Fon-Community Internetzugang 2.0

Das Onlineunternehmen Fon will ein weltweites Netz aus frei zugänglichen W-Lan-Hotspots errichten. Jeder, der seinen Breitbandanschluss für andere öffnet, kann von der Freigiebigkeit der Community profitieren - und bekommt den DSL-Router geschenkt.

Hamburg - Ein "Alien" kann sich ein Tagesticket für "Fonera" kaufen, "Bill" macht Kasse und die meisten "Foneros" sind eigentlich "Linuse": Wer mit diesen Begriffen nichts anfangen kann, nutzt entweder kein mobiles Internet oder zahlt für das drahtlose UMTS mitunter horrende Preise.

Denn "Bill", "Linus" und "Alien" heißen die drei Nutzerarten bei Fon, einem Onlineunternehmen, das durch die gemeinsame Nutzung privater Hotspots den mobilen Internetzugang ermöglichen will - kostenlos und flächendeckend. Um ein solches Netzwerk zu schaffen, müssen sich möglichst viele Internetnutzer anschließen. Das ist kein leichtes Unterfangen in Zeiten, in denen die User mit Angeboten rund ums Internet überhäuft werden.

Deshalb geht Fon jetzt in die Offensive: In Deutschland und Österreich verschenkt das Unternehmen DSL-Router. Für dieses Bonbon verlangt Fon den neuen Mitgliedern allerdings ein Versprechen ab: Das Zugangsgerät mit dem Namen "Fonera" - nicht zu verwechseln mit den "Foneros", wie die Mitglieder der Community genannt werden - soll rund um die Uhr anderen Teilnehmern als Hotspot zugänglich gemacht werden.

Einmal angeschlossen, soll "Fonera" stets online bleiben. Es sendet zwei Wifi-Signale aus: Eines ist verschlüsselt und für die private Nutzung, das andere wird mit der Fon-Community geteilt. Dafür kann sich der "Fonero" unterwegs drahtlos bei anderen Teilnehmern einloggen. Je mehr Personen mitmachen, desto mehr Hotspots stehen den Mitgliedern zur Verfügung. Das erklärte Ziel ist es, weltweit die größte W-Lan-Community zu schaffen.

Beim Geschäftskonzept des Unternehmens, bei dem 60 Mitarbeiter beschäftigt sind, spielen "Aliens" eine entscheidende Rolle. "Neben den Mitgliedern, die ihren Zugang gratis zur Verfügung stellen und unterwegs kostenlos DSL nutzen können, gibt es auch solche, die für den mobilen Internetzugang zahlen", erklärt Robert Lang, Geschäftsführer von Fon Europa, gegenüber manager-magazin.de. Gäste, die in der Fon-Sprache als "Aliens" bezeichnet werden, können für drei Euro am Tag das Internet der Foneros mitnutzen.

10.000 "Foneros" in Deutschland

10.000 "Foneros" in Deutschland

Sogenannte "Bills" (abgeleitet von Bill Gates) profitieren von den "Aliens", indem sie auf die freie Einwahl bei anderen verzichten und dafür die Hälfte der Gebühr bekommen, die mit ihrem Hotspot verbundene "Aliens" gezahlt haben. Die andere Hälfte geht an das Unternehmen. Bei rund einer Million Mitgliedern weltweit, die das Unternehmen bis Ende 2007 als Mitglieder gewinnen will, wäre das ein durchaus lukratives Geschäft.

Derzeit muss sich Fon nach eigenen Angaben aber noch mit 10.000 deutschen "Foneros" zufrieden geben, weltweit sollen es zehnmal so viel sein. Dabei freut sich Lang besonders darüber, dass das Unternehmen noch am Anfang stehe und ein großes Ausbaupotenzial habe. "Bei der Telekom hat es hinsichtlich der Hotspot-Zahl jahrelang gedauert, um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind", sagt er.

Das Verhältnis zur Telekom  ist ohnehin zwiespältig: Auf der einen Seite konkurriert Fon hinsichtlich der Hotspot-Anzahl mit T-Mobile und T-Com, die gemeinsam die Telekom-Hotspots betreiben. Schon bald wolle man mehr Zugänge als die Telekom haben, sagt Lang. Mit 3500 bereits angeschlossenen Hotspots in Deutschland und ebensoviel bereits bestellten befände sich Fon auf dem besten Weg dorthin. Im Vergleich dazu betreiben T-Mobile und T-Com derzeit etwa 8000 Zugänge in Deutschland. Auf der anderen Seite ist die Telekom einer der größten DSL-Provider Deutschlands - und damit potenzieller Kooperationspartner.

Lang betont, dass die Breitbandanbieter dem Fon-Konzept prinzipiell positiv gegenüber stehen, da die Unternehmen für Kunden umso interessanter würden, je größer ihr Verbreitungsgebiet sei. Ein Sprecher von T-Com sieht das anders: "Von einer Kooperation mit Fon ist unserem Unternehmen nichts bekannt." Darüber hinaus beobachtet das Unternehmen die Entwicklung von Fon sehr genau."

Warnung vor den juristischen Folgen

Warnung vor den juristischen Folgen

Der Sprecher warnt auch vor rechtlichen Problemen, die auf die privaten Anbieter der Hotspots zukommen könnten. "Kunden, die ihren DSL-Zugang für andere öffnen, sind auch verantwortlich für jeglichen Missbrauch, den über sie angemeldete Nutzer betreiben." Wenn beispielsweise Gewaltvideos in das Netz geladen werden, sei nur der Inhaber der Hauptkennung rückverfolgbar - und der müsse für die Inhalte haften. Fon-Europa-Geschäftsführer Lang sieht dagegen keine juristischen Probleme: "Bisher gibt es zu dem Thema keine klare Rechtsprechung." Zudem könne man alle Nutzer über die Zugangsdaten identifizieren.

Community basiert auf Vertrauen

Finanzielle Unterstützung bekommt Fon von namhaften Internetkonzernen: Google  und Skype sowie die Venture-Capital-Firmen Sequoia und Index haben in einer ersten Finanzierungsrunde im Februar dieses Jahres mehr als 20 Millionen Dollar in Fon investiert und halten zusammen 30 Prozent der Anteile am Unternehmen. Von diesem Geld wurden unter anderem die in Asien gefertigten DSL-Router gekauft. Wieviele es sind und wie lange die Gratisaktion noch laufen wird, will Lang nicht verraten. Prominenz sitzt aber auch im Beirat: Christiane zu Salm, die den Musikkanal MTV Europe führte und den Fernsehsender Neun Live aufbaute, ist Beiratschefin von Fon Deutschland.

Das Motto "Ja, ich will!" soll das Vertrauensprinzip verdeutlichen, auf dem die Community basiert. Ob die Mitglieder tatsächlich ihr Versprechen halten und die DSL-Router auch für andere "Foneros" freischalten, kann Fon zwar kontrollieren. Lang räumt aber ein, dass es keine Möglichkeit von Rückholaktionen gebe. "Früher wurden Mitglieder 'bestraft', die ihren Zugang nicht öffneten." Der Router hätte fünf Euro gekostet, bei einem Vertrauensbruch wären weitere 45 Euro fällig gewesen. Da es wenige Mitglieder gab, die ihren Zugang nicht öffneten, kam die Idee der Gratis-Foneras: "Heute basiert unser Konzept ausschließlich auf Vertrauen."

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