BenQ Investorengruppe pokert hoch

Ein Krisengespräch zur Rettung des insolventen Handy-Herstellers BenQ im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium hat am Montag noch kein Durchbruch gebracht. Die Investorengruppe um den ehemaligen Daimler-Manager Hansjörg Beha will 800 Arbeitsplätze erhalten - die Löhne für die Mitarbeiter sollen jedoch andere zahlen.

Düsseldorf - Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben kündigte nach dem dreistündigen Treffen an, die Landesregierung werde die von einer deutsch-amerikanischen Investorengruppe vorstellten Geschäftsmodelle und mögliche Finanzhilfen des Landes nun sehr sorgfältig prüfen.

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen wollen die Investoren, bei denen es sich um wohlhabende Deutsche und Amerikaner handelt, insgesamt 800 Arbeitsplätze in München und Kamp-Lintfort erhalten. Geplant sei die Fertigung von Handys und die Herstellung von Eigenmarken für unterschiedliche Marktsegmente.

Allerdings fordern die Investoren als Voraussetzung für ihren Einstieg öffentliche Fördermittel in Millionenhöhe und hoffen offenbar auch auf Zahlungen von Siemens. Hier klaffe noch eine erhebliche Lücke zwischen den Forderungen der Investoren und dem rechtlich Möglichen, sagte ein leitender Mitarbeiter des Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums.

Dabei geht es unter anderem um die kostenlose Beschäftigung von 800 ehemaligen BenQ-Mitarbeitern, die in eine Qualifizierungsgesellschaft gewechselt sind. Außerdem forderten die Investoren den Angaben zufolge, die Namensrechte der insolventen Handyfirma in den USA weiternutzen zu können.

Betriebsrat hält Modell für interessant

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von BenQ, Michael Leucker, betonte dennoch: "Das Geschäftsmodell ist hochinteressant. Ich hoffe, dass wir diese Wochen noch eine Lösung bekommen." Allerdings gebe es viel zu wenig Bewegung von allen Beteiligten, deshalb seien weitere Gespräche notwendig.

Matthias Jena von der IG Metall Bayern sagte, die Gespräche eröffneten eine kleine Hoffnung. Doch werde es umso schwieriger eine Lösung zu finden, je mehr Zeit vergehe. Der Vertreter der Investorengruppe, Hansjörg Beha, und Insolvenzverwalter Martin Prager lehnten nach dem Ende der Gespräche eine Stellungnahme zum Ergebnis der Verhandlungen ab.

Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber kündigte an, dass sich der Freistaat an den Beratungen für Nachfolgelösungen konstruktiv beteiligen werde: "Dabei geht es auch um die Erhaltung von Arbeitsplätzen im Forschungsbereich am Standort München." Weitere Gesprächstermine wurden zunächst nicht vereinbart. Die Verhandlungen sollen nun auf Arbeitsebene fortgesetzt werden. Bereits am Dienstag tagt in München der BenQ-Gläubigerausschuss.

Mit Beginn des neuen Jahres hatte Prager das förmliche Insolvenzverfahren eröffnet. Zuvor hatte er sich wochenlang ohne Erfolg um Investoren bemüht. BenQ Mobile hatte im September Insolvenz angemeldet, nachdem die Muttergesellschaft in Taiwan ihre Zahlungen eingestellt hatte. Sie hatte den Handyhersteller ein Jahr zuvor von Siemens übernommen.

manager-magazin.de mit Material von vwd

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