Bertelsmann Vivendi setzt sich durch

Der Medienkonzern Bertelsmann hat einen Käufer für seinen Musikverlag gefunden. Vivendi zahlt 1,63 Milliarden Euro und steigt damit zur Nummer eins weltweit auf. Gleichzeitig einigten sich die Gütersloher mit dem Vivendi-Ableger Universal Music im Streit um die Musikplattform Napster. Dafür muss aber Bertelsmann tief in die Tasche greifen.

Güsterloh – Es ist der Tag von Bertelsmann. Der Verkauf des Musikverlags BMG Publishing ist unter Dach und Fach. Und im seit Jahren schwelenden Streit um die Musiktauschbörse Napster hat sich Bertelsmann mit einem wichtigen Kläger außergerichtlich geeinigt. Gleichzeitig meldet der deutsche Medienkonzern noch seine Halbsjahreszahlen. Das Unternehmen befindet sich weiter auf Wachstumskurs.

Nicht ganz zufällig erscheint es, dass sich Bertelsmann mit Vivendi gleich in zweifacher Hinsicht geeinigt hat. So hat sich der französische Konzern gegen sechs Konkurrenten durchgesetzt und erhält für 1,63 Milliarden Euro das Musikverlags-Geschäft der Gütersloher. Vivendi steigt damit zum größten Musikverleger weltweit auf, sofern die Kartellbehörden die Transaktion genehmigen, wovon Bertelsmann dem Vernehmen nach ausgeht.

Der Medienkonzern kann das Geld aus dem Verkauf gut gebrauchen, denn erst vor wenigen Monaten haben das Unternehmen einen 25-Prozent-Anteil an dem Konzern von der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) zurückgekauft. 4,5 Milliarden Euro flossen an die belgischen Finanziers, nun müssen Schulden zurückgezahlt werden.

Dass am Verhandlungstisch zwischen Bertelsmann und Vivendi nicht nur die Musikverlage, sondern auch der Streit um die Musikbörse Napster ein Thema war, ist mehr als wahrscheinlich. Wie zufällig gab der deutsche Konzern am Mittwoch ebenfalls bekannt, dass man sich im Rechtsstreit um die Musiktauschbörse Napster mit dem Vivendi-Ableger Universal Music auf einen Vergleich geeinigt habe. Es handele sich um völlig getrennte Transaktionen, hört man. Klar ist zumindest, dass Universal Music 60 Millionen Dollar von Bertelsmann erhalten soll.

Hinter dem Napster-Streit steckt eine 17-Milliarden-Dollar-Klage, die in den USA anhängig ist. Der Grund: In den Jahren 2000 und 2001 hatte der Gütersloher Medienkonzern die Tauschbörse Napster mit Millionenkrediten unterstützt, obwohl das Internetangebot wegen Urheberrechtsverletzungen von der gesamten Musikindustrie angefeindet wurde.

Napster zählte damals rund 60 Millionen Nutzer weltweit. Im Februar 2001 vereinte die Plattform sogar rund 5 Prozent des gesamten Tauschvolumens im Internet. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff wollte Napster zu einer legale Musikbörse umbauen, doch das Konzept ging nicht auf. Die Tauschbörse musste unter einer Flut von Klagen schließen. Geblieben ist Bertelsmann eine teure Schadenersatzklage. Eine Schuldanerkenntnis sei die Einigung mit Vivendi aber nicht, betonen die Gütersloher.

Eine Milliarde Euro mehr

Eine Milliarde Euro mehr

Ob derzeit auch mit anderen Klägern verhandelt wird, kommentiert der Medienunternehmen gegenüber manager-magazin.de nicht. Derweil verweist der Konzern auf seine Halbjahreszahlen 2006, die den Wachstumskurs unterstreichen sollen.

So sei der Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,5 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen habe um 8,9 Prozent auf 701 Millionen Euro zugenommen.

Für 2006 erwartet Bertelsmann wegen des traditionell stärkeren zweiten Halbjahres in der Medienbranche ein Wachstum von 10 Prozent bei Umsatz und Ergebnis. Der Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing dürfte zudem den Konzerngewinn 2006 um eine Milliarde Euro erhöhen.

Umsatztreiber RTL

"Die Investitionsoffensive des vergangenen Jahres trägt sichtbar Früchte", sagte der Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen. Der Verkauf des Musikverlages soll sich nur wenig auf das Geschäft von Bertelsmann auswirken. Der Musikverlag habe mit einem Umsatz von 371 Millionen Euro nur 2 Prozent des Konzernumsatzes ausgemacht.

Zur Verbesserung des Ergebnisses habe vor allem die Fernsehsparte RTL Group und die Buchclubsparte Direct Group beigetragen. So seien bei RTL die Werbeeinnahmen deutlich gestiegen, auch habe die TV-Gruppe ein florierendes Produktionsgeschäft verzeichnet.

Leichte Ergebnisrückgänge wiesen hingegen die Zeitschriftengruppe Gruner + Jahr (G+J) und die Musiksparte BMG aus. Zwar habe G+J unter anderem wegen der Einbeziehung der Motor Presse einen höheren Umsatz generiert als im Vorjahreszeitraum, das operative Ergebnis sei aber zurückgegangen. Für BMG, das im Joint Venture Sony BMG aufgegangen ist, erwartet Bertelsmann im zweiten Halbjahr wichtige Albenveröffentlichungen, die das Geschäft beleben sollen. Die Industrie- und Dienstleistungssparte Arvato sowie der weltgrößte Buchverlag Random House seien in der ersten Jahreshälfte stabil geblieben.

Schulden abbauen

Für Bertelsmann geht es in den kommenden Monaten darum, die Finanzschuld, die Ende Juni auf 8,7 Milliarden Euro gestiegen war, wieder abzubauen. Neben dem Verkauf des Musikverlagsgeschäfts soll dazu eine hohe Mittelfreisetzung aus dem laufenden Geschäft, eine vorübergehende Investitionszurückhaltung sowie eine moderate Dividendenpolitik beitragen. "Ende 2007 werden wir unsere internen Finanzierungsziele wieder erreicht haben", wird Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe zitiert. Ab 2008 könne der Konzern wieder über einen Finanzspielraum von jährlich gut eine Milliarde Euro verfügen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, dpa-afx, reuters, dow jones