AOL Deutschland Ahlers soll es richten

Das Zugangsgeschäft ist verkauft, nun geht es daran, das Portalgeschäft möglichst profitabel zu gestalten. Für AOL Deutschland soll der frisch gekürte Chef Torsten Ahlers die Neuausrichtung zum Erfolg führen.

Hamburg – Noch vor einigen Wochen hatte Charles Fränkl auf einem Pressetermin die neue Strategie von AOL verteidigt. Das Zugangsgeschäft solle verkauft werden und AOL sich sowohl auf das Geschäft mit als auch rund um das Portal kümmern. Nicht nur in Deutschland ist das so, auch in Großbritannien und Frankreich.

Nun, einige Wochen später, ist das Zugangsgeschäft längst an Hansenet verkauft und Charles Fränkl hat seinen Schwerpunkt verlagert. Der gebürtige Schweizer soll nun die Geschäftskundensparte bei Hansenet aufbauen. Seinen Posten bei AOL Deutschland übernimmt Torsten Ahlers, der seit 2004 für AOL tätig ist - zuletzt für den Bereich Portal.

Es sei abzusehen gewesen, dass Fränkl nicht bei AOL bleiben würde, denn er habe sich schwerpunktmäßig um das Zugangsgeschäft gekümmert, meint ein Branchenkenner. Ahlers freut sich derweil über seinen neuen Posten. Doch wird er beweisen müssen, ob er AOL.de auch abseits von den Dienstleistungen für Hansenet zum Erfolg führen kann. Immerhin ist die Konkurrenz hierzulande mit beispielsweise T-Online, Web.de, Yahoo  und MSN groß.

"Wir haben ein wunderschönes Jahr hinter uns", sagte Ahlers im Gespräch mit manager-magazin.de. Die Werbeeinnahmen seien über 40 Prozent gewachsen. So soll es natürlich weitergehen.

Alice-Arena statt AOL-Arena?

Für Hansenet wird der deutsche AOL-Ableger das Portal stellen, vermarkten und weiterentwickeln. Medienpartnerschaften, die AOL ursprünglich für die eigene Website einging, finden auch beim neuen Hansenet-Portal Eingang, das im ersten Halbjahr 2007 live gehen soll. AOL selber wolle vor allem in den Bereichen Videos, Spiele und Bilder eigenen Content entwickeln, sagte Ahlers. Andere Inhalte werden eingekauft.

Kurz vor dem Start steht zudem ein AOL-Portal für Österreich. Auch die Schweiz könnte eine eigene Website erhalten, spekulieren Branchenkenner. Darüber hinaus sind Web-2.0-Angebote geplant. Auch will das Unternehmen seine Rolle als Vermarkter stärken. Neben Hansenet und dem eigenen Portal hat AOL mehrere Websites von Bundesligaklubs im Portfolio. Weitere Internetseiten sollen hinzukommen. "Jedoch", schränkt Ahlers ein, "wollen wir uns erstmal auf unseren Hauptkunden konzentrieren, bevor wir zur weiteren Akquise übergehen."

Um den erwarteten Stellenabbau kommt der Manager nicht herum. Von den nach dem Verkauf des Zugangsgeschäfts verbliebenen 250 Mitarbeitern sollen wahrscheinlich mehr als die Hälfte gehen. Bis zu 140 Stellen könnten laut Medienberichten gestrichen werden. Wie viele Arbeitsplätze genau wegfallen, stehe noch nicht ganz fest, sagte Ahlers. Es werde noch der genaue Stellenbedarf geprüft. Hintergrund ist unter anderem, dass bestimmte Verwaltungsfunktionen auf Europa-Ebene oder in der Konzernzentrale in den USA gebündelt werden sollen.

Ob AOL übrigens seinen Sponsoringvertrag mit der Hamburger HSV-Fußballarena beibehalten wird, ist derzeit noch unklar. In Fachmagazinen war bereits zu lesen, AOL habe eine Option auf die exklusiven Gespräche für eine Verlängerung des Namensrechts an der AOL-Arena nicht gezogen. Ahlers will sich dazu nicht äußern. Insider munkeln jedoch, dass statt des AOL-Logos demnächst Hansenets Werbefigur Alice über dem Spielfeld des Bundesligaklubs prangen könnte.