Dresden Millionen für "Silicon Saxony"

Das britische Technologieunternehmen Plastic Logic will in Dresden ein Werk zur Herstellung flexibler Kunststoffdisplays bauen. Die Gesellschaft hat dafür 100 Millionen Dollar von Wagniskapitalgebern eingesammelt. Sachsen festigt damit seinen Ruf als "Silicon Saxony".

Dresden/Cambridge - Das Geld solle komplett in den Aufbau der Fabrik fließen, die 2008 den Betrieb aufnehmen soll, teilte das Unternehmen mit. Es sei das erste Werk, in dem Chips auf Kunststoffbasis im kommerziellen Maßstab hergestellt würden. Plastic Logic wolle in Dresden 140 Beschäftigte einstellen. Nach einem unbestätigten Bericht der "Sächsischen Zeitung" sollen es bis zu 300 neue Jobs sein. Die Gesellschaft, die im Jahr 2000 aus der Universität Cambridge ausgegründet worden war, beschäftigt bisher rund 60 Mitarbeiter.

Finanziert wird die Investition hauptsächlich von den Risikokapitalgebern Oak Investment Partners und Tudor Investment. Mittel kommen auch von Amadeus Capital Partners, Intel Capital, der Bank of America , Merifin Capital, Quest for Growth und BASF Venture Capital, die sich alle bereits an früheren Finanzierungsrunden bei Plastic Logic beteiligt hatten.

BASF  wollte sich zu der Höhe des Engagements nicht äußern. Der Ludwigshafener Chemiekonzern hatte Ende 2005 eine Million Pfund (rund 1,48 Millionen Euro) in Plastic Logic investiert.

In dem Werk in Dresden will Plastic Logic Displaymodule für mobile Lesegeräte herstellen. Anfangs sollen mehr als eine Million Bildschirmmodule im Jahr produziert werden. Plastic Logic habe sich für Dresden - wegen der Konzentration auf die Chipproduktion auch "Silicon Saxony" genannt - nach einem weltweiten Standortwettbewerb entschieden.

Günstiger als Siliziumtechnolgie

Das britische Unternehmen hat sich auf Halbleiterelektronik auf Kunststoffbasis spezialisiert. Dabei werden elektronische Kreisläufe auf dünne, bewegliche Plastikträger gedruckt, die unter anderem in beweglichen Displays und Sensoren zum Einsatz kommen. Das Verfahren soll die Herstellungskosten gegenüber der herkömmlichen Siliziumtechnologie deutlich verringern.

Auch das US-Unternehmen AMD  sowie Infineon  stellen in Dresden Halbleiter her. Die Landesregierung begrüßte den Bau der neuen Fabrik. Die Investitionsentscheidung zeige, "dass der Mikroelektronikstandort Sachsen weltweit in der ersten Liga mitspielt", erklärte Wirtschafts- und Arbeitsminister Thomas Jurk (SPD). Es sei die weltweit erste Produktionsstätte auf diesem Gebiet.

Neben den 140 neuen Stellen bei Plastic Logic verspricht sich das Land durch Lieferantenverträge weitere Arbeitsplätze im Umfeld. In Dresden werden nach Angaben des Ministeriums 2007 mehr als 9000 Menschen in der Chipindustrie beschäftigt sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters