Telecom Italia Behörden kämpfen gegen Aufspaltung

Die Pläne von Telecom-Italia-Chef Marco Tronchetti Provera stoßen nicht nur bei der italienischen Regierung auf wenig Gegenliebe. Auch der Regulierer zeigt sich wenig begeistert. Behördenchef Corrado Calabro bestellt deshalb nun die gesamte Konzernführung ein.

Mailand - Der Chef der italienischen Regulierungsbehörde möchte mit der Konzernführung von Telecom Italia  über die überraschenden Pläne zur Aufspaltung sprechen, teilte der Aufseher am Donnerstag mit. Zuvor waren Einzelheiten über mögliche Allianzen mit ausländischen Konzernen an die Öffentlichkeit geraten. Zeitungen berichteten zudem über frühere Pläne, das Telefonnetz in ein Staatsunternehmen einzubringen.

Telecom Italia hatte Anfang der Woche überraschend die Trennung von der Netzwerk- und Mobilfunksparte TIM angekündigt und damit Empörung bei Politikern ausgelöst. Diese sprachen sich dafür aus, einen Verkauf der Sparte an ausländische Investoren zu verhindern - notfalls auch unter Einsatz der Goldenen Aktie, mit der weit reichende Vetorechte verbunden sind. Auch die Gewerkschaften protestierten gegen die Pläne des fünftgrößten europäischen Telefonkonzerns.

Telecom Italia hatte Medienberichten zufolge schon Anfang September mit der italienischen Regierung über eine Trennung vom Telefonnetz gesprochen. Mehrere italienische Zeitungen berichteten am Donnerstag, ein Berater des italienischen Regierungschefs Romano Prodi hätte Telecom-Italia-Chef Marco Tronchetti Provera vorgeschlagen, das Netzwerk des Telefonkonzerns an die Staatsholding Cassa Depositi e Prestiti (CDP) zu übertragen. Dadurch sollte verhindert werden, dass das Telefonnetz in ausländische Hände fällt.

Experten zeigen sich verwundert

Experten zeigen sich verwundert

In die Kassen des hoch verschuldeten Telefonkonzerns sollten durch diese Transaktion bis zu 21 Milliarden Euro fließen. Bei einem Verkauf von TIM kann Telecom Italia Analysten zufolge mit bis zu 35 Milliarden Euro rechnen. CDP hätte das Netz später an die Börse gebracht. Ähnlich sei bereits beim Stromnetzausrüster Terna verfahren worden, den der Energiekonzern Enel  abgespalten habe, so die Zeitungen.

Auch strategische Allianzen waren im Gespräch. Telecom Italia habe unter anderem mit News Corp. , Time Warner  und General Electric  verhandelt, hieß es bereits am Mittwoch in einer ausführlichen Mitteilung des Büros von Regierungschef Romano Prodi. Von der Abspaltung von TIM sei jedoch nicht die Rede gewiesen.

Die Entscheidung Prodis, Einzelheiten über die Gespräche mit dem Telefonkonzern zu veröffentlichen, sorgte bei Experten für Verwunderung. Üblicherweise bleibt der Inhalt vertraulicher Gespräche geheim. Weder Prodi noch sein Berater waren für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch Telecom Italia äußerte sich nicht.

Die Trennung von TIM ist eine Abkehr von der bisherigen Strategie des Konzerns. Telecom Italia hatte die Sparte erst im vergangenen Jahr für viel Geld von der Börse genommen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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