Hutchison Essar Vodafone auf der Zielgeraden

Die Mobilfunkbranche schaut dieser Tage nach Indien. Angelockt von enormen Wachstumschancen liefern sich mehrere Konzerne eine Übernahmeschlacht um die indische Nummer vier, Hutchison Essar. Die größten Chancen werden Weltmarktführer Vodafone eingeräumt, der offenbar bis zu 19 Milliarden Dollar für den Mobilfunker zahlen will.

Neu-Delhi/Hongkong - Der Mischkonzern Hutchison Whampoa  hat offenbar Vodafone  als bevorzugten Bieter für seinen indischen Mobilfunker Hutchison Essar ausgewählt. Das britische Unternehmen werde zum Wochenbeginn mit der Prüfung der Bücher beginnen, berichtete die "Financial Times" (Montagausgabe). Anderen sei dieser Schritt versagt worden.

Ein Mitarbeiter des indischen Telekom-Ministeriums erklärte, Vodafone-Vertreter seien bereits in der vergangenen Woche mit Mitarbeitern des Ministeriums zusammengekommen. Telekom-Minister Dayanidhi Maran habe an dem Treffen jedoch nicht teilgenommen. Er soll indischen Zeitungen zufolge noch in dieser Woche Vodafone-Vertreter treffen. Es wird davon ausgegangen, dass der Mobilfunker 18 bis 19 Milliarden Dollar für Hutchison Essar bieten könnte.

Sollte Vodafone Hutchison Essar übernehmen wollen, müsste das Unternehmen nach Einschätzung von Beobachtern auch mit den Eignern der indischen Nummer eins, Bharti Airtel, sprechen. Der britische Mobilfunker hatte im Oktober 2005 für 1,5 Milliarden Dollar einen 10-prozentigen Anteil an Bharti Airtel gekauft. Vodafone hatte bei Vertragsabschluss einem einjährigen Wettbewerbsverbot zugestimmt, sollte das Unternehmen aus dem Vertrag wieder aussteigen wollen.

An Hutchison Essar sind auch die Hinduja-Gruppe, die Essar-Gruppe und Reliance Communications  interessiert. Der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber Indiens versucht offenbar mithilfe von vier Private-Equity-Investoren den Übernahmekampf um die Nummer vier im Lande zu gewinnen. Wie eine mit der Situation vertraute Person sagte, wird Reliance gemeinsam mit Blackstone, Apax Partners, Carlyle und Kohlberg Kravis Roberts & Co.  bieten.

Mehrheit der Inder ohne Handy

Mehrheit der Inder ohne Handy

Die vier Finanzinvestoren wollen den Angaben zufolge im Falle einer erfolgreichen Übernahme durch Reliance 12 bis 15 Prozent an Hutchison Essar übernehmen und dafür 1,5 Milliarden bis 2 Milliarden Dollar investieren. Reliance selbst will Zeitungsberichten zufolge rund 17 Milliarden Dollar (etwa 13 Milliarden Euro) für den indischen Mobilfunker bezahlen.

Bereits Ende Dezember hatte Reliance-Chairman Anil Ambani mitgeteilt, dass sich sein Unternehmen die Unterstützung von Banken und Private-Equity-Unternehmen gesichert hat. Wie die mit der Situation vertraute Person nun sagte, soll es sich dabei um Bankfinanzierungen zwischen 12 Milliarden und 15 Milliarden Dollar handeln.

Hutchison Essar gehört zu 67 Prozent dem Mischkonzern Hutchison Whampoa. Den Rest der Anteile hält das Öl- und Gaskonglomerat Essar, das sich ebenfalls für die vollständige Übernahme interessiert.

Dem erfolgreichen Käufer winkt in den kommenden Jahren ein kräftiges Wachstum: Bislang haben nur 12 Prozent der Inder ein Handy. In zwei Jahren dürften es schon doppelt so viele sein, in vier Jahren drei mal so viele.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters und vwd

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