Bertelsmann Der letzte Tango

Der Medienkonzern Bertelsmann wird seine Musikverlage los: Das Unternehmen verkauft seine Geschäftssparte an den französischen Konzern Vivendi zum Preis von 1,63 Milliarden Euro. Gleichzeitig zahlen die Gütersloher rund 47 Millionen Euro an den Vivendi-Ableger Universal Music, um den Streit um Napster beizulegen.

New York/Düsseldorf - Der französische Vivendi-Konzern hat nach Angaben von Bertelsmann das Musikverlaggeschäft des Gütersloher Unternehmens gekauft. BMG Music Publishing gehe zum Preis von 1,63 Milliarden Euro an Vivendi. Gleichzeitig zahlt Bertelsmann dem Vivendi-Ableger Universal Music, der größten Plattenfirma der Welt, einen Betrag von 60 Millionen US-Dollar (rund 47 Millionen Euro), um den Streit um die Music-Tauschbörse Napster beizulegen. Das teilte Bertelsmann am Mittwoch mit.

Zu Universal Music gehört der Musikverlag Universal Music Publishing. Mit dem Zukauf steigt dieser Bereich zum größten Musikverleger der Welt auf, noch vor dem bisherigen Marktführer EMI.

Zuvor hatte bereits das "Wall Street Journal" berichtet, die Verkaufsgespräche, an denen zuletzt noch bis zu vier Bieter beteiligt gewesen sein sollen, seien abgeschlossen. Vivendi werde den Zuschlag erhalten. Insgesamt hatten sich sechs Interessenten um den Bertelsmann-Bereich bemüht.

Bertelsmann trennt sich von BMG Music Publishing, um Schulden zurück zuzahlen, die sich nach Rückkauf eines 25-Prozent-Anteils an dem Medienunternehmen von der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) aufgetürmt hat.

Bertelsmann hatte den GBL-Anteil an dem Medienkonzern Ende Mai für 4,5 Milliarden Euro zurückgekauft und damit den Börsengang des Unternehmens verhindert. Die vom belgischen Investor Albert Frere kontrollierte GBL hatte 2001 einen 25-Prozent-Anteil an Europas größtem Medienkonzern im Tausch für einen 30-Prozent-Anteil an der paneuropäischen Senderkette RTL erworben.

Napsters teures Erbe

Gleichzeitig zur Bekanntgabe des Verkaufs von BMG Music Publishing teilten die Gütersloher auch mit, dass sie sich im Streit um die Musiktauschbörse Napster mit Universal Music geeinigt hätten. Die Zahlung der Millionensumme bedeute keine Anerkennung jeglicher Schuld, betonte der deutsche Konzern. Die Summe decke die geltend gemachten Ansprüche von Universal als auch mögliche Ansprüche des bisher eigenen und an Universal verkauften Musikverlags BMG Music Publishing sowie Anwaltskosten ab.

Universal gehörte zu den Unternehmen, die in den USA eine Klage über 17 Milliarden US-Dollar gegen Bertelsmann angestrengt hatten, weil die Gütersloher 2000 und 2001 die damals illegale Tauschbörse Napster mit einem Kredit über 80 Millionen US-Dollar unterstützt hatten.

Der Vorwurf: Bertelsmann habe die Piraterie in der Musikbranche gefördert. Illegale Downloads gelten als wesentlicher Grund für eine jahrelange Flaute in der Musikindustrie. Bertelsmann hatte stets argumentiert, man habe mit der Unterstützung der Tauschbörse den Weg in die Legalität ebnen wollen.

Bertelsmann bleibt nach dem Verkauf des Musikverlags über die Beteiligung am weltweit zweitgrößten Musikunternehmen Sony BMG in der Musikindustrie aktiv.

Auf Wachstumskurs

Wie Bertelsmann am Mittwoch weiter bekannt gab, ist der Konzern im ersten Halbjahr 2006 kräftig gewachsen. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,5 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen stieg um 8,9 Prozent auf 701 Millionen Euro. Für 2006 erwartet Bertelsmann wegen des traditionell stärkeren zweiten Halbjahres in der Medienbranche ein Wachstum von 10 Prozent bei Umsatz und Ergebnis.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters