DaimlerChrysler Dr. Z sagt Goodbye

Als Comicfigur mit aufgebauschtem Schnauzbart machte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche in den vergangenen Wochen Karriere als Werbestar. Doch nun geht "Dr. Z", der humorvoll Chrysler-Modelle hochlobte, in Rente. Die Kampagne, die eigentlich bis Jahresende laufen sollte, ist gestoppt. "Dr. Z" lebt im Web aber weiter.

Detroit/Stuttgart - Mehr als sechs Millionen Nutzer haben auf der Web-Site AskDrZ.com  nach Konzernangaben bereits Fragen an die virtuelle Chef-Figur von Chrysler geschickt, die unschwer erkennbar den Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche persifliert. Mit stark deutsch akzentuiertem Englisch gibt Dr. Z (sprich: "Doktor Sieh") auf der innovativen Site Antworten auf Fragen, die - so wird die Kampagne verkauft - von den Usern im Netz oder per Telefon direkt gestellt werden.

"Wir haben die Dr.-Z-Site eingeführt, weil viele Interessenten sich im Web über Autos informieren. Und die Aktion hat sich gelohnt, auf den Websites unserer Marken stieg der Traffic in den vergangenen Wochen um rund 15 Prozent", erklärte eine Konzernsprecherin gegenüber manager-magazin.de. Dr. Z werde im Internet daher auch nicht gestoppt, möglich sei, dass die Figur in einigen Monaten auch in TV-, Radio- und Printkampagnen wieder auftaucht.

Zetsche, im wahren Leben gelernter Ingenieur, wechselt in den Werbespots unter anderem blitzschnell Getriebe aus und fährt mit Karacho gegen eine Mauer, um die Sicherheit der Chrysler-Modelle "zu beweisen". Ähnlich umtriebig zeigte sich die Werbefigur auch in TV-Spots und Print-Anzeigen, die nun aber vorzeitig gestoppt wurden.

Die rückläufigen Verkaufszahlen sprachen gegen Zetsche als Werbestar. Allein im Juli, als die Dr.-Z-Kampagne startete, sank der Chrysler-Absatz in den USA um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei 8 Prozent lag das Minus im August. Für das erste Halbjahr wird ein Rückgang von 5 Prozent verbucht.

Werbekosten von 100 Millionen Dollar

DaimlerChrysler  verteidigt die Werbung und erklärt, dass Dr. Z seine Ziele erreicht habe. "Die Kampagne hat definitiv Interesse geweckt und unseren Produkten Bekanntheit gebracht", sagte eine Sprecherin.

DaimlerChrysler betrachtet die Kampagne der Werbeagentur BBDO Detroit, die etwa 100 Millionen Dollar kostet, auch aus einem anderen Grund als Erfolg.

Bei einer Untersuchung des Marketingunternehmens Millward Brown habe sich gezeigt, dass 73 Prozent der Befragten nach Kenntnis der Werbekampagne die Fusion von Daimler und Chrysler positiv bewerteten. Die Internetseiten der Konzernmarken Chrysler, Jeep und Dodge hätten seit dem Start der Kampagne zudem deutlich größeren Zulauf als zuvor gehabt.

Nun wechselt der Konzern auf eine ebenfalls von BBDO entwickelte Kampagne, die mit günstigen Krediten für Chrysler-Käufer wirbt. Zudem sollen im Rahmen der wesentlich konservativeren Werbeaktion die aktuellen Modelle stärker in den Vordergrund gestellt werden.

manager-magazin.de