PTC Vivendi verklagt Telekom in den USA

Der Streit um die Eigentumsrechte an dem polnischen Mobilfunkanbieter PTC findet kein Ende. Der französische Mischkonzern Vivendi zieht nun in den USA gegen die Deutsche Telekom und das polnische Unternehmen Elektrim vor Gericht. Die Vorwürfe lauten auf Betrug und Gaunerei. Die Telekom wirft Vivendi vor, eine "gezielte Fehlinformation der Öffentlichkeit" zu betreiben.

Paris - Der französische Mischkonzern Vivendi  gibt im Streit über die Eigentumsverhältnisse an dem polnischen Mobilfunkanbieter PTC nicht auf. Nachdem Vivendi Anfang Oktober mitteilte, in Polen eine Strafanzeige gegen die Deutschen Telekom  und den polnischen Versorger Elektrim einzureichen, verkündete das französische Unternehmen nun, ebenfalls im US-Bundesstaat Washington Beschwerde gegen die beiden Unternehmen eingelegt zu haben. Als Grundlage dafür diene das Rico-Gesetz (Racketeer Influcenced and Corrupt Organizations Act).

Die Vorwürfe lauten auf Betrug und Gaunerei. Die Telekom-Tochter T-Mobile habe sich den 2,5 Milliarden Dollar schweren Anteil von Vivendi an Polska Telefonia Cyfrowa (PTC) illegal angeeignet, so Vivendi. Die Klage richtet sich gegen T-Mobile USA, T-Mobile Deutschland, die Deutsche Telekom und den Aufsichtsratvorsitzenden und Mehrheitsaktionär von Elektrim, Zygmunt Solorz-Zak. Die Klage ist in Seattle eingereicht worden, wo die Telekom-Tochter T-Mobile USA ihren Sitz hat.

"T-Mobile und die Firma Elektrim von Herrn Solorz haben ihr 2,5-Milliarden-Investment in PTC illegal getätigt und sich über Gerichtsanweisungen hinweggesetzt", heißt es in der Erklärung. So fordert Vivendi-Vorstandschef-Chef Jean-Bernard Levy: "Gebt uns unser Geld zurück oder unsere PTC-Aktien."

Telekom: "Absurde und unzutreffende Anschuldigungen"

Die Telekom reagierte mit Unverständnis auf die Klage. Vivendi wolle den deutschen Konzern im Streit um die Kontrolle des polnischen Mobilfunkers PTC in Verruf bringen. Ein Sprecher des Bonner Konzerns sagte, die jüngste in den USA eingereichte Klage reihe sich ein in eine Vielzahl von Anschuldigungen, die ganz offensichtlich das Ziel hätten, die Telekom zu diskreditieren, weil sich Vivendi vor den Gerichten in Polen und Österreich sowie den zuständigen Schiedsgerichten nicht habe durchsetzen können. Die Telekom sei in der Vergangenheit von Vivendi wiederholt mit "absurden und unzutreffenden Anschuldigungen und Aussagen konfrontiert worden, die der Realität nicht standhielten".

Nach Ansicht der Telekom betreibt Vivendi eine "gezielte Fehlinformation der Öffentlichkeit". Das letzte Beispiel dafür sei eine Pressemitteilung vom 18. Oktober. Darin werde suggeriert, Vivendi habe ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht Wien in Sachen PTC gewonnen. Tatsächlich sei aber ganz im Gegenteil der Berufung der Telekom vollständig stattgegeben worden, betonte der Konzernsprecher.

Der lange Streit um die Mehrheit an PTC

Zum Hintergrund: Der deutsche Konzern streitet sich seit Jahren mit Vivendi über die Übernahme der PTC-Anteile. Anfang Oktober hatte die Telekom mitgeteilt, dass der Konzern einen 48-Prozent-Anteil an PTC von dem polnischen Unternehmen Elektrim übernommen habe. Dafür flossen Medienberichten zufolge 600 Millionen Euro. Ende September hatte Elektrim Insolvenz angemeldet.

Vivendi reklamiert dagegen den 48-Prozent-Anteil an PTC für sich, da die Beteiligung zuvor im Besitz der Holding Elektrim Telekomunikacja (ET) war, einem Gemeinschaftsunternehmen von Vivendi und der polnischen Elektrim, an dem Vivendi 51 Prozent und Elektrim 49 Prozent hält. Genau diese Übertragung bekämpft wiederum die Telekom mit juristischen Mitteln.

Seit 2004 haben österreichische und polnische Gerichte geurteilt, dass Elektrim seinen PTC-Anteil nicht in die Holding einbringen dürfe. Das Wiener Schiedsgericht hatte zuletzt im Sommer entschieden, dass die Telekom ihre Kaufoption auf den 48-prozentigen PTC-Anteil an Elektrim ausüben durfte, die das Unternehmen bereits gezogen hatte.

Vivendi steht jedoch weiterhin auf dem Standpunkt, dass die umstrittenen PTC-Anteile nicht Elektrim zuzuordnen sind. Anfang Oktober erklärte Vivendi, dass Elektrim angesichts der drohenden Insolvenz mit allen Gläubigern und damit auch mit Vivendi über die PTC-Anteile hätte verhandeln müssen.

manager-magazin.de mit Material von ap, reuters und dow jones

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