Donnerstag, 24. Oktober 2019

Burda/Holtzbrinck Die neuen "Kabelnetzbetreiber"

Immer mehr Inhalteanbieter und Werbungtreibende entdecken Handy-TV als neue Erlösquelle. So ist es kaum verwunderlich, dass zunehmend mehr Medienkonzerne in das Geschäft mit dem mobilen Fernsehen einsteigen. Jüngstes Beispiel sind die Verlage Burda und Holtzbrinck.

München - Mit jeweils 33,3 Prozent beteiligen sich die Unternehmen an der Neva Media GmbH, hieß es in einer Mitteilung. Das restliche Drittel der Anteile halten als weitere Gesellschafter die Gründer Bernd Curanz und Paulus Neef - der auch Gründer des Internet-Dienstleisters Pixelpark Börsen-Chart zeigen ist - sowie die frühere 9Live-Chefin Christiane zu Salm und der Düsseldorfer Anwalt Horst Piepenburg. Dieser hatte sich als Sanierer des Kerngeschäfts von Babcock Borsig Börsen-Chart zeigen einen Namen gemacht.

Einstieg ins Handy-TV-Geschäft: Burda und Holtzbrinck wollen als neutraler Provider allen Unternehmen offen stehen
In der neuen Gesellschafterstruktur solle das Unternehmen unter dem Namen Mobile 3.0 sein Plattformgeschäft betreiben. Über die finanziellen Details der Beteiligung sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte ein Burda-Sprecher. Mit den ersten Lizenzierungen durch Landesmedienanstalten sei nicht vor Anfang kommenden Jahres zu rechnen. Operativ werde das Unternehmen dann voraussichtlich ab Ende 2007 tätig, sagte der Sprecher.

Die Beteiligung stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes. Über Umsatzziele könnten derzeit noch keine Angaben gemacht werden. Die Plattform werde als neutraler Provider ähnlich wie eine Kabelgesellschaft allen Unternehmen offen stehen, die bewegte Bilder über Handy verbreiten wollten.

Neva Media entwickelt DVB-H-Anwendungen

Die Neva Media GmbH gehört den Angaben zufolge zu den Pionieren der Entwicklung von Anwendungen für den neuen technischen Standard DVB-H, der den mobilen Empfang von TV-Programmen, Videos und Mediendiensten auf kleinen Handgeräten wie Mobiltelefonen ermöglicht. DVB-H solle in den kommenden Monaten als weitgehend flächendeckendes Netz für ganz Deutschland aufgebaut werden, hieß es. Erste Anträge für Plattformlizenzen bei den Landesmedienanstalten in Berlin-Brandenburg, Hamburg und Niedersachsen habe Neva Media eingereicht.

Verleger Stefan von Holtzbrinck erklärte, der Standard DVB-H bedeute einen "Qualitätsdurchbruch im Handy-TV". Bekannte, aber auch vor allem neue Unterhaltungs- und Informationsformate seien jetzt auf mobilem Wege problemlos übertragbar. Sie würden folglich die Medienvielfalt und die Märkte signifikant erweitern.

Verleger Hubert Burda hob zugleich neue Geschäftschancen auch für die Programmanbieter hervor: "Handy-TV bietet etablierten Rundfunkveranstaltern und innovativen Medienunternehmen die Chance, ihre Angebote zeit- und ortsunabhängig für jeden verfügbar zu machen", erklärte Burda.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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