Deutsche Telekom Exodus in der Vorstandsetage?

Nach dem Rücktritt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke steht offenbar der gesamte Vorstand vor einem Umbau. Vor allem T-Com-Vorsteher Walter Raizner muss um seinen Posten bangen.

Hamburg - Besonders gefährdet sei der Chef der Festnetzsparte T-Com, Walter Raizner, berichtet "Die Welt" (Montagausgabe). Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD, Montagausgabe) sollen sich Headhunter bereits auf der Suche nach einem neuen Job für den T-Com-Chef befinden.

Die Festnetzsparte ist das Problemkind der Deutschen Telekom . Allein in diesem Jahr verlor der Geschäftsbereich über 1,5 Millionen Kunden, im vergangenen Quartal sank der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 7,3 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.

Um die kriselnde Sparte wieder auf Kurs zu bringen, schränkte Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke bereits Ende Oktober die Macht von Raizner erheblich ein: T-Com-Vorstand Achim Berg wechselte zu T-Mobile und soll sich dort auf das Zusammenwachsen der Verkaufsorganisationen für Privatkunden konzentrieren. Durch diese Umstrukturierung muss sich Raizner künftig in Vertriebsfragen eng mit dem bisherigen T-Mobile-Chef René Obermann abstimmen.

Nach Informationen von manager-magazin.de wollten Ricke und Obermann sogar noch einen Schritt weitergehen und den gesamten Konzernvertrieb zusammenlegen. Neuer Aufseher über T-Punkte, Handel, Onlinevertrieb und Direktvermarktung sollte der T-Mobile-Chef werden. Nach dem Wechsel von Obermann an die Spitze des Konzerns ist diese Umstrukturierung wahrscheinlicher denn je.

Pauly mit Freundschaftsbonus

Pauly mit Freundschaftsbonus

Doch nicht nur der Vorstandsposten von Raizner könnte demnächst neu besetzt werden. Auch für den Bereich Personal muss sich die Telekom der "FTD" zufolge bald nach einem Nachfolger umschauen. Der langjährige Personalvorstand Heinz Klinkhammer sei amtsmüde und wolle demnächst seinen Hut nehmen, schreibt das Blatt. Als Nachfolger werde bereits Dietmar Welslau, Personalchef von T-Com und Geschäftsführer der Telekom-Auffanggeschellschaft Vivento, gehandelt.

Darüber hinaus endet im November 2007 die zweite Amtszeit von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Der Manager hat offenbar wenig Interesse, seinen Vertrag bei der Telekom zu verlängern. Eick wolle vielmehr selbst zum CEO aufsteigen, was ihm bei der Telekom nun verwehrt bleibe, berichtet die "FTD". Der Finanzvorstand sei bereits beim Industriekonzern Haniel für den Chefposten im Gespräch gewesen.

Nicht zuletzt braucht die Telekom natürlich einen Nachfolger für T-Mobile-Chef Obermann, der für Ricke an die Konzernspitze wechseln soll. Hier habe Thomas Geitner gute Chancen, der Innovationsvorstand von Vodafone , schreibt die Zeitung. Geitner muss Vodafone Ende Dezember verlassen, weil sein Bereich aufgelöst wird.

Keine Sorgen muss sich dagegen wohl T-Systems-Chef Lothar Pauly machen, obwohl auch sein Geschäftsbereich mit argen Problemen zu kämpfen hat. Doch der Leiter der Geschäftskundensparte gilt als enger Vertrauter von Obermann, sodass sein Job nicht zur Disposition steht.

manager-magazin.de

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