Mobilcom/Freenet Gewinneinbruch

Eckhard Spoerr, Doppelchef von Mobilcom und Freenet, gerät weiter unter Druck. Neben dem nicht enden wollenden Fusionsgerangel gibt es jetzt auch noch Streit um einen vakanten Aufsichtsratsposten bei Mobilcom. Zudem muss Spoerr einen herben Gewinneinbruch bei Freenet vermelden.
Von Claus G. Schmalholz

Hamburg - Schon seit Monaten streitet Eckhard Spoerr, Doppelchef von Mobilcom  und Freenet , mit Aktionären um die Fusion der beiden Unternehmen. Nun ist zusätzlich ein Streit mit dem neuen Großaktionär Drillisch (Kurswerte anzeigen) um die Besetzung eines vakanten Aufsichtsratspostens bei dem Handyanbieter Mobilcom entbrannt.

Vor kurzem legte der Mobilfunkexperte Klaus Thiemann sein Aufsichtsratsmandat bei Mobilcom nieder, um einen Interessenskonflikt zu vermeiden. Thiemann wird Chef des Konkurrenzunternehmens Kabel Baden-Württemberg.

Spoerr und sein Großaktionär Texas Pacific Group (TPG) würden den Posten offenbar gern mit David Haines besetzen, dem Vorstandsvorsitzenden der Grohe AG. TPG und die Credit Suisse First Boston (CSFB) hatten Grohe 2004 für rund 1,5 Milliarden Euro übernommen.

Dieser Vorschlag missfällt dem anderen Großaktionär, der Drillisch AG, die seit kurzem 10,37 Prozent der Aktien des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters hält. Drillisch seinerseits will dem Vernehmen nach den Rechtsanwalt Volkmar Spielmann in das Aufsichtsgremium entsenden. Spielmann hält rund 14 Prozent der Drillisch-Aktien.

Abermals schlechte Quartalszahlen

Beide Parteien versuchen nun mit gerichtlicher Hilfe ihren Kandidaten durchzusetzen und beantragten beim Amtsgerichts Kiel dessen Eintragung. Eine Entscheidung darüber wird nach Angaben des Gerichts jedoch frühestens in zwei Wochen erfolgen.

Unterdessen gerät Spoerr weiter unter Druck. Er muss schlechte Nachrichten verkünden. Bei den am Mittwoch veröffentlichten Quartalszahlen der Freenet AG muss er abermals einen herben Gewinneinbruch vermelden.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sank im dritten Quartal um über 20 Prozent. Bereinigt um die Kosten für die Verschmelzung mit Mobilcom verringerte sich das Ebitda auf 22,1 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresergebnis von 32 Millionen Euro. Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum auf 167,9 Millionen Euro von 185,6 Millionen vor einem Jahr. Schon im ersten Halbjahr war das Ebitda-Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent gesunken.

Auch Mobilcom verbuchte im dritten Quartal einen Rückgang bei Umsatz und operativem Ergebnis. So sank der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von Juli bis September auf 32,5 Millionen Euro von 42,6 Millionen. Der Umsatz verringerte sich im gleichen Zeitraum auf 507 Millionen von 531 Millionen Euro zuvor.

Offen ist nach wie vor die Fusion beider Unternehmen. Zwar hat sich Spoerr mit dem Großteil der ursprünglich über zwei Dutzend Anfechtungskläger in außergerichtlichen Vergleichen geeinigt. Doch noch immer widersetzen sich zwei Mobilcom-Aktionäre der Fusion. Erst wenn es Spoerr gelingt, auch mit ihnen eine Einigung zu erzielen, kann die Verschmelzung beider Unternehmen zur Telunico erfolgen.

Verwandte Artikel