ProSiebenSat.1 Angst vor Berlusconi

Mit dem italienischen Fernsehkonzern Mediaset von Silvio Berlusconi hat nun das erste Unternehmen offiziell sein Begehr an der deutschen Sendergruppe ProSiebenSat.1 bekundet. Der Konzern will ein unverbindliches Interesse anmelden. Bei deutschen Politikern regt sich Widerstand.

Rom - Italiens größter privater Medienkonzern Mediaset  hat nun auch offiziell sein Interesse an der deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe  angemeldet. Das teilte die von der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Mediaset-Gruppe am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Ein möglicher Deal mit der deutschen Senderkette wäre für Berlusconi der erste Schritt auf einen Auslandsmarkt seit der Übernahme eines Mehrheitsanteils an der spanischen Fernsehstation Telecinco.

Jetziger Mehrheitseigner von ProSiebenSat.1 ist eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban. Diese Investorengruppe hatte möglichen Kaufinteressenten eine Frist bis zum Dienstag um Mitternacht für unverbindliche Kaufangebote genannt. Nach Angaben von Mediaset waren Saban und seine Partner über eine Bank an das italienische Unternehmen herangetreten, sich unverbindlich an einem Auktionsverfahren zu beteiligen.

"Wenn ein Zug vorbei fährt, muss man sich ihn anschauen", sagte Mediaset-Finanzchef Marco Giordani gegenüber Analysten. Wichtig sei jedoch, dass sich Synergien ergäben. Ohne diese sei ein Engagement der Italiener im Ausland nur schwer vorstellbar. Mediaset ist mit Telecinco bereits in Spanien aktiv. Analysten sind skeptisch, dass der Berlusconi-Konzern durch den Kauf der deutschen Sendergruppe einen Mehrwert generieren könnte. Sie rechnen zudem damit, dass die Offerte der Italiener in Deutschland auf politischen Widerstand trifft.

Neben Mediaset haben laut Presseberichten aber noch weitere Interessenten gezeigt, darunter die Finanzinvestoren Kolbert Kravis Roberts (KKR) und Permira sowie General Electric , Apax und Blackstone. Auch der französische Fernsehsender TF1 und Goldman Sachs  werden immer wieder ins Spiel gebracht.

Politiker skeptisch gegenüber Berlusconi

Politiker skeptisch gegenüber Berlusconi

Gegen eine Übernahme des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 durch das Berlusconi-Medienimperium regt sich derweil in Reihen der Politik Widerstand. "Mein Vertrauen in den Mediaset-Konzern ist sehr begrenzt", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend dem "Handelsblatt". Das Vorhaben der Italiener sei aus kartellrechtlicher Sicht "leider unproblematisch", so Wend weiter. "Ich würde mir wünschen, dass sich eine andere Lösung findet."

Auch Unionspolitiker zeigten sich besorgt. "Wir betrachten die Bemühungen des italienischen Medienunternehmens Mediaset, den Fernsehsender ProSiebenSat.1 zu übernehmen, mit Sorge", teilten die Unions-Medienexperten Wolfgang Börnsen und Reinhard Grindel am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung in Berlin mit.

Es müsse im Interesse aller medienpolitisch Verantwortlichen sein, "dass auch bei privaten Fernsehanbietern ein Mindestmaß an qualitativ guten und politisch unabhängigen Programmen gewährleistet ist", erklärten die CDU-Politiker. Der SPD-Vorschlag, ausländischen Medienunternehmen nur eine Minderheitsbeteiligung zuzugestehen, werde jedoch in der EU auf wettbewerbsrechtliche Bedenken stoßen.

Die Unionsexperten forderten deshalb mit Blick auf die im Januar gescheiterte Übernahme des Fernsehkonzerns durch Springer die kartellrechtlichen Bestimmungen zu lockern und dem Standard der EU anzupassen: "Grundsätzlich sind wir dafür, dass Fernsehprogramme eher aus Berlin, Köln, München oder Hamburg als aus Mailand, London oder Los Angeles gesteuert werden", erklärten Börnsen und Grindel.

Vor vier Jahren, als der Kirch-Konzern im Zuge der Insolvenz aufgespalten wurde, hatte der damalige deutsche Regierungschef Gerhard Schröder (SPD) seinen Kollegen Berlusconi davor gewarnt, den Medienkonzern Kirch zu kaufen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters