Google 900 Millionen Dollar für Murdoch

Rupert Murdoch ist schon ein Fuchs. Vor wenigen Monaten kaufte er die Community-Plattform MySpace für 580 Millionen Dollar. Nun zahlt Google Murdoch 900 Millionen Dollar - nur, um für knapp vier Jahre auf den Webseiten des australischen Medienmoguls präsent zu sein.

New York - Insgesamt 900 Millionen Dollar lässt es sich Google  kosten, exklusive Suchmaschine auf den Internetseiten der News Corp.  zu sein, zu denen auch das beliebte Portal MySpace gehört. Die Summe soll aus den Werbeeinahmen der Suchmaschine fließen. Der Vertrag sei auf drei Jahre und neun Monate angelegt und trete im Oktober in Kraft, erklärten die Unternehmen.

Der Vereinbarung zufolge wird auf den Seiten der News Corp. eine Google-Suchbox eingebaut. So sollen Nutzer mittels der Suchmaschine auf MySpace etwa Freunde und Gruppen leichter finden können. Google wird außerdem auf die Schlüsselwörter abgestimmte Werbungen anzeigen. Man berate darüberhinaus über weitere Kooperationsmöglichkeiten.

Mit dem Deal fließt dem MySpace-Besitzer ein Großteil der 1,3 Milliarden Dollar in die Kassen zurück, die er im vergangenen Jahr für MySpace und die Online-Spieleplattform IGN Entertainment ausgegeben hat. Allein MySpace ließ sich der Konzern, zu dem auch die 20th-Century-Fox-Filmstudios und der Nachrichtensender Fox gehören, damals 580 Millionen Dollar kosten. Dementsprechend zufrieden zeigte man sich bei dem Unternehmen über die jetzt entstandene Vereinbarung: "Mit einem Schlag haben wir zwei Drittel unserer Internetinvestitionen wieder raus", erklärte der Chef des Unternehmens, Peter Chernin.

Doch auch bei Google dürften die Sektkorken knallen. Schon monatelang hatten Beobachter spekuliert, welches Unternehmen bei MySpace das Rennen machen würde. Analysten zufolge ist die Partnerschaft mit News Corp. dank MySpace aktuell der größte Werbeauftrag auf dem Onlinemarkt. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Hitwise ist das Communityportal im vergangenen Jahr zur Internetseite mit den meisten Zugriffen von amerikanischen Kunden aufgerückt. Rund 100 Millionen Nutzer haben sich bereits registriert, 90 Prozent kommen aus den USA.

Yahoo demonstriert Gelassenheit

"Wir halten es für wichtig, dass wir Google dorthin bringen, wo die User sind, und die wenden sich immer stärker Seiten mit selbst geschaffenen Inhalten zu", erklärte Google-Chef Eric Schmidt. In den vergangenen fünf Tagen habe man deshalb quasi rund um die Uhr verhandelt, erklärten die beiden Unternehmen. Außer mit Google habe es auch mit einigen Konkurrenten Gespräche gegeben, hieß es bei News Corp..

Bei Yahoo  gab man sich jedoch gelassen über den Coup des Erzkonkurrenten. Das Unternehmen habe an dem Deal gar kein Interesse gehabt, erklärte eine Yahoo-Sprecherin. "Wir hielten diese Möglichkeit finanziell nicht für klug und auch nicht für das wichtigste Interesse unserer Werbekunden."

Danny Sullivan, Herausgeber des Newsletters Search Engine Watch, hält Google ebenfalls für den einzig richtigen Partner für den MySpace-Betreiber. Denn sowohl Yahoo als auch MSN hätten Angebote für soziales Netzwerken im Web, die mit den News-Corp.-Portalen konkurrierten. Google hat dagegen lediglich die Seite Orkut, die jedoch nicht aggressiv vermarktet wird.

Auch an der Börse hielt man viel von dem Geschäft. Der Kurs der Google-Aktien stieg in New York bis Börsenschluss um 4,10 Dollar beziehungsweise um 1,1 Prozent auf 377,95 Dollar, die News-Corp.-Papiere legten sogar um 2 Prozent auf 19,76 Dollar zu.

Google wird zum Contentanbieter

Google wird zum Contentanbieter

Erst vor wenigen Tagen hatte Google angekündigt, in Zukunft Videos über das Netz verkaufen zu wollen. Der Suchmaschinenkonzern will auf zwei verschiedenen Wegen mit Videos online Geld verdienen: Einerseits wird Google seine AdSense-Infrastruktur, über die bislang nur Textanzeigen auf anderen Webseiten platziert werden, zur Verbreitung von Videoschnipseln nutzen. Andererseits will man dem Vernehmen nach künftig selbst Fernsehprogramme online verkaufen - und damit in Konkurrenz zu Angeboten wie Apples iTunes treten.

Zunächst sollen in einer Testphase 100 Stunden Material aus den Serien "Laguna Beach: The Real Orange County," "SpongeBob SquarePants" und von den MTV Video Music Awards über AdSense häppchenweise auf Partner-Webseiten angezeigt werden, um für die entsprechenden Shows zu werben. Video wird so zu einem integralen Bestandteil der Onlinewerbung. Zustande kommen wird das Angebot in Zusammenarbeit mit MTV Networks.

Tom Freston, Chef von MTVs Muttergesellschaft Viacom, sagte: "Die Zusammenarbeit mit Google gibt uns eine fantastische Möglichkeit, unsere Inhalte nahtlos und gezielt noch weiter im Web zu verbreiten." Wie genau die Zusammenarbeit sich finanziell niederschlagen wird, wurde nicht mitgeteilt. Verträge mit anderen Anbietern außer Viacom sollen aber folgen.

Google und Viacom werden kooperativ auch Googles Videoangebot nutzen, um Episoden aus Viacom-Serien online zu verkaufen. 17 Serien sollen dafür vorgesehen sein, darunter "South Park" und "Jackass". Die Folgen werden demnach 1,99 Dollar pro Stück kosten. MTV verkauft zum gleichen Preis bereits Serienfolgen über Apples iTunes Music Store.

Experten sehen die Expansionsmöglichkeiten für das AdSense-Programm, das im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete, inzwischen eingeschränkt und halten den Markt für gesättigt.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap