BenQ Mobile Investoren zeigen Interesse

Für BenQ Mobile gibt es einen letzten Hoffnungsschimmer. Eine deutsch-amerikanische Investorengruppe hat Interesse am zahlungsunfähigen Handyproduzenten signalisiert - und Insolvenzverwalter Martin Prager harsch kritisiert. Arbeitnehmervertreter reagieren bislang zurückhaltend.

München - Eine deutsch-amerikanische Investorengruppe hat offiziell Interesse an einer Übernahme des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile bekundet. Die Gruppe sei am gesamten Geschäft interessiert und wolle in Deutschland weiter Mobiltelefone mit zunächst etwa 800 Beschäftigten produzieren, teilte ein Münchner Rechtsanwalt am Donnerstag im Auftrag der Gruppe mit. Es sei unverständlich, warum Insolvenzverwalter Martin Prager erklärt habe, es seien keine Kaufangebote bei ihm eingegangen.

Als Vertreter der Investorengruppe habe der Münchener Anwalt Andreas Kloyer dem BenQ-Insolvenzverwalter am vergangenen Dienstag ein Angebot gemacht, heißt es in einem Schreiben Kloyers. Das Angebot beinhalte konkrete Kaufpreisvorstellungen und detaillierte Angaben zu den Punkten, die aus Sicht des Konsortiums für eine Übernahme noch zu klären seien.

Eine Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager dementierte, dass es ein konkretes Angebot gebe. "Es liegt uns eine Interessensbekundung vor, aber kein Angebot", sagte sie. "Das kann die Basis von Verhandlungen sein, ist aber nicht das Ergebnis von Verhandlungen."

Die Investorengruppe will nach Angaben des Anwalts Entwicklung und Produktion der früheren Siemens-Handysparte fortführen und zielt mit den Produkten auf den amerikanischen Markt ab. "Aufgrund der erstklassigen Verbindungen und Funktionen, die Mitglieder des Konsortiums in US-amerikanischen Telekommunikations-, IT-, und Software-Unternehmen bekleiden, sieht die Planung des Konsortiums insbesondere die massive Ausweitung des US-Vertriebs und die nachhaltige Verankerung der Produkte auf dem US-Markt vor", hieß es.

"Verweigerungshaltung" des Insolvenzverwalters

"Verweigerungshaltung" des Insolvenzverwalters

Entscheidend für die Umsetzung des Konzept sei allerdings noch die Unterstützung der Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie der Beschäftigungsfirmen, bei denen rund 2500 der ehemals 3000 BenQ-Mitarbeiter seit dem Jahreswechsel angestellt sind. Von Zulieferbetrieben habe das Konsortium bereits Unterstützung für seine Pläne signalisiert bekommen.

Kloyer greift in dem Schreiben Insolvenzverwalter Prager massiv an. Trotz dessen Dementi gebe es ein Zukunftskonzept und ein konkretes Angebot. "Es entzieht sich vor diesem Hintergrund unserer Vorstellungskraft, welche Gründe die Insolvenzverwaltung veranlassen, das Angebot unserer Mandanten schlicht zu ignorieren." Pragers Informationspolitik grenze an "Verweigerungshaltung", hieß es.

Die IG Metall bewertete den Vorstoß zurückhaltend. "Es ist ein Silberstreif am Horizont. Aber wir kennen weder das Finanzierungs- noch das Geschäftsmodell", sagte ein Gewerkschaftssprecher. "Klar ist aber, dass die Fortführung des Geschäftsbetriebs mit möglichst vielen Arbeitsplätzen Vorrang vor allen anderen Modellen hat."

BenQ Mobile ist seit Ende September zahlungsunfähig, nachdem die taiwanische Konzernmutter BenQ  ein Jahr nach der Übernahme des Geschäfts von Siemens  der verlustträchtigen Tochter den Geldhahn zugedreht hatte. Seit dem 1. Januar ist das Insolvenzverfahren über BenQ Mobile eröffnet. Prager muss nun das weitgehend stillgelegte Betriebsvermögen im Sinn der Gläubiger zu Geld machen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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