Medien Klickbringer Google News

Der Wettbewerb der britischen Tageszeitungen, die seit jeher erbittert um jeden Leser kämpfen, hat durch Google eine neue Dimension angenommen. Über bezahlte Links bei Google News können die Blätter zusätzliche Nutzer auf ihre Seiten locken.

London - Tageszeitungen könnten bei Google  Stichwörter kaufen, um auf der Ergebnisliste der Suchmaschine nach oben zu gelangen. Das berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ).

Demnach kaufte beispielsweise der "Daily Telegraph" die Stichworte "Nordkorea Atomtest", nachdem das Land im vergangenen Oktober Nukleartests durchgeführt hatte. Wer die Begriffe zu diesem Zeitpunkt bei Google suchte, stieß in der Anzeigenspalte der Suchmaschine auf einen Link der "Daily-Telegraph"-Webseite, der den Leser auf den entsprechenden Artikel führte.

Außerdem verändern viele Tageszeitungen ihren Internetauftritt so, dass die Artikel bei dem Nachrichtenportal Google News verlinkt werden. Damit die Texte dort erscheinen, kodiert beispielsweise die "Times of London" ihre Webseite. Ihr schärfster Konkurrent, der "Daily Telegraph", hält mit Beratern dagegen, die von dem Blatt eigens für die Verbesserung der Google-News-Platzierung engagiert wurden.

Dieser Aufwand sei vor allem ein Versuch der britischen Tageszeitungen, mehr amerikanische Leser anzuziehen, berichtet das "WSJ" weiter. Rund fünf der insgesamt 13,8 Millionen Onlineleser des "Guardian" kämen beispielsweise aus den USA. Durch die amerikanischen User würden mehr Anzeigenkunden akquiriert. Besonders internationale Luxusmarken und britische Reiseveranstalter werben gern um die potenziellen Kunden in den USA.

Die Suchmaschine als Lesermagnet

"Abgesehen von den Stammnutzern ist Google unser größter Lesermagnet", berichtete Edward Roussel vom "Daily Telegraph" dem "WSJ". Daneben spiele es eine große Rolle, seine Marke zu exportieren, besonders in die USA.

Google-Sprecher D.J. Collins rechtfertigt gegenüber dem "WSJ" die Praxis seines Unternehmens, die User durch bezahlte Anzeigen auf bestimmte Artikel zu locken. "Unsere bezahlten Links sind deutlich gekennzeichnet und die User finden die Werbung nützlich, weil sie direkt auf das verweist, wonach der Leser sucht", sagte Collins dem Blatt.

Um Suchbegriffe zu kaufen, zahlen die Zeitungen dem "WSJ" zufolge mindestens zehn Pence an Google - und zwar jedes Mal, wenn der Link angeklickt wird. Da das Unternehmen die Suchbegriffe versteigert, kann der Preis je nach Nachfrage aber auch mehr als einen Pfund pro Klick betragen.

Bei der "Times of London" hat die Google-Manie derweil Auswirkungen auf die tägliche Arbeit der Redakteure. Demnach werden die Mitarbeiter geschult, so zu schreiben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Artikel ganz oben unter den unbezahlten Suchergebnissen auftaucht, höher wird.

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