Portale Rahmen für virtuelle Geschäftsmodelle

Unternehmen müssen heute den Spagat zwischen langfristiger IT-Strategie und kurzfristigem Tagesgeschäft schaffen. Sogenannte Business Integration Portale bilden dafür einen beliebig verstellbaren Rahmen, der neue Geschäftsmodelle forciert.
Von Hinrich Boog, Nilüfer Caliskan, Steffen Fischer und Herbert Sanders

Werden beim Konzipieren, Implementieren und Umsetzen eines Portals die wesentlichen Geschäftskomponenten berücksichtigt, so garantiert dies Effizienz- und Produktivitätssteigerungen. Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen sind die Folge.

Die heutige Marktsituation stellt für Unternehmen mehr denn je eine Herausforderung dar, da das Umfeld durch Globalisierung und sich änderndes Kundenverhalten rasant wechselt. Dies resultiert unter anderem in kürzeren Produktzyklen, ständigem Kostendruck und einer immer schwieriger werdenden Differenzierung vom Wettbewerb.

Der Chief Information Officer (CIO) steht dadurch vor der Herausforderung, eine geeignete Vision für die zukünftige IT-Infrastruktur zu finden, Programme und Projekte zu deren Umsetzung zu initiieren und dabei gleichzeitig das Tagesgeschäft und die kurzfristige Profitabilität zu optimieren.

Business Integration Portale leisten hier einen ganz entscheidenden Beitrag. Durch eine serviceorientierte Integration kann ein flexibel erweiterbarer Prozessrahmen für neue Geschäftsmodelle und -chancen etabliert werden. Die Umsetzung kann mit einem Business Integration Portal schnell erfolgen, da alle Mitarbeiter zeit- und ortsunabhängig mit den Informationen und Werkzeugen des Unternehmens versorgt werden können.

Ein Rückblick auf die Entwicklung von Webanwendungen in den letzten fünf bis zehn Jahren zeigt, dass eine Vielzahl von Anwendungen entstanden ist, die für sich betrachtet jeweils Teilprozesse der Unternehmen abbilden. Diese Anwendungen sind größtenteils nicht miteinander vernetzt – besonders wenn man Prozesse betrachtet, die über Unternehmensgrenzen hinausgehen.

Die Integration der Anwendungen entlang der Wertschöpfungskette wurde traditionell mit einem applikationsgetriebenen Ansatz realisiert. Anwendungen wurden über entsprechende Drehscheiben miteinander verbunden. Single-Sign-On, Enterprise Application Integration (EAI) und Middleware galten dabei als allgemein geläufige Integrationslösungen.

Entstehung neuer Geschäftsmodelle

Entstehung neuer Geschäftsmodelle

Business Integration Portale gehen einen Schritt weiter. Integration wird hier eine Ebene höher betrachtet, auf der Prozessebene. Der entscheidende Vorteil gegenüber einem applikationsgetriebenen Ansatz ist, dass die Prozesse sich wesentlich schneller miteinander verbinden lassen.

In einem idealen Umfeld sind die Prozesse mit relativ feingranularen Diensten für den Endbenutzer versehen – wir sprechen hier von Interaction Services –, die in einem Business Integration Portal verknüpft werden. Hierbei ist es für den Endbenutzer irrelevant, wer diese Dienste zur Verfügung stellt – sei es das Unternehmen selbst oder ein Partnerunternehmen entlang der Wertschöpfungskette.

Serviceorientierte Architekturen (SOA) sind ein heute viel diskutierter Ansatz für das Design, die Entwicklung und die Zusammenführung von Software – und ein bedeutender Grundstein wichtiger Business Initiativen mit hoher Flexibilität. Business Integration Portale sind die ideale Ergänzung zu SOA. Interaction Services des Business Integration Portals stehen sozusagen eine Ebene über den Geschäftsprozessen, die wiederum über Dienste im Sinne einer SOA realisiert werden.

Erhebliche Kosteneinsparungen

Ein Business Integration Portal forciert neue Geschäftsmodelle. Ein Unternehmen kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und konsequent umsatzrelevante Dienste anderer Anbieter integrieren, um dadurch wiederum einen Mehrwert für seine Kunden zu schaffen. So entsteht für das Unternehmen ein innovativer und erweiterbarer Rahmen mit essenziellem Geschäftspotenzial.

Auch auf der IT-Seite unterstützt ein Vorgehen auf Basis etablierter Standards eine Konsolidierung bestehender (Web-) Anwendungen mit den darin abgebildeten Prozessen und trägt so erheblich zu Kosteneinsparungen bei. Durch die konsequente Serviceorientierung und stark feingranular geprägte Vorgehensweise werden Interaction Services als kleine, handhabbare Einheiten aufgefasst. Hierdurch entsteht eine Modularisierung der Anwendungsentwicklung, die ihrerseits wiederum großen Einfluss auf Aspekte wie Time-to-Market und Risikominimierung beim Betrieb hat.

Wichtige Schritte auf der Roadmap

Wichtige Schritte auf der Roadmap

Die Portalevolution hat verschiedene Stadien durchlaufen. Bestand am Anfang der Reiz darin, einen einheitlichen Zugang zu Informationen und Daten bereitzustellen, so gehören heute Transaktion und Kollaboration selbstverständlich zu einem ganzheitlichen Portalansatz.

Das Zerlegen des Geschäfts in Komponenten und deren Abbildung durch die IT bieten die Chance einer prozessorientierten Bündelung von aufeinander abgestimmten modularen Applikationsbausteinen; kurz: Parallelisieren von Business und IT. Geschäftsprozesse werden in einem Portal nicht nur berücksichtigt und abgebildet, sondern sind vielmehr Basis von Portalen und steuern und kontrollieren diese.

Wie bereits erwähnt, ist es heute für das Management entscheidend, schnelle, flexible und effektive Veränderungen des Marktes zu initiieren oder auf solche reagieren zu können. Die Integration von Partnern, Zulieferern, Kunden und Mitarbeitern in ein einheitliches virtuelles Unternehmen wird immer wichtiger.

Höhere Auslastung aller IT-Ressourcen

Das stellt Anforderungen an die Geschäftskomponenten und Prozesse, die die Organisation beeinflussen und mit allen Dimensionen der IT in Wechselwirkung stehen. Ein Business Integration Portal bietet ideale Voraussetzungen diesen für das zukünftige Geschäft wichtigen Aspekt bestmöglich zu unterstützen. Darüber hinaus werden Kosten transparent. Somit unterstützen solche Geschäftsportale den Schritt zu einer höheren Auslastung aller IT-Ressourcen, kurz: IT-Utilisation.

Portale erlauben einen schnellen Zugriff auf Anwendungen und Informationen und vernetzen Experten. Gerade wissensintensive Industrien müssen zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit ständig ihre Produktivität erhöhen. Hier können Portale neuen Mitarbeitern großen Nutzen bringen und die Lernkurve positiv beeinflussen, da der Zugang zu den richtigen Applikationen und erlaubten Informationen über den gleichen Portalzugriff aufgabenorientiert sichergestellt wird.

Unter Berücksichtigung der vielfältigen und miteinander verzahnten Aspekte eines Geschäftsportals lassen sich Business Integration Portale abschließend wie folgt beschreiben: Ein Business Integration Portal ermöglicht jeder autorisierten Person, zu jedem Zeitpunkt von jedem Ort mit einem geeigneten Gerät und unter einer einheitlichen Oberfläche auf aktuell benötigte Informationen zuzugreifen und notwendige Transaktionen kostengünstig durchzuführen.

Mehr lesen über