Handy-Auslandsgebühren EU drängelt weiter

Die EU-Kommission findet die Gebühren für Handy- Gespräche im Ausland weiter zu hoch und macht Druck auf die Mobilfunkanbieter. Zum Sommer 2007 sollen neue Regelungen greifen. Diese könnten sich gerade für Geschäftskunden auszahlen.

Brüssel - Gemeinsam mit dem Parlament und den EU-Staaten will die EU-Kommission möglichst bis zu den Sommerferien 2007 Regelungen durchsetzen, um die Roaming-Gebühren zu senken. Diese fallen an, wenn Kunden im Ausland angerufen werden oder von dort aus telefonieren. Die Anbieter berechnen sich weltweit gegenseitig die Kosten für die Nutzung der jeweiligen Netze.

Durchschnittlich sind im Ausland geführte Gespräche noch viermal so teuer wie ein vergleichbares Gespräch aus dem Heimatnetz. Die EU-Medienkommissarin Viviane Reding forderte die Anbieter auf, die Kosten bereits vor Verabschiedung der EU-Preisverordnung auf breiter Front zu senken. Derzeit müsse ein deutscher Handybesitzer in Großbritannien für ein vierminütiges Gespräch bis zu 6,36 Euro bezahlen. Einen Iren koste ein gleichlanger Anruf von Malta nach Hause sogar bis zu 13 Euro.

"Darunter leiden die Verbraucher, die Unternehmen, und darunter leidet Europa", sagte Reding. Trotz einer Reihe von neuen Tarifangeboten seien die Preise immer noch zu hoch, sagte die Kommissarin. Vor allem Normalverbraucher in Standardtarifen profitierten kaum. Von den neuen Regelungen werden laut Experten gerade Unternehmenskunden profitieren.

Rückendeckung gibt es auch von der Bevölkerung: Die Kommission befragte fast 25.000 Bürger in den 25 EU-Staaten. Mehr als zwei Drittel von ihnen erwarten, dass die Kommission niedrige Kosten für das Roaming durchsetzt. Vier von Fünf der Befragten besitzen ein Mobiltelefon.

Die Vorschläge sind bei den Mobilfunkunternehmen auf scharfe Kritik gestoßen. In den Beratungen der EU-Regierungen versuchen einige Länder derzeit, Redings Vorschläge aufzuweichen, um den Telefongesellschaften mehr Spielraum zu geben.

Preissenkung als Chance

Preissenkung als Chance

Die Kommissarin rief die Anbieter auf, Preissenkungen als Chance zu sehen. Vor allem jüngere Menschen hätten angegeben, ihr Handy im Ausland wegen der hohen Kosten weniger zu verwenden als zu Hause. Insgesamt hätten 59 Prozent aller Befragten erklärt, sie würden ihr Handy im Ausland mehr benutzen, wenn die Gesprächspreise niedriger wären.

In Vorberatungen der EU-Staaten hat sich Deutschland dafür ausgesprochen, dass Telefonkunden auf die EU-Obergrenzen für Roamingpreise verzichten können. Dies unterstützt die Kommission nach Angaben aus ihren Kreisen, wenn damit noch günstigere Paketpreise ermöglicht werden. Auf Kritik stoßen bei Redings Experten dagegen Überlegungen aus Frankreich und Großbritannien, den Unternehmen auch im Standardtarif mehr Spielraum bei den Preisen einzuräumen oder unter Umständen auf eine Regulierung der Endpreise zu verzichten.

Auf der Internetseite der Kommission können Verbraucher sich über die Kosten informieren. Für die deutschen Anbieter E-Plus, O2, T-Mobile und Vodafone wird aufgelistet, wie hoch die Roaming-Gebühren beispielsweise in beliebten Reiseländern der Deutsche wie Italien, Spanien und Griechenland ist.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters