Photokina Bilder mit Orientierungssinn

"Geo-Tagging" heißt der neueste Trend unter Hobbyfotografen: Aufnahmen werden nicht mehr im Rahmen, sondern auf interaktiven Landkarten im Internet ausgestellt. Bei jeder Aufnahme sammelt ein GPS-Modul die Koordinaten. Wer die richtige Software hat, kann so seine eigene Reisekarte gestalten.

Köln - Eine Digitalkamera speichert mit jedem Druck auf den Auslöser eine Vielzahl von Daten - Aufnahmezeit, Blende, Verschlusszeit und anderes mehr. Richtig vollständig sind die Informationen aber erst mit den Angaben zum Ort der Aufnahme.

Die Aufzeichnung dieser Geodaten mit Hilfe des Satelliten-Navigationssystems GPS war bislang Profis vorbehalten, wird jetzt aber auch zunehmend von Hobbyfotografen entdeckt: "Geo-Tagging" gehört zu den aktuellen Trends im Internet. Auf der Photokina in Köln zeigt Sony  einen GPS-Tracker als Zusatzgerät für die Kompaktkameras seiner Modellreihe Cybershot oder für die Spiegelreflexkamera Alpha 100.

Das nur 55 Gramm schwere Modul mit der Bezeichnung GPS-CS1 speichert bei jeder Aufnahme Zeit und Ortsangaben. Diese werden dann über USB an den Computer geschickt und anhand des Zeitstempels den dort abgelegten Bildern der Kamera zugeordnet. Die zugehörige Software kann die Fotos dann nicht nur chronologisch ordnen, sondern auch geographisch sortieren und auf Karten darstellen.

Mit einem Preis von 130 Euro ist das Sony-Gerät weitaus günstiger als die GPS-Paketlösung für eine Kompaktkamera Caplio Pro G3 von Ricoh , die im vergangenen Jahr zum Preis von 2260 Euro vorgestellt wurde.

Solange ein integriertes GPS-Modul noch nicht zur Standardausstattung jeder digitalen Kamera gehört, kann man sich aber auch auf andere Weise behelfen. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, die Ortsdaten der Aufnahmen auf einem mobilen Navigationsgerät abzuspeichern.

Fotos auf die Landkarte stellen

Fotos auf die Landkarte stellen

Wenn beim Fotografieren zugleich auch die Zeit festgehalten wird, kann man die Fotos später den GPS-Daten zuordnen. Geographische Breite und Länge können dann als EXIF-Daten der einzelnen Fotos eingetragen werden. Dieser Standard hält Datenfelder für GPS Latitude, GPS Longitude und GPS Altitude bereit - also für die geographische Breite, Länge und für die Höhe über dem Meeresspiegel.

Der Berliner Softwarehersteller Panorado  bietet ein kostenloses Werkzeug an, mit dem man die vor Ort gespeicherten GPS-Daten in die entsprechenden EXIF-Felder der Bilddateien eintragen kann. Mit Hilfe des bei Google  in der Basisversion ebenfalls gratis erhältlichen Programms Google Earth geht das auch ohne GPS-Empfänger: Im Windows Explorer stellt der Panorado Flyer im Kontextmenü zu jeder jpg-Bilddatei die Funktion "Get location from Google Earth" bereit. Das Programm trägt dann die Geodaten des Ortes ein, der auf der Weltkarte ausgesucht wurde. Umgekehrt stellt die Funktion "Show location in Google Earth" jedes Foto mit GPS-Daten auf der Google-Karte dar.

Neben Panorado ermöglicht auch die Software GPS-Photo-Link, entwickelt vom amerikanischen Unternehmen Geospatial Experts , die Verknüpfung zwischen Fotos und den Landkarten von Google Earth.

Im Internet Spuren hinterlassen

Das "Geo-Tagging", also die Verknüpfung von geografischen Informationen mit Fotos, aber auch mit anderen Online-Objekten bis hin zu ganzen Webseiten, ist zur Grundlage für eine weit gespannte Community geworden. So findet man überall im Netz sogenannte Placemarks für Google Earth - das sind Ortsmarken, die mit Bildern, Links und weiteren Informationen ergänzt werden können.

Auch in der zu Yahoo  gehörenden Foto-Community Flickr  lassen sich Bilder per Drag and Drop mit Geo-Tags versehen und auf einer Landkarte anzeigen. Sowohl die Yahoo-Karten als auch die von Google Earth leiden allerdings noch darunter, dass die Kartenbilder für Europa nicht so detailliert sind wie die für die USA.

Peter Zschunke, AP

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