Microsoft/Apple Kampf um die Hosentaschen

Bald ist er da: Der neue Herausforderer von Apples iPod. Zum Weihnachtsgeschäft wird Microsoft den Zune, einen Flashplayer im Hosentaschenformat, in den USA auf den Markt bringen. Der Neue kann einiges, was der iPod nicht kann. Experten glauben aber trotzdem nicht, dass er den Rivalen von seiner Spitzenposition vertreiben wird.

New York - Microsoft  schickt bald seinen ersten MP3-Player Zune ins Rennen gegen den populären iPod von Apple . Das Minigerät wird ab Weihnachten in den USA verkauft. Hersteller ist der japanische Elektronikkonzern Toshiba .

Der neue MP3-Spieler wird eine 30 Gigabyte fassende Festplatte und einen Farbbildschirm mit einer Diagonale von drei Zoll (7,6 cm) haben, teilte Microsoft mit. Er soll in den Farben schwarz, weiß und braun auf den Markt kommen. Zum Weihnachtsgeschäft erscheint er allerdings nur in den USA - europäische Musikfreunde müssen noch etwas länger auf das neue Hosentaschengerät warten. Ein genauer Starttermin und der Preis sind noch nicht bekannt.

Tauschbörse unterwegs

Im Wettbewerb mit dem in fünf Jahren immer weiter perfektionierten iPod-Konzept setzt Microsoft auf Funktionen, die es bei Apples Player nicht gibt. Der Softwaregigant ist besonders stolz darauf, dass Zune-Besitzer untereinander drahtlos Musik, Fotos und Playlists tauschen können. Diese Funktionen hat der iPod nicht. Allerdings können manche Songs auf Wunsch der Künstler für den Tausch gesperrt werden, wie Microsoft-Manager Scott Erickson dem US-Branchendienst "C'Net" sagte. Außerdem könnten eingetauschte Musikstücke nur drei Mal innerhalb von drei Tagen abgespielt werden, hieß es.

Als weitere neue Funktion ist im Zune ein Radio integriert. Außerdem kann der Player, genau wie die großen iPod-Modelle, auch Videos abspielen. Microsoft wird aber vorerst keine Filme oder Fernsehsendungen anbieten. Auch auf einem Media-Center-PC selbst angefertigte Aufzeichnungen seien zunächst nicht auf den Zune übertragbar, sagte Erickson.

Wie Apple will auch Microsoft einen eigenen Onlineshop für den Zune eröffnen, das Zune Marketplace. Neben dem Einzelkauf von Songs oder Alben sei auch ein Abo-Modell geplant, bei dem für eine Pauschalgebühr unbegrenzt viel Musik geladen werden kann. Auch dazu wurden noch keine Details verraten - sie sollen erst später folgen.

Um iPod-Nutzern den Umstieg auf Zune zu erleichtern, sollen auch Titel, die mit Apples iTunes-Software von CD auf den Computer gezogen wurden, für den Microsoft-Player zugänglich sein - nicht aber im iTunes Store gekaufte Musik. Zudem soll der Zune auch gleich mit vorinstallierter Musik verkauft werden.

iPod-Killer sind Papiertiger

iPod-Killer sind Papiertiger

Wegen unterschiedlicher Urheberrechts-Managements sind die Musikangebote von Apple und Anbietern, die auf Microsoft-Software setzen, nicht miteinander kompatibel. Unternehmen aus der Windows-Welt haben in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, die Dominanz von Apple bei Downloads und MP3-Playern zu brechen, die vermeintlichen iPod-Killer blieben jedoch Papiertiger.

Auch ein Alleingang von Sony  mit einem eigenen System unter dem Dach der einst starken Walkman-Marke scheiterte. Experten erklären Apples Erfolg unter anderem mit einer einfachen Bedienung und einer nahtlosen Integration in den iTunes-Onlineshop.

Apple bietet bereits seit einiger Zeit Downloads von TV-Sendungen und Videos auf seiner virtuellen Verkaufsfläche an und hatte erst am Dienstag auch den Verkauf von Spielfilmen eingeführt. Auf das Heranpirschen von Microsoft reagierte der Mac-Konzern promt: Ein neuer iPod mit 80 Gigabyte Fassungsvermögen für 349 Dollar wurde vorgestellt und der Preis für einen iPod mit 30-Gigabyte-Festplatte auf 249 von zuvor 299 Dollar gesenkt. Medienberichten zufolge peilt Microsoft für den gleich starken Zune die 299-Dollar-Marke an.

Der Windows-Riese hatte bereits eingeräumt, dass man einen langen Atem brauche und sich auf Investitionen von mehreren hundert Millionen Dollar einstelle, um mit Apple zu konkurrieren. Der bei Microsoft für den Zune zuständige J Allard geht aber optimistisch in den Wettstreit: "Es gibt Milliarden von Menschen auf dem Planeten Erde, die Musik hören, und Apple hat 50 Millionen Geräte verkauft."

Gefahr für die Kleinen

Die meisten Branchenexperten glauben jedoch nicht, dass Microsoft Apple große Marktanteile abjagen kann. "Der Zune ist kein iPod-Killer", sagt Michael Gartenberg von Jupiter Research. Eher kleinere Konkurrenten wie Creative Technology und Sandisk  werden seiner Meinung nach unter dem neuen Rivalen leiden. Apple kontrolliert mit seinem Umsatzbringer iPod mehr als die Hälfte des Marktes für Player und mit seinem iTunes-Portal mehr als 70 Prozent des Onlinemarktes in den USA.

Mit dem Zune und seiner Spielekonsole Xbox 360 will sich der Softwareriese Microsoft unabhängiger vom PC-Geschäft machen, wo ihm Internetunternehmen wie Google  auf den Fersen sind. "Die Welt dreht sich nicht mehr um den Computer", sagt Analyst Toan Tran von der Ratingagentur Morningstar dazu.

Deshalb zeichnet sich am Horizont auch schon eine neue Schlacht zwischen den Rivalen Microsoft und Apple ab. Microsoft hat ein Zune-Handy angekündigt, ohne jedoch genauere Details zu nennen. Apple wird nach Überzeugung von Branchenexperten ebenfalls im kommenden Jahr eine Verschmelzung von Handy und iPod vorstellen. Fans haben dem Gerät auch schon einen Namen gegeben: iPhone.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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