PC-Markt "Die Krise werden nicht alle überleben"

Die Computerverkäufe in Deutschland sind im zweiten Quartal drastisch eingebrochen - und zwar gegen den weltweiten Branchentrend. Fujitsu Siemens soll seine Umsatzerwartungen für den Heimatmarkt bereits herunter geschraubt haben.

Egham/Hamburg - Der deutsche Markt für Personal Computer (PC) ist wegen einer geringeren Desktop-Nachfrage im zweiten Quartal drastisch gesunken. Die PC-Auslieferungen sanken im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 1,87 Millionen Stück, wie das Marktforschungsinstitut Gartner am Dienstag mitteilte.

Damit wird Deutschland zum Sorgenkind internationaler PC-Hersteller. Denn weltweit sind die Computerverkäufe im zweiten Quartal um 11 Prozent gestiegen - und auch in anderen großen Ländern Europas entwickelte sich der Absatz besser als hierzulande.

Das Notebook-Geschäft in Deutschland sei "moderat" um 8 Prozent gewachsen. Dagegen wurden 13 Prozent weniger Desktop-Computer abgesetzt.

"Die PC-Verkäufe waren zum zweiten Mail in Folge enttäuschend, sagte Gartner-Analystin Meike Escherich. "Der Privatkundenbereich fiel um 3 Prozent ab, der Geschäftskundebereich sogar um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr." Ein übertriebener Optimismus der Wirtschaft hätte viele PC-Hersteller dazu verführt, die Nachfrage nach PCs erneut zu überschätzen.

Fujitsu Siemens bleibt Marktführer

"Die Kombination aus einem Rückgang der Nachfrage im Großkundengeschäft, der Fußballweltmeisterschaft mit einem wachsenden Interesse nach Fernsehern statt nach Computern, sowie fehlenden Innovationen war für viele Hersteller fatal", sagte Escherich. "Hinzu kommt, dass die neuen EU-Regulierungen zur Umweltfreundlichkeit von PCs zu extrem hohen Lagerbeständen an alten PCs geführt haben. Das wiederum verhinderte die dringend notwendige Aktualisierung der Technologie."

Für den deutschen Marktführer Fujitsu Siemens war es laut Gartner erneut schwierig, dem Preisdruck der Konkurrenz standzuhalten. Das Unternehmen musste im Notebook-Bereich Rückgänge von 15 Prozent hinnehmen. Im Privatkundenbereich bei Desktops wuchs Fujitsu Siemens allerdings überdurchschnittlich mit 14 Prozent.

Insgesamt hat der führende Computeranbieter in Deutschland seinen Marktanteil im Jahresvergleich von 17 auf 18 Prozent erhöht. Dennoch soll Fujitsu Siemens laut der "Financial Times Deutschland" bereits seine Umsatzerwartungen für den Heimatmarkt gesenkt haben.

Medion ist besonders stark betroffen

Medion ist besonders stark betroffen

Der Branchenzweite Hewlett Packard (HP) war ebenfalls im zweiten Quartal mit aggressiven Preisaktionen bei den Notebooks erfolgreich und konnte hier ein 100-prozentiges Wachstum im Privatkundenbereich verbuchen. HPs Marktanteil in Deutschland stieg von 10 auf 12 Prozent.

Der Nummer drei in Deutschland, dem PC-Hersteller Dell, seien dank seiner Direktstrategie die Probleme mit hohen Lagerbeständen erspart geblieben. Neue Produktpaletten mit einem hohen Anteil an Prozessoren mit zwei Rechenkernen (Dual Core) sorgten Gartner zufolge für ein gutes Wachstum. Dell baute seinen Marktanteil im Jahresvergleich von 10 auf 11 Prozent aus.

Bei Acer sank der Absatz in Deutschland laut Gartner wie bereits im ersten Quartal wegen zu großer, veralteter Lagerbestände. Der Marktanteil der Taiwaner stagnierte bei 8 Prozent.

Auf dem fünften Platz landete Aldi-Lieferant Medion, dessen Marktanteil von 11 auf 7 Prozent absackte. "Erneute Rückgänge bei Medion machen deutlich, wie schwierig es mittlerweile für deutsche Assemblierer geworden ist, dem Konkurrenzdruck der internationalen Hersteller im Massenmarkt standzuhalten", erläuterten die Experten.

Medion wollte den Rückgang seines Marktanteils gegenüber der "Financial Times Deutschland" nicht kommentieren. Das Unternehmen berichtet am 10. August über den Geschäftsverlauf des abgelaufenen Quartals. Das Geschäft mit PC und Multimediageräten machte zuletzt etwa 70 Prozent des Jahresumsatzes von 2,5 Milliarden Euro aus. So könnte ein Einbruch der Computerverkäufe zu einem weiteren Belastungsfaktor werden.

Auch der deutsche PC-Hersteller Maxdata  leidet bereits seit geraumer Zeit unter sinkenden Umsätzen und roten Zahlen. "Maxdata oder andere werden diese Krise nicht überleben", sagte ein Branchenkenner.

Der Rückgang im zweitgrößten europäischen Markt nach Großbritannien trifft die Hersteller hart. Angesichts ständig fallender Preise müssen sie sich bei sinkenden Verkäufen auf geringere Umsätze einstellen. "Die dürften in diesem Jahr zweistellig sinken", sagte Escherich der Zeitung.

ddp/dpa/vwd

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.