Telekom Kein Netz für alle

Die Telekom muss ihr neues Supernetz öffnen - doch die Verhandlungen mit der Konkurrenz gestalten sich offenbar schwierig. Festnetzanbieter Arcor will den Druck auf die Telekom erhöhen - und ruft die Regulierungsbehörde an.

Bonn - Die Telekom hat ihr neues VDSL-Netz der Konkurrenz öffnen müssen, so wollte es die Bundesnetzagentur. Doch in der Praxis scheint sich der Zugang zu diesem Hochgeschwindigkeitsnetz schwierig zu gestalten, beklagen die Konkurrenten.

Allen voran Arcor. Der Rivale der Telekom auf dem Markt der Festnetzanschlüsse sieht den Zugang ungeklärt, will nun die Bundesnetzagentur zu einem Machtwort bringen. "Anfang Oktober solle ein Schreiben an die Bundesnetzagentur gehen, so der Sprecher Stephan Albers. Arcor habe inzwischen die Verhandlungen mit der Telekom für gescheitert erklärt.

Erst habe die Telekom sich ein halbes Jahr Zeit gelassen, bis es zu einem Treffen im August kam. Dann lehnte das Unternehmen ab, Arcor in das Netz zu lassen. Arcor hatte gefordert, entweder die Lichtwellenleiter der Telekom mitbenutzen oder aber eigene Leitungen in die vorhandenen Rohre des Ex-Monopolisten legen zu können. Darüber hinaus verlangt das Unternehmen Zugang zu den so genannten Kabelverzweiger hinein, also den Verteilerkästen, in die hinein die Telekom ihr bestehendes Glasfasernetz erweitert hat. "Der Konzern hat hier kein Entgegenkommen gezeigt. Deswegen schalten wir jetzt den Regulierer ein", sagte Albers. Auch Hansenet, ein lokaler Anbieter, beendete die Gespräche mit der Telekom und erwägt, die Bundesnetzagentur oder das Bundeskartellamt anzurufen.

Die Bonner Telekom sieht das ganz anders: Es sei Arcor nur darum gegangen, einen Konflikt zu provozieren, um sich so die Legitimation für ein Regulierungsverfahren zu verschaffe, sagte der Telekom-Regulierungsexperte Frank Schmidt. Natürlich sei die Telekom bereit, investitionswilligen Unternehmen Lösungen für die Anbindung ihrer Hochgeschwindigkeitstechnik anzubieten. "Dabei stehen für uns State-of-the-art-Netzlösungen, wie sie zum Beispiel im Großkundengeschäft üblich sind, im Vordergrund", sagte Schmidt. Die Tür sei nach wie vor offen. "Wir erwarten aber, dass Arcor unsere vorhandenen Produkte und Angebote ernsthaft prüft und sich nicht von vornherein auf eine Phantasielösung festlegt", betonte er. Allerdings sei die Telekom nicht "Vermieter von Schaltkästen".

Die Telekom hat das neue VDSL-Netz - es erlaubt hohe Übertragungsraten - derzeit in zehn Ballungsräumen errichtet. Bis Ende nächsten Jahres sollen 40 weitere Metropolen hinzukommen. Insgesamt will der Konzern gut drei Milliarden Euro investieren. Allerdings macht das Unternehmen die zweite Ausbaustufe davon abhängig, das Netz eine Zeit lang frei von Regularien nutzen zu können. Es setzt vor allem auf eine entsprechende Gesetzesvorlage, die nächste Woche ins Parlament geht.

manager-magazin.de mit Materialien von dow jones

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