner als TOR-Server zur Verfügung stellt. Die Projektmacher schreiben dazu selbst: "Wenn du einen TOR-Server betreibst, der Verbindungen nach außen zulässt (was die Standardrichtlinie ist), kannst du davon ausgehen, dass du irgendwann von jemandem hören wirst." Denn wie jeder anonyme Dienst kann auch TOR für illegale Handlungen wie den Zugang zu Kinderpornografie missbraucht werden - was auch innerhalb des TOR-Projekts für Diskussionen sorgt.

"TOR dient dazu, den Normalbürger zu schützen, der das Gesetz befolgen will", erklären die Initiatoren. Kriminelle hingegen hätten auch eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten, um sich zu verstecken. Allerdings kommt es wohl auch zu anderen Formen des Missbrauchs wie den anonymen Versand von Spam oder das anonyme Verunstalten von Wikipedia-Artikeln - deshalb hat dieses Projekt Internetnutzern aus dem TOR-Netz erst einmal die Schreibrechte entzogen.

Als Forum für anonyme Meinungsäußerungen aller Art präsentieren sich einige der versteckten Webseiten, die nur über das TOR-Netz zu erreichen sind und die Adressendung "onion" (Zwiebel) führen. Hier findet sich etwa ein "Manifest für eine digitale Gesellschaft" oder ein Aufruf, die Welt mit Programmieren von Computercode zu retten. Sogar eine Suchmaschine für die dort abgelegten Inhalte gibt es: "Torgle" durchsucht den Internetuntergrund im Zwiebelnetz.

Peter Zschunke, ap

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